Im Widerspruch sein zur Barbarei
Von Benjamin Lapp
Prolog
Eine einst mächtige Idee, abgeschnitten von allen Bindungen ihrer Geschichte und
lauthals zur Leiche erklärt, sackte in völliger Einsamkeit und weit entfernt von
jeglichem Morgenrot, in sich zusammen, gemeuchelt vom scheinheiligen Zeitgeist,
weil das Gute nun nicht mehr gut sein darf, und allein nur da unterwürfiges
Schweigen über diese Tat die Herrschaft der Spaltung stützt…sagt mir, wie ist ihr
Name?
1.
Aufgewacht in dunkler Nacht, solidarisieren sich die noch aufgeregt pumpenden Herzen dieser viel zu lange ausgezehrten und sprachlosen Masse aus vormals hilflos Vereinzelten für ein Ende der beständigen Hatz voll bedrückender Zumutungen, auf sie losgelassen von jenen die sich gar noch versündigen am Worte Zuversicht, und verlangen endlich innere Ruhe zu finden für eine gegenseitige kameradschaftliche Anteilnahme, aus der allein Frieden wird erwachsen können.
(Oh, ihr Brüder und Schwestern….)
Eine Idee, scheinbar ohne großes Aufhebens der Vergessenheit anheimgefallen,
sank darnieder hindurch des nebligen Getuschels all jener Unwissenden, bettete sich
hin auf einem ausgelaugten Boden, wo dereinst blühende Landschaften versprochen
waren…sagt, wie ist ihr Name?
2.
Und all die Händler der Macht, die im Getöse der gewaltigen Lüge Vertreter dieser Karawane der Ungehörten zu sein behaupten, und doch nur begierig darauf aus sind ihre Hände in einer stinkenden Jauche von postulierter Unschuld zu waschen, werden sich verantworten müssen für all ihrer kriegerischen Taten.
(Oh, ihr Brüder und Schwestern, stimmt mit ein…)
Eine Idee, bescheiden in einer Pfütze aus Trauer gelegen, und nur vereinzelt
bedacht, noch während letztes Lebenspurpur von ihr gewichen, mit der Aufwartung
jener, die ihrem Wirken durch wendungsreiche Zeiten verbunden geblieben, und aus
dem leisen Geraune dieser kleinen Schar gebar sich eine flehentliche Bitte an sie,
diese Welt doch nicht zu verlassen …sagt, wie ist ihr Name?
3.
Im einsetzenden Greinen, inmitten Ruinen des zwischenmenschlichen Daseins, fällt der letzte Vorhang für so viele getäuschte Seelen, ob dieser Hinterlist eines neu bestellen dysfunktