„Zarah und Zottel. Ein Pony auf vier Pfoten“ – Kindergartengeprüft

Ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch über Hilfsbereitschaft, Toleranz, Freundschaft und darüber, wie man ein Pony in den Aufzug bekommt Sonntag ist Büchertag

Von Hannah Wahl

Zarah ist mit ihrer Mama umgezogen und fühlt sich ziemlich alleine. Mama hat keine Zeit für sie, weil sie gerade die Wohnung herrichtet. Nachts muss sie immer arbeiten und am Tag schläft sie. Auch die Kinder, die im Hof spielen, schicken Zarah weg: „Geh besser wieder dahin wo du hergekommen bist!“
Traurig geht Zarah zurück in die Wohnung und klagt ihrer Mutter ihr Leid: „Ich will einen Freund, mit dem ich draußen was machen kann, wenn du drinnen Lärm machst! Oder wenn du schläfst und ich leise sein soll!“ Mama rät ihr, sich Freunde zu suchen, im Hof, wo eben alle sind. Doch Mama versteht nicht, was für ein schwieriges Unterfangen das sein kann. Unzufrieden verkriecht sich Zarah in den Hängesessel in ihrem Zimmer und liest in ihrem Lieblingsbuch über Indianer, die auf Pferden reiten! Zarah hätte auch so gern eines, doch ein Pferd würde nie in den Aufzug passen – oder doch?

Ist doch klar, ein „Laden für alles“ muss auch ein aufzuggerechtes Pferd haben, denkt sich Zarah. Und tatsächlich! Der Verkäufer lässt Zarah gleich auf dem zotteligen Tier probereiten. In Zottel hat Zarah endlich einen Freund gefunden. Als Zarah mit Zottel in den Hof trabt, erntet sie aber Gelächter: „Der ist doch kein Pony! Der hat ja Hundefüße!“ Auch Mama muss sie erst mal erklären, dass sie ein waschechtes Pony gefunden hat. Später beobachten Zarah und Zottel die Kinder vom Balkon aus, als sich plötzlich ein Junge beim Skateboardfahren verletzt. Zarah weiß was zu tun ist. Sie eilt in den Hof, hievt den Jungen auf Zottel und bringt ihn zu ihrer Mama – die ist immerhin Notärztin. Das Knie ist glücklicherweise nur verstaucht und zurück im Hof wollen alle mit Zottel spielen. Doch der muss leider zurück, Zarah kann ihn nicht bezahlen und auch ihre Mama nicht. Da kramen alle in ihren Taschen und legen zusammen, damit Zottel bei ihnen bleiben kann. Denn einen echten Freund gibt man nicht mehr her!

Wie kam das Buch bei den kleinen ExpertInnen im Kindergarten an?

Schon am Buchcover springt uns die quirlige Zarah mit dunkler Lockenpracht und ihrem zotteligen Freund entgegen. Ein Kind erkennt prompt die Ähnlichkeit zur Frisur seines Opas. Die Kinder sind schon ganz hibbelig und gespannt, was es mit dem Tier auf sich hat. Auf jeder der humorvoll gestalteten Seiten gibt es neben großartigen Illustrationen der Hauptfiguren auch liebevolle Details zu entdecken, die besonders den kleinen Detektiven auffallen: ein freches Hühnchen, dass sich zu den Kindern im Hof gesellt hat, oder eine Katze, die im „Laden für alles“ neugierig hinter der Registrierkasse hervorguckt. Auf jeder Seite wird gekichert und auf die lustigen Details hingewiesen. Besonders toll finden sie den Indianer-Hängesessel von Zarah und ihr tolles Zimmer unter dem Dach: „Sowas will ich auch haben!“ Die Kindergartenkinder verstehen jedenfalls nicht, warum die Kinder im Buch die „coole“ Zarah nicht als Freundin haben wollen.

Dass Zarah eine dunklere Hautfarbe hat, fällt nicht auf. Nur der Papa, der nicht vorkommt, wird kurz vermisst. Interessant erscheint, dass sich die Jungs schnell sicher sind: Obwohl das Mädchen elegant auf einem Bein mit dem Skateboard über die Rampe fährt, sind sie überzeugt, dass das wagemutige Mädchen hinfällt. Als die Erwartungen auf der nächsten Seite dann doch nicht erfüllt wurden, sind besonders die Buben überrascht. Sie beherrscht das Skateboard genauso gut wie die Jungs!

Während kritische Stimmen schon bei der Betrachtung des Buchcovers skeptisch sind, ob es sich bei dem zotteligen Getier wirklich um ein Pony handelt, bezweifeln es manche erst, als Zottel sein Beinchen hebt und gegen eine Laterne pinkelt. Am Schluss wiederum ist man sich nicht mehr so sicher, ob Zarah nicht doch ein Pony gefunden hat. Oder doch eine Pony-Hund-Mischung? Eigentlich gar nicht so wichtig, gibt die Geschichte doch so viel mehr her!

Fazit: Vom ersten Bild an haben wir uns alle in Zarah und Zottel verliebt!

Das liebevolle Kinderbuch punktet nicht nur mit seiner herzlichen Geschichte, sondern auch mit einem originellen und humorvollen Zeichenstil, der „Zarah und Zottel“ als stimmiges und mitreißendes Gesamtkunstwerk erscheinen lässt. Die geschickte Anordnung des Texts und die Verschmelzung von Text und bildnerischer Gestaltung ist besonders ansprechend: Mal steht der Text schräg, mal gebogen, mal hochkant und manchmal quer durchs Bild. Das wirkt auch auf die Kinder und so wird bemerkt, dass Zarah vom verschriftlichten Lärm aus Mamas Bohrmaschine rausgejagt wird.

Zweifellos liegt die Stärke des Buches auch darin, dass es für viele Altersstufen geeignet ist. Die Kleinsten, gerade mal drei, haben dabei genau so viel Spaß wie die größeren Kinder, und alle entdecken unterschiedliche Dinge. Auch Erwachsene kommen dabei auf ihre Kosten. Die Szenen im Buch regen Jung und Alt zum Nachdenken an und bringen die Kinder zum Diskutieren. Ein wundervolles Buch, das wichtige Themen wie Hilfsbereitschaft, Toleranz und Freundschaft kindgerecht verpackt.

Jan Birck
Zarah und Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten
64 Seiten, gebunden
FISCHER Sauerländer, 2017
ISBN 978-3-7373-5349-6

Fotos: Hannah Wahl

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