Die Blatter’sche Doppelmoral

Joseph Blatter 2010.
Titelbild: Joseph Blatter, 2010 (Marcello Casal Jr./ABr [CC BY 3.0 br (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/deed.en)], via Wikimedia Commons)

Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino ist mehr als berechtigt. Sein Vorgänger Joseph Blatter ist allerdings der letzte, der sie äußern sollte.

Ein Kommentar von Moritz Ettlinger

„Er hintergeht die eigenen Leute – und missbraucht das Vertrauen der FIFA“. Diesen Satz über FIFA-Präsident Gianni Infantino würden derzeit wohl viele unterschreiben. Nach den Skandalen rund um die Football-Leaks, Infantinos Machenschaften als UEFA-Generalsekretär (Stichwort: Financial Fair-Play) und Co. hat Infantino das Vertrauen in seine Person und die FIFA endgültig verspielt. Auch seine jetzt bekannt gewordenen Pläne , nahezu sämtliche TV-, Digital- und Marketingrechte des Weltverbandes an eine Investorengruppe zu verkaufen, tragen nicht gerade zur Besserung der Situation bei.

Dass der oben zitierte Satz aber ausgerechnet von Ex-FIFA-Präsident Joseph Blatter (im Gespräch mit der „SportBild“) kommt, ist überraschend. War es doch der 82-jährige Schweizer, der von der Ethikkommission des Weltverbandes wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung für sechs Jahre gesperrt wurde. Er ist es, der die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar zu verantworten hatte und nicht nur in diesem Zusammenhang noch immer in Korruptionsverdacht steht. Und er war es damit auch, der schon lange vor Infantions Zeit als FIFA-Präsident damit begonnen hatte, das Vertrauen in die Organisation zu untergraben.

Das alles ändert nichts daran, dass die Football-Leaks wohl der größte Skandal in der Geschichte des internationalen Fußball sind. Es ändert auch nichts daran, dass der Ausverkauf der FIFA durch Infantino so nicht passieren darf und seine Pläne Konsequenzen haben müssen. Und es ändert nichts daran, dass Infantino für den Posten als FIFA-Präsident völlig ungeeignet ist.

Mit einem solchen Spruch verhöhnt Blatter jedoch alle, die zumindest noch ein bisschen an den Fußball glauben. „Ich habe 41 Jahre lang die FIFA geprägt, was jetzt passiert, tut mir im Herzen weh“, sagte Blatter der „SportBild“. Vielleicht sollte sich der Ex-Präsident noch einmal in Erinnerung rufen, wie er die FIFA und damit den internationalen Fußball geprägt hat.

Titelbild: Joseph Blatter, 2010 (Marcello Casal Jr./ABr, Lizenz: CC BY 3.0 br, via Wikimedia Commons)

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