Aufruf gegen den Krieg in Nordsyrien

Warum gegen den Krieg demonstrieren, wenn doch sowieso alle dagegen sind?

Von Klaus Hecker

Ob im Fernsehen oder in der Zeitung, gegen den Krieg der Türkei in Syrien sind alle, von den USA über die EU bis hin zu den Kurden. Einen Unterschied macht es allerdings, aus welchem Grund die verschiedenen Parteien gegen diesen Krieg sind.

Wir demonstrieren gegen den Krieg der Türkei gegen die Kurden und gegen ihren Bündnispartner Deutschland.

Wir kritisieren die Bundesregierung nicht deshalb, weil diese nur halbherzig einen Waffenboykott verkündet hat, sondern weil dieser Boykott zeigt, wie die Regierung zu diesem Krieg steht.

Wenn sie der Türkei in Zukunft keine Waffen mehr liefern will, dann liefert sie die vereinbarten Waffen erst einmal weiter, weil die Türkei ein Bündnispartner in der NATO ist und auch bleiben soll. Deutschland hat die Türkei mit allen möglichen Waffen aus deutscher Produktion ausgestattet, weil für sie die Türkei im Rahmen der NATO ein strategisches Land ist in der Front gegenüber Russland und um in Asien und dem Nahen Osten Einfluss auf die Politik der dortigen Länder ausüben zu können. Zwar rechnet aktuell niemand der Regierenden mit einem Krieg gegenüber Russland, aber im Prinzip schon und dafür hat man die Türkei mit allem notwendigen ausgestattet. Von wegen der Krieg sei kein Mittel deutscher Politik, wie die Rüstung der Türkei zeigt, kalkuliert man ständig damit und will dafür nichts anbrennen lassen.

Dass die Türkei gegen die Kurden vorgeht, auch dagegen hat man in Deutschland nichts, denn der Türkei gesteht man zu, dass sie ein berechtigtes Sicherheitsinteresse gegenüber den Kurden hat, die einen eigenen Staat anstreben und damit die Souveränität der Türkei in Frage stellen. In der Beziehung ist man mit der Türkei einig, dass jede Form derartiger Aktivitäten zu unterbinden ist, deshalb verfolgt Deutschland auch die kurdische Partei PKK. Wenn Deutschland kritisiert, dass deutsche Waffen jetzt in Syrien zum Einsatz kommen, weil dieser Krieg die Region destabilisiere, dann kann das einen eigentlich nur verwundern. Für die Menschen in der Region ist die Situation alles andere als stabil, schließlich herrscht dort seit Jahren Krieg. Nur mit der jetzigen Kriegssituation kann Deutschland offenbar gut leben, ist es doch mit seinen Tornados dort eingemischt und kann Einfluss nehmen.

Mit dem Abzug der US-Amerikaner ist dieser Einsatz überflüssig und Deutschland ausgemischt. Das gefällt den Regierenden gar nicht. Wenn dann auch noch die Türkei in Syrien einmarschiert und damit die syrische Regierung und die Russen mit auf den Plan ruft, dann hat Deutschland diesen Krieg nicht bestellt und kritisiert die Türkei dafür, dass sie für diesen Einsatz deutscher Waffen das Herkunftsland nicht um Erlaubnis gefragt hat.

Also steht Erdogan in der Kritik für zu viel Eigenmächtigkeit, dafür hat man ihn nicht hochgerüstet. Wenn der dann auch noch hingeht, und mit der Öffnung der Grenzen für die Flüchtlinge droht, ist jedes Maß für die deutsche Regierung überschritten. Da wird Mitleid mit den Opfern geheuchelt, an denen nur eins interessiert: Dass sie möglichst nie die Grenzen zu Europa überschreiten. Denn dafür hat man die Türkei immer geschätzt: Dass sie diese Elendsfiguren daran hindert, Europa zu erreichen. Wie er das gemacht hat, dass er sie eingesperrt hat, das alles hat solange nicht interessiert, wie die Flüchtlinge daran gehindert wurden, nach Europa zu gelangen. Dass er diesen Auftrag aufkündigen will, das ist eines seiner größten Vergehen, die aber das gemeinsame Bündnis nicht in Frage stellen soll.

Keine deutschen Waffenlieferungen – auch nicht die bereits vertraglich vereinbarten, und noch nicht gelieferten  Waffenlieferungen – an die Türkei!

Aufklärung über die strategische Funktion der Türkei im Nato Konzept und dem deutschen Interesse daran!

Raus mit deutschen Tornados in der Region!

Beendigung des schmutzigen Flüchtlingsdeals zwischen Deutschland und der Türkei!

Hände weg von Rojava!


Klaus Hecker, geb. 08.09.1954 in Wetzlar, dort 1973 Abitur. Studium Der Fächer Deutsch, Politik, Philosophie für das Lehramt an Gymnasien. Von 1985 – 2017 Gymnasiallehrer an der Carl-Strehl-Schule (Deutsche Blindenstudienanstalt), einem Gymnasium für Sehbehinderte und Blinde. Als politischer engagierter Mensch hat er Zeit seines Lebens in vielen sozialen Initiativen gearbeitet und tut das immer noch. Seine große Liebe gilt den Alpen, im Sommer und im Winter, und als DAV-Fachübungsleiter „Skibergsteigen“ führt er so einige Gruppen durch die Berge.

Titelbild: Nein zum Krieg (fotocommunity.de/keinerda; Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0)


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