So laut wie ein Baby zum FrauenKAMPFtag

Punk is Dad (no.7) von Thomas Reitmayer

Das Wesen einer Kolumne ist ja außer der Selbstbefriedigung des Autorenegos eine regelmäßige Erscheinungsweise. Es scheint allerdings niemandem aufgefallen zu sein, dass jetzt eine Woche Ruhe von mir war. Wuascht. Weder habe ich mich an der von SOS Mitmensch ausgerufenen „Populistenpause“ beteiligt (ich kann und will meine Pappn nämlich nicht halten!), noch habe ich linkslinker Staatskünstler mich mit einem Koffer voller Koks auf die Seychellen begeben – auch wenn man als Antifaschist und Berufsdemonstant sowohl Erholungsreisen als auch Suchtgift von der Antifa E.V. gestellt bekommt. Wie dem auch sei, passiert ist folgendes…

Die Olive ist jetzt 8 Wochen alt und beginnt zu brabbeln. „ExpertInnen“ zu Folge dürfte sie das erst so ab dem fünften Monat. Das ist ihr aber herzlich wuascht, wie auch sonst alles. Überhaupt sind genannte ExpertInnen der vertrottelte Bodensatz des Internets – das Binnen-I ist allerdings bitter nötig, denn oberg’scheiter als die Mütter, die sich ausschließlich als Mütter definieren und ihre fragwürdigen Weisheiten jedem, aber auch wirklich jedem aufs Aug‘ drücken müssen (völlig belanglos allerdings, ob das andere Eltern sind oder enthaltsame Mönche mit Vasektomiewunsch) sind nur noch die Väter, die sich ausschließlich als Väter definieren. So sehr ich mein Kind auch liebe, so will und werde ich nie sein – großes Hundianerehrenwort! Dafür habe ich das Kindergeld für vernünftige Sachen ausgegeben: Rotwein vom Hofer, ein neues Peckerl und das Selbsthilfebuch „Schachtelsätze für stinkfaule Tachinierer“.

Aber es geht um meine Tochter und ihre ersten Experimente mit Lauten. Wir sind uns als Eltern übrigens unabhängig voneinander einig, dass ihr erstes Wort „Arschloch“ war, fröhlich vor sich hingekräht. Aber von uns kann sie das nicht haben. Arschloch käme uns nie über die Lippen. Wir würden Oaschloch sagen. Keine Ahnung also, wer unser Baby so verdorben hat. Was war noch so los in meiner Schreibpause? Genau, der Internationale Frauenkampftag!

Sollte sich jetzt jemand echauffieren wollen, dass es ja Weltfrauentag heißt, haben Clara Zetkin, die Olive und ich ein paar Mittelfinger dafür übrig. (An dieser Stelle möchte ich übrigens ausdrücklich die Wiener Band Zetkin erwähnen und empfehlen: dezidiert antifaschistischer Thrash Metal mit Punk-Attitude und Hassmasken!) Außerdem, hey – was ist leiwander? FrauenKAMPFtag oder das im wahrsten Sinne des (Un-)Wortes laue Mailüfterl Muttertag? Gut, der Film ist schon wirklich großartig, daran kann man nicht rütteln, trotz des unrühmlichen Rechtsrucks des Holzperlentrottels… wir sollten allerdings niemals vergeben und vergessen, dass es die Nazis waren, die diesen Tag forciert haben. Abgesehen davon, man soll es nicht für möglich halten, gibt es auch Frauen, die nicht Mutter sind, nicht Mutter sein wollen oder sich einfach weigern, auf ihre Mutterschaft reduziert zu werden, verdammt nochmal!

Viel wurde schon darüber geschrieben, deswegen möchte ich mich auf das beschränken, was mir als Mann zusteht – und das ist bedingungslose Solidarität mit den Anliegen der Frauen, ohne wenn und aber. Ich bin unter Frauen aufgewachsen, ich lebe und liebe in meinem Zweimäderlhaus und ich war bei der Geburt meiner Tochter dabei. Jeder Mann würde nach 5 Minuten Presswehen wimmernd in der Ecke kauern und sich beschweren, dass man als Mann ja nix mehr wert ist, sich danach männerbündlerisch von den Habschis auf die doch nicht so starken Schultern klopfen lassen und einen Orden verlangen. Und wenn jetzt ein Mann zum Protest ansetzt… ja, genau um dich gehts, Wappler.

Bisher bei Punk is Dad:

Fotos: Olive You und Olives Mittelfinger (Thomas Reitmayer); „Punk is Dad“ (Foto: pixelmax); Titelbild: feMINIsmus (Thomas Reitmayer)

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