Kunstvolle Weisen, die in die Zukunft weisen
43 Jahre Reibeisen-Magazin – Eine Würdigung von Benjamin Lapp
Das Kapfenberger Kulturmagazin Reibeisen kreiert nun schon seit über vierzig Jahren einen Raum, in dem Kunst atmen und agieren kann, und ein Ende ist glücklicherweise nicht in Sicht, denn schon hat die Planung für die 44. Ausgabe begonnen.
In einer balancierenden Ausrichtung zwischen dem Bewusstsein, die Vergangenheit als Lehrmeisterin anzuerkennen und dem gleichzeitigem Wunsch, die Zukunft zu umarmen, ist das Magazin jeher eine authentische Stimme für die Kultur diesseits und jenseits der Berge. Genau diese Ausrichtung ist, aus meiner bescheidenen Sicht, das entscheidende Spannungsfeld in dem Kunst agieren muss und nebenbei ist es auch das Feld, in dem sich jenes Abenteuer abspielt, das wir Leben nennen.
Um aber zu veranschaulichen, welchen Stellenwert dieses Magazin auch für den Schreiber dieser Zeilen hat, nun dafür, geehrte Leser, möchte ich einen Sprung in die Vergangenheit machen und zwar zur Ausgabe Nr. 14. Seit bald dreißig Ausgaben begleitet mich dieses Kulturmagazin aus der Ferne. Meine Großmutter besuchte einmal mehr hier aus Hessen ihre geliebte steirische Heimat. Was zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar war, es sollte ihr letzter Besuch sein. Erst mit vielen Jahren Abstand wurde mir offenkundig, wie sehr sie diese Wurzeln brauchte und danach zerrte.
Warum findet dies Erwähnung in einem Text über das Reibeisen-Magazin?
Nun, in dieser Ausgabe Nr.14 wurde ihre Mutter, meine Urgroßmutter in dem Artikel „Widerstand gegen den Faschismus in Kapfenberg“ als Opfer erwähnt. Sie hatte diese kleine Stelle fein mit Kugelschreiber unterstrichen und legte darüber hinaus ein Lesezeichen zwischen den Seiten. Erst später wurde mir bewusst, dass dies ihre Art war sogar im kleinsten Bereich für das Erinnern an ihre Mutter zu werben. Das Lesezeichen ist bis heute dem Magazin und den Seiten treu geblieben. Leider war es ihr nicht mehr vergönnt zu erleben, wie die Stadt Kapfenberg eine Gasse nach ihrer Mutter Josefine Kettler benannte.
Auf das Reibeisen–Magazin zurück kommend lag in dieser Erwähnung und in der bewussten Geste meiner Großmutter, mir diese Ausgabe zu überreichen, eine zukunftsweisende Bedeutung inne. Es war rückblickend der eigentliche Startpunkt, sich sowohl dem Leben meiner Urgroßmutter als auch intensiver dem meiner Großmutter zu nähern.
Jahre später war es mir dann als Künstler vergönnt, einen Austausch mit wunderbaren Personen des Kulturzentrums und des Europa-Literaturkreis Kapfenberg zu haben.
Mit all diesen Erinnerungen und Erfahrungen verbleibe ich an dieser Stelle mit den besten Grüßen an die Redaktion und allen weiteren Beteiligten, auf dass noch viele inspirierende Ausgaben folgen mögen.
Titelbild: Österreichische Gesellschaft für Literatur/Präsentation des >Reibeisen< #42 (blog.ogl.at)

