FIFA WATCH #1: Infantino und sein Traum von 48 Teams in Katar

Dass es im internationalen Fußball mehr um Geld, Macht und Prestige für Verbände, Konzerne und Großklubs als um den Sport selbst geht, ist nicht erst seit den „Football-Leaks“ bekannt. In der Serie “FIFA WATCH” will Unsere Zeitung mit regelmäßigen Berichten und Zusammenfassungen dafür sorgen, dass das nicht vergessen wird. Es geht um die Machenschaften der FIFA, aber auch um die der UEFA, der internationalen Topklubs und alles, was dazu gehört. Dieses Mal im Fokus: Eine mögliche WM 2022 in Katar mit 48 Teams und der neue UEFA „Benchmark-Bericht“.

von Moritz Ettlinger

Dauerthema WM 2022 in Katar

FIFA-Präsident Gianni Infantino setzt sich weiterhin für eine Aufstockung der WM in Katar 2022 auf 48 Teams ein und sieht dafür eine angebliche „Mehrheit“. Einem Bericht von sport.orf.at zufolge werde diese Möglichkeit „ergänzt und geprüft“, darüber entschieden werden solle spätestens im Juni, wie Infantino am Donnerstag in Marrakesch verkündete. Für Katar, das schon jetzt damit zu kämpfen hat, neue Stadien für eine WM mit 32 Mannschaften aus dem Boden zu stampfen und immer wieder mit Berichten zur katastrophalen Menschenrechtslage auf den Baustellen konfrontiert ist, wäre das eine weitere, eigentlich nicht machbare Herausforderung. Der FIFA-Boss spekuliert deswegen damit, Spiele in Nachbarländer wie Saudi-Arabien auszulagern.

Kritik an derartigen Plänen kommt von vielen Seiten, dieses Mal vom ehemaligen Richter der FIFA-Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert. Wie der „Kurier“ ebenfalls am Donnerstag vermeldete, sei laut Eckert der Hintergrund für die Aufstockung auf 48 Teams nur jener, „dass man mit mehr Mannschaften mehr Geld für Fernsehrechte verlangen kann“. Weiters rüge der Deutsche die aktuelle FIFA-Ethikkommission in Bezug auf die von Infantino geplanten Sponsoren-Deals. Für 25 Milliarden Dollar sollen Rechte an einer reformierten Klub-WM, einer weltweiten Nations League und weiteren Lizenzen der FIFA an ein Konsortium vergeben werden. Die Ethikkommission sei dabei untätig, es sei nicht erkennbar, dass irgendetwas passiere, so Eckert im Kurier.

Für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat die FIFA die Erweiterung des Teilnehmerfeldes bereits fixiert. Die Kritik von Eckert gilt natürlich bei diesem Turnier genauso, trotzdem ist die Lage in Katar weitaus problematischer. Und auch von den menschen- und arbeitsrechtlichen Problemen im Emirat abgesehen ist eine WM mit 48 Teams ganz grundsätzlich ein schwieriges Unterfangen. Vor allem, weil man sich die Frage stellen muss, wer denn ein solches Riesen-Event in Zukunft organisieren soll, wenn es nicht einmal die USA alleine stemmen kann. Das Argument auf der anderen Seite, durch eine WM mit mehr Teams würden auch mehr aus den unterrepräsentierten Verbänden aus Afrika, Asien, Nord- und Mittelamerika und Ozeanien teilnehmen können, ist zwar berechtigt. Die Hintergründe der FIFA sind allerdings klar.

UEFA lobt sich selbst und freut sich über Milliarden im europäischen Fußball

Am Freitag hat die UEFA ihren zehnten sogenannten „Benchmark-Bericht“ vom Jahr 2017 veröffentlicht. Und obwohl ihn der Verband auf seiner offiziellen Website naturgemäß lobt, als „umfassendste und transparenteste je veröffentlichte Übersicht über den aktuellen Zustand der europäischen Fußballfinanzen“ bezeichnet und behauptet, die Zahlen und Daten würden ein „positives Bild“ vermitteln, zeigt er doch einige Entwicklungen auf, die aus fußballromantischer Sicht nicht gerade für den europäischen Klubfußball sprechen.

Ein paar trockene Zahlen: 20,1 Mrd. Euro betrugen die Einnahmen aller Erstligavereine 2017, das bedeutet einen Anstieg von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in den letzten fünf Jahren erzielten die Vereine insgesamt Betriebsgewinne von über 4 Mrd. Euro. Die Einnahmen der europäischen Vereine wuchsen zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren stärker als die Gehälter. Außerdem: Innerhalb von 3 Jahren stiegen die Summen, die auf dem Transfermarkt ausgegeben wurde, um 95 Prozent.

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin spricht in seiner Stellungnahme davon, dass in dem Bericht „die zahlreichen Erfolge des europäischen Fußballs aufgezeigt“ würden. Was den finanziellen Erfolg für die Großklubs angeht hat er damit sicherlich recht.

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