Nichts kommt dem Faschismus gleich

Einfahrtsgebäude des KZ Birkenau, Ansicht von innen (27. Januar 1945, kurz nach der Befreiung durch die Rote Armee, Fotograf Stanisław Mucha)

Der Faschismus ist die entfesselte Diktatur des Imperialismus, er ist eine Phase, in die das Kapital eintritt, wenn es sich in der Krise befindet, um seine Herrschaft zu garantieren

Von Raúl Antonio Capote (Granma)

Lucius Annaeus Seneca sagte, dass die Wut die düsterste und unkontrollierteste aller Leidenschaften sei. „Die anderen Leidenschaften besitzen ohne Zweifel etwas Ruhiges und Gefälliges; aber diese besteht in ihrer Verbitterung nur aus Unruhe und Zügellosigkeit.“ (1)

Aus diesem Grund vermeide ich es mich von dieser Leidenschaft mitreißen zu lassen, wenn ich in den Websites, die damit prahlen objektiv und ernst zu sein, den unglaublichen Vergleich lese, den einige zwischen dem Kommunismus und dem Faschismus anstellen, indem sie beide mithilfe eines beispiellosen sophistischen Gewebes in eine Ähnlichkeit miteinander bringen.

Laut Pablo Guadarrama „ist der Marxismus ein authentischer Humanismus, der das Beste des menschlichen Denkens aufnahm und übertraf, das ihm vorausging und der, weit über die Hürden hinaus, die die vielfältigen Interpretationen, die darüber gemacht und in die Praxis umgesetzt wurden, diese weiter entwickeln wollte .“ (2) Ich würde mit allem Respekt noch wagen zu sagen, dass er er dies nicht nur wollte, sondern auch erfolgreich wollte; das sage ich, um bei den grammatischen Puristen keine Zweifel oder Verwirrungen aufkommen zu lassen.

Der Kommunismus, die erträumte Gesellschaft, die wir, die wir glauben, dass eine bessere Welt möglich ist, anstreben, ist eine Gesellschaft, in der es weder privates Eigentum noch private Produktionsmittel gibt, weder Staat noch gesellschaftliche Klassen, in der keine Gruppe von Menschen eine andere ausbeutet und man dies auch nicht untereinander tut; es ist das Reich der Solidarität, der Gleichheit, in dem die Menschen alles von sich dem Nächsten geben und in der jeder seinen Bedürfnissen entsprechend alles bekommt, in der die Menschheit den höchsten Grad an Wohlergehen und individueller und kollektiver Entwicklung erreicht.

„Die positive Unterdrückung des privaten Eigentums, wie die Aneignung des menschlichen Lebens ist also die positive Unterdrückung aller Entfremdung: d.h. Die Rückkehr des Menschen … zu seiner menschlichen, sozialen Existenzweise“. (3)

Das Privateigentum über die Produktionsmittel würde in das Eigentum des ganzen Volkes über diese Mittel verwandelt, sagte Thomas Morus. „Ich denke, dass dort, wo es Privateigentum gibt und alles an Geld gemessen wird, es schwierig sein wird, dass der Staat gerecht und richtig handelt; es sei denn man glaubt, dass es eine gerechte Handlung ist, wenn man zulässt, dass das Beste in die Hände der Schlimmsten gelangt, die dann, während die übrigen im Elend leben, den größten Wohlstand genießen“. (4)

Diejenigen, die nach Ähnlichkeiten suchen, beziehen sich auf bestimmte Praktiken, bedienen sich konstruierter Legenden um den Sozialismus zu beschmutzen, aber aus Unwissenheit oder Böswilligkeit, erwähnen sie nie, dass es auf Erden noch nie eine kommunistische Gesellschaft gegeben hat und dass der Sozialismus immer als eine Übergangsperiode betrachtet wurde, ein Weg, voller Korrekturen, hart und kurvenreich und außerdem unbekannt,aber unbestritten fair in seiner Suche nach vollständiger Gerechtigkeit für die Menschen, – alle Menschen, nicht nur die Arbeiter und Bauern.

