Rauchen oder nicht rauchen, das ist keine Frage

Ein Kommentar von Stefan Kastél

Im Jahr 2014 flog ich mit vier Freunden in die USA. New York, Portland, San Francisco. Von allem ein bisschen was. Auf dieser Reise wurde mir bewusst, dass Österreich ein wahres Raucherparadies ist und wir unsere Einstellung zum Thema Nichtraucherschutz vielleicht überdenken sollten.

Die „Tragödie“ begann schon am Flughafen London Heathrow, der als rauchfreie Zone gilt. Dort gibt es nämlich keine kleinen “Hühnerkäfige”, wie am Flughafen Wien Schwechat, in denen sich 10 Menschen auf drei Quadratmetern tummeln, um an ihrem Glimmstängel zu nuckeln.

Für mich (als Raucher) kein Problem. Ich arbeite mit Kindern zusammen und bin es daher gewohnt, auch für sieben oder acht Stunden keine Zigarette zu konsumieren. Dazu sollte man allerdings erwähnen, dass ich kein exzessiver Raucher bin. Ich komme am Tag nie auf eine halbe oder ganze Packung. Dazu fehlt mir auch einfach die Zeit.

Eine unserer Mitreisenden war/ist Kettenraucherin. Eine Packung am Tag musste sein, sonst wurde sie ziemlich unruhig. Das komplette Rauchverbot am Flughafen London Heathrow, versetzte sie daher in panikartige Zustände, bis sie es nicht mehr aushielt und auf die Damentoilette verschwand. Der darauffolgende mehrstündige Flug über den Atlantik, war für diese Person ebenso unentspannt.

In New York angekommen und in der erstbesten Bar sitzend, dann der nächste Dämpfer. Rauchverbot in allen Lokalen. Also keine Zigarette zum Kaffee und keine Zigarette zum Bier. Meine Raucherkollegin und ich mussten vor jedem Lokal einen gewissen (gesetzlich vorgeschriebenen!) Abstand halten, sonst hätten wir uns strafbar gemacht. Als verwöhnter österreichischer Raucher, war das die ersten Tage etwas gewöhnungsbedürftig. Nach rund einer Woche, hatte man damit aber keine Probleme mehr.  

Natürlich unterhielten wir uns außerhalb des Lokals hin und wieder über die Vorteile dieser Regelung. Man roch nicht länger wie ein Aschenbecher, es wurde grundsätzlich weniger geraucht, die Nichtraucher hatten ihre wohlverdiente Ruhe und als rauchender Mensch, nahm man sich bewusst(er) die Zeit für eine Zigarette.

In den anderen Städten galt dieses Gesetz natürlich ebenso.

Anmerkung: Autor legt eine Rauchpause ein.

Die Entscheidung zu rauchen ist selbst gewählt und natürlich ist man sich der gesundheitlichen Risiken bewusst. Und ja, es ist eine Sucht. Nur ist es ein großer Unterschied, ob ich dieses Gesundheitsrisiko selbst trage oder damit auch andere Menschen belaste. Ich habe schon öfters Situationen erlebt, die in mir ein schlechtes Gewissen hervorgerufen und mich zum Umdenken bewegt haben.  

Es kann zum Beispiel nicht angehen, dass eine Mutter mit Kleinkind den blauen Dunst ertragen muss, wenn sie sich mit Freunden auf einen Kaffee trifft. Wie kommen die Nichtraucher dazu, sich passiv vollqualmen zu lassen und die negativen Auswirkungen des Rauchens mitzutragen? So viel Empathie und Verständnis sollte eigentlich jeder rauchende Mensch aufbringen.

Wer rauchen will, soll rauchen. Niemandem fällt ein Stein aus der Krone, wenn man für fünf Minuten eine lustige Runde verlässt und seiner Sucht nachgeht. In unserer Gesellschaft hat man sich bestimmte Verhaltensmuster antrainiert oder nahm sie bis jetzt immer als gegeben an. Beim Thema Rauchen bedarf es einer strengeren Regelung und Rücksichtnahme.

Titelbild: Smoke (pixabay.com; public domain)

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