Der alternative Transferticker #9

Weissman Shon, wer der teuerste Abgang des Wolfsberger AC aller Zeiten ist? Oder was Chelseas neuer Linksverteidiger Ben Chilwell mit Käse zu tun hat? Die Antworten darauf und noch einiges mehr gibt’s in der neunten Ausgabe des alternativen Transfertickers! 

Im „alternativen Transferticker“ gibt Moritz Ettlinger einen Überblick über die interessantesten Fußball-Transfers der Woche und veranschaulicht kritisch und nicht ganz ohne Ironie, was man mit dem Geld für überteuerte Fußballer sonst noch hätte machen können bzw. was mit ähnlichen Summen bereits gemacht wurde.

55 Millionen Euro für Ben Chilwell – oder 40.000 Tonnen Käse

Wie egal einem Fußballverein eine Pandemie sein kann, wenn er einen Multimilliardär als Geldgeber hat, zeigt uns zum wiederholten Mal der FC Chelsea. Schon bisher gaben die Londoner für die beiden Offensivspieler Timo Werner und Hakim Ziyech 93 Millionen Euro aus – jetzt überschreitet diese Summe die 100er-Marke deutlich.

Einen neuen Linksverteidiger wollte Chelsea-Coach Frank Lampard haben, einen Linksverteidiger hat er bekommen: Für 55 Millionen Euro wechselt der englische Nationalspieler Ben Chilwell von Leicester City an die Stamford Bridge. Damit steigen die Transferausgaben der Blues in diesem Sommer auf 148 Millionen Euro.

Für den FC Chelsea nur ein weiteres, kleines, verkraftbares Minus am Bankkonto, für viele andere ein weiterer Rückschlag im Krisenjahr. Die Bank Austria verzeichnete im zweiten Quartal einen Verlust von – genau – 55 Millionen Euro. Wer anstelle einer imaginären Bankenrettung hingegen lieber eine reale Investition in Käse sehen möchte, sollte bei der bayerischen Molkereigenossenschaft Bayernland vorbeischauen. Das Unternehmen baut in Bayreuth für 55 Millionen Euro eine neue Schnittkäserei, in der nach Fertigstellung 40.000 Tonnen Käse pro Jahr produziert werden sollen. Rekordverdächtige Mengen.

30 Millionen Euro für Rodrigo – oder gemeinnützige Organisationen

Ein zweifelloser Rekord stellt der Transfer von Valencia-Stürmer Rodrigo zu Leeds United dar: 30 Millionen Euro lässt sich der Premier-League-Aufsteiger die Dienste des 29-Jährigen kosten. Ausgestattet mit einem Vierjahresvertrag soll der Spanier nun dabei helfen, Leeds in der obersten englischen Spielklasse zu halten.

Insgesamt gaben die „Peacockes“ in diesem Transferfenster bereits knapp 70 Millionen Euro aus – extreme Summen für einen Erstliga-Aufsteiger. Zum Vergleich: Der Marktwert des gesamten (!) Kaders des deutschen Zweitliga-Meisters Arminia Bielefeld beträgt laut Transfermarkt etwas mehr als 25 Millionen Euro, jener des spanischen Meisters in der Segunda Division, SD Huesca, 23 Millionen Euro. Da können englische Aufsteiger wie Leeds United (Kader-Marktwert: 128 Millionen Euro) nur lachen.

Die 30 Millionen Euro für Rodrigo ließen sich übrigens natürlich auch sinnvoller einsetzen. Genau die gleiche Summe stehen im deutschen Schleswig-Holstein gemeinnützigen Institutionen als Sonderdarlehen im Rahmen eines Corona-Hilfsprogramm zur Verfügung. Wenn die nicht zurückbezahlt werden müssten, wäre sicher viele Menschen im Bundesland sehr geholfen. Na, wie wär’s, Leeds?

4 Millionen Euro für Shon Weissman – oder Hochwasserschutz

Gleich zweimal zum Rekordtransfer wurde am Montag der Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga – wenn auch mindestens zwei Kategorien unter Rodrigo. Shon Weissman verlässt wie erwartet den Wolfsberger AC und wechselt zum spanischen Erstligisten Real Valladolid. So schmerzlich der Verlust ihres Topstürmers für die Kärntner auch ist, so angenehm dürfte der Blick aufs Bankkonto sein: Vier Millionen Euro legt Valladolid für den 24-jährigen Israeli hin und macht ihn damit zum teuersten Spieler in der Geschichte beider Vereine.

Eine im internationalen Vergleich fast schon lächerlich kleine Summe, die bei vielen europäischen Top-Klubs wohl kaum ins Gewicht fallen würde. Enorm viel Gewicht hätten allerdings die Wassermassen, die Teile der niederösterreichischen Stadt Berndorf unter sich begraben könnten, sollte die Gemeinde wie in den Jahren 1992 und 1997 erneut Opfer eines dramatischen Hochwassers werden. Um das Schlimmste im Ernstfall zu verhindern, investieren Gemeinde, Land und Bund jetzt vier Millionen Euro in den Hochwasserschutz. Die einzig relevante Frage lautet jetzt aber: Weissman Shon, wo die vier Millionen Euro dringender benötigt werden?

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Zu allen bisherigen Folgen des alternativen Transfertickers

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Titelbild: Unsere Zeitung/Moritz Ettlinger

 

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