Marx wollte die Menschheit befreien, ihr den Glauben an ihre unbegrenzten Möglichkeiten zurückgeben, an ihre reale Fähigkeit zur Befreiung; sein Ziel war es nicht nur, die Proletarier zu befreien, sondern alle Menschen. „Zunächst muss man erneut in der Brust dieser Menschen das Bewusstsein von sich als Mensch, die Freiheit erwecken. Nur dieses Gefühl, das mit den Griechen aus der Welt verschwand und das vom Christentum mit dem dunstigen Blau des Himmels sublimiert wurde, kann wieder aus einer Gesellschaft eine Gemeinschaft von Menschen mit einer höheren Zielsetzung machen“. (5)

Der Faschismus ist die entfesselte Diktatur des Imperialismus, er ist eine Phase, in die das Kapital eintritt, wenn es sich in der Krise befindet, um seine Herrschaft zu garantieren. Er ist der treue und beständige Verteidiger des Privateigentums, er ist der Hüter der Transnationalen, ganz egal was sein demagogischer Diskurs verkünden mag Bayer (IG Farben), Hugo Boss, Siemens, Porsche, Kodak, Coca Cola, Nestlé, IBM, BMW, Adidas, Volkswagen etc. haben mit dem Nazi-Regime zusammengearbeitet und ihren Nutzen daraus gezogen.

Dieses System garantierte ihnen die Macht und die Bereicherung der großen Monopole, sowohl in Italien als auch in Deutschland, sie waren der Grund dafür, dass Millionen Männer und Frauen wie Sklaven der großen Unternehmen arbeiteten.

„Faschistisch ist die Form, die die kapitalistische Modernität historisch übernimmt, wenn zu der anonymen wirtschaftlichen Gewalt ihrer Betriebsweise eine politische Gewalt zerstörerischer Art hinzukommt“ (6)

In ihren diversen Praktiken und Strömungen hat er die grausamsten Verbrechen gegen die Menschheit begangen, ist gleichbedeutend mit Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Krieg und Antikommunismus. Er hat nichts mit den Ideen des Kommunismus, mit der sozialistischen Praxis zu tun, sie sind diesem völlig entgegengesetzt.

Nazi-Deutschland trug in sich die Expansion, die Prinzipien der Überlegenheit des arischen Volkes und des Hasses gegen die Juden und andere Minderheiten. Innerhalb von sechs Jahren starben zig Millionen Menschen auf Grund dieses Regimes.

Die Konzentrationslager von Auschwitz und Dachau, wahre Todesindustrien, in denen alles Menschliche fremd war, verwerteten Haut, Knochen, Fett und Haar der Ermordeten, Millionen Männer und Frauen wurden zu Seife, zu Dünger verwandelt. Sechs Millionen Juden waren die Opfer, ohne die Sinti und Roma, die psychisch Kranken und all jene mitzuzählen, die dem Prototyp des Ariers nicht entsprachen.

Wir sollten niemals vergessen, dass es auf dem Boden des ersten sozialistischen Staates in der Geschichte der Menschheit, der UdSSR war, wo die Niederlage des Faschismus ihren Anfang nahm. Tausende Antifaschisten , viele davon Kommunisten, kämpften in Europa gegen dieses schändliche Regime.

Als Sohn der Wut – um mit dem Satz von Seneca zu schließen -, bedeutet der Faschismus „Durst nach Krieg, Blut, Leiden, Ausbruch übermenschlicher Wut, sich selbst vergessen, um anderen zu schaden“. Das hat nichts mit der besseren Welt zu tun, von der wir Kommunisten träumen und die wir aufbauen.

Der Sozialismus im Übergang zu dieser geträumten Welt des Kommunismus brachte der Welt, über seine wirklichen und erfundenen Irrtümer hinaus, gleiche Rechte und Gerechtigkeit, bekämpfte Hunger, die Diskriminierung und die Intoleranz. Es gibt nichts, was wir mit dem Faschismus gemein haben.

Fußnoten:
(1) Von der Wut Lucius Anneaus Seneca

(2) El marxismo no es un hongo. Pablo Guadarrama.
(3) K. Marx. Ökonomische und Philosophische Manuskripte von 1844
(4) Tomás Moro y Campanella, utopías del renacimiento. Fondo de cultura económica de México, 1956, p.35.
(5) C. Marx. Cartas a Ruge, en Argumentos, Bogotá, no-45, febrero-mayo, 1983, p.104.
(6) Para comprender la crisis capitalista mundial actual. Por la Fundación Heberto Castillo Martínez A.C.

Der Beitrag erschien zuerst in der kubanischen Tageszeitung „Granma“. Deutscher Text auf Granma Internacional – Deutsch.

Titelbild: Einfahrtsgebäude des KZ Birkenau, Ansicht von innen (27. Januar 1945, kurz nach der Befreiung durch die Rote Armee, Fotograf Stanisław Mucha), Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

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