Politik fällt weg
Im letzten Jahrzehnt konnte sich Teen Vogue zu einem einflussreichen Sprachrohr des aus den USA sich ausbreitenden, neuen Linksliberalismus entwickeln. Damit ist nun wieder Schluss, denn im November übernahm das Muttermagazin Vogue die Festlegung der redaktionellen Linie.
Von Dieter Reinisch (Zeitschrift INTERNATIONAL, Heft V/2025)
Es war eine der positiven Überraschungen der ersten Präsidentschaft von Donald Trump: Zufällig zeitgleich mit Beginn seiner Amtszeit wurde das Magazin Teen Vogue zwar zunächst als gedrucktes Produkt eingestellt. Doch das eröffnete der neuen Chefredaktion Freiräume. Denn der Eigentümerkonzern Condé Nast stellte auf digitale Publikation um und setzte eine neue Chefredakteurin ein, die ihre neu gewonnenen redaktionellen Freiheiten nutzte, Teen Vogue zu einer deutlichen, radikal linksliberalen Kritikerin der Trump-Politik zu machen.
Ursprünglich 2003 als Tochter von Vogue gegründet, lag der Fokus auf „Fashion, Style und Beauty“.
Im Gegensatz zu anderen Jugendmagazinen überlebte Teen Vogue irgendwie. 2016 kam es zu einem Wechsel der Redaktion: Elaine Welteroth wurde Teil des neuen Teams – und später Chefredakteurin. Trump würde „Amerika an der Nase herumführen“, verkündete das Magazin wenig später, kurz bevor Trump seine Präsidentschaft antrat.
Von Trump zu Mamdani
Es war der Beginn eines rapiden redaktionellen Wandels hin zum linksliberalen Radikalismus. Plötzlich waren auf der Homepage von Teen Vogue neben den Artikeln zu Schönheitsprodukten und Kleidungstipps fundierte Texte zu Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu finden. Junge US-Leser wurden plötzlich in das Denken von Karl Marx eingeführt, sie lasen über Dekolonialisierung, Kulturimperialismus und geplante Wirtschaft. Die neuen Politthemen stießen auf Interesse. Teen Vogue gewann neue Leser und reflektierte das steigende Interesse an radikalen Themen liberaler US-Millennials.
Ein Trend, der sich auch im Wachstum des linken Magazins Jacobin, dem Wachstum der Democratic Socialists of America (DSA) und der Wahl von DSA-Kandidat Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York bestätigt.
Doch während sich Jacobin an Aktivisten und Akademiker wendet, erreicht Teen Vogue eine breitere Leserschaft.
Mit der radikalen Politik ist es nun vorbei: Nach dem Wechsel an der Spitze von Vogue durch den Abtritt der langjährigen Chefredakteurin Anna Wintour beschloss die neue Chefredakteurin Chloe Malle, Teen Vogue inhaltlich wieder an Vogue zu binden, um „mehr redaktionelle Einheit“ zu schaffen, wie es in einer Stellungnahme heißt.
Die eigenständige Website werde aufgegeben und in vogue.com überführt. Die Chefredaktion von Teen Vogue werde das Unternehmen verlassen und Malle selbst den Wandel überwachen. Dasselbe passierte einen Monat zuvor mit dem Schwestermagazin Vogue Business.
Bis zur Übernahme durch Vogue war Versha Sharma Chefredakteurin der Teen Vogue. Sie ermöglichte kritische und informative Artikel zu Migration, Klimawandel, Transgender-Themen und Tech-Milliardär Elon Musk.
In einer Stellungnahme an die New York Times war zu lesen, dass Teen Vogue ein „eigenständiges redaktionelles Produkt mit klarerer Positionierung und Mission bleibe“, das sich auf Themen wie Karriereentwicklung und Leadership konzentrieren werde. Von Politik war darin nichts mehr zu lesen.
Auf Instagram wurde am 12. November eine weitere Erklärung veröffentlicht: Teen Vogue werde weiter wie bisher „Geschichten erzählen, die wichtig sind“. Das Team freue sich die kommenden Projekte – um radikale Politik werden sich diese aber nicht mehr drehen.
Dieter Reinisch ist Chefredakteur der INTERNATIONAL sowie Chefredakteur und Vorstandsmitglied des Österreichischen Journalisten Clubs. (Stand: Dezember 2025)
Titelbild: Natasha Kendall/pexels (public domain)

