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Lob für Ö1

Ein Kommentar von Udo Bachmair, Präsident der Vereinigung für Medienkultur

Das Ö1-Journal zu Gast zum Jahresende hat sich durch überraschend großen Mut ausgezeichnet. Eingeladen zu dieser schon legendären Radioreihe war dieses Mal Eva Menasse, Autorin und engagierte Beobachterin des aktuellen Geschehens. Sie konnte im Ö1-Journal zu Gast-Interview die ORF-Führung für deren Verhalten in der Causa El-Gawhary ganz ungehindert kritisieren. Die entsprechende Passage wurde nicht herausgeschnitten. Dafür gebührt dem für das Gespräch mit Menasse zuständigen leitenden ORF-Redakteur Andreas Pfeifer volles Lob.

Bekanntlich hat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (angeblich unmittelbar nach seinem Israel-Besuch) beschlossen, den Vertrag mit dem mehrmals preisgekrönten Nahostkorrespondenten über den Sommer 2026 hinaus nicht zu verlängern. Polit-Insider gehen davon, dass die ORF-Führung dem Druck von außen nachgegeben habe.

Die Hauptkritiker von El-Gawhary, unter ihnen vor allem die Israelitische Kultusgemeinde, leidenschaftlich unterstützt von ÖVP-Granden wie Ex-NR-Präsident Wolfgang Sobotka, die jegliche Kriegsverbrechen des rechtsextremen israelischen Regimes gegen die Bevölkerung von Gaza leugnen, unterstellen dem Nahost-Korrespondenten anti-israelische Berichterstattung. Verteidiger El-Gawharys würdigen hingegen dessen sachorientierte Berichte und mitfühlende Reportagen.

Die Entscheidung des ORF-Generals in dieser Causa, gegen die sich eine Petition mit bisher an die 20.000 Unterschriften wendet, sehen politische Beobachter auch im Zusammenhang mit der Neuwahl des ORF-Chefs im August. Sie könnte Weißmann die nötigen ÖVP-Stimmen für dessen Wiederwahl sichern.


Titelbild: Eva Menasse (commons.wikimedia.org/Foto: www.stephan-roehl.de; Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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