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„Akademikerball“: Proteste bei Eiseskälte

Antifaschist:innen gingen gegen Sozialabbau und Rechtsextremismus auf die Straße

Von Danijel Jamrič

Trotz eisiger Kälte haben am Freitagabend etwa 1.500 Menschen an den Protesten gegen den „Akademikerball“ in Wien teilgenommen. Der von der Freiheitlichen Partei organisierte Ball in der Wiener Hofburg gilt als Vernetzungstreffen extrem Rechter aus ganz Europa.

Zum Protest aufgerufen hatte unter anderem das antifaschistische Bündnis „Offensive gegen rechts“, dem rund 1.000 Teilnehmer:innen gefolgt sind. Im Mittelpunkt stand dieses Jahr – neben der Kritik an Rassismus und Deutschnationalismus – das Thema Sozialabbau. Ein Sprecher der „Offensive gegen rechts“ erklärte in einem Redebeitrag: „Sozialabbau begünstigt Spaltung und Faschismus.“ Dieser Argumentation folgte auch eine Sprecherin der Sozialistischen Jugend: „Durch Sozialabbau entsteht der Nährboden, von dem Rechtsextreme profitieren können.“ Menschen würden gegeneinander aufgehetzt und durch rechte Propaganda gespalten, wovon letztlich nur Millionäre und Milliardäre profitierten. Der lautstarke Demonstrationszug führte von der Wiener Hauptuniversität über den Ring zum Stephansplatz im Zentrum Wiens, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Eine weitere Demonstration gegen den „Akademikerball“ war der „Budenbummel“, der von der „Gruppe für organisierten Antifaschismus“ koordiniert wurde und an dem etwa 400 Personen teilnahmen. Der Marsch zog an mehreren „Buden“ von deutschnationalen Burschenschaften und katholischen Studentenverbindungen vorbei und protestierte gegen rechtsextreme Männerbünde, gegen Sexismus und gegen Antisemitismus. Auch am nahe der Hofburg gelegenen Michaelerplatz fand ein „Protest gegen den Burschiball“ statt, organisiert wurde die Kundgebung vom „Antifaschistischen Bündnis Ballhausplatz“.

Der „Akademikerball“, 1952 unter dem Namen „Wiener Korporationsball“ von schlagenden und deutschnationalen Burschenschaften ins Leben gerufen, gilt als internationales Stelldichein von Rechtsextremen. Seit 2008 wird der Ball jährlich von antifaschistischen Protesten begleitet. Den Höhepunkt erreichten die Proteste in den 2010er-Jahren mit bis zu 10.000 Demo-Teilnehmer:innen. Diese Zahl hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Am Heldenplatz, wo sich der Austragungsort des „Akademikerballs“ befindet, galt auch dieses Jahr ein von der Polizei verordnetes Platzverbot.


Titelbild: Die Demonstration der „Offensive gegen rechts“ am Wiener Stephansplatz (Foto: dj)

 

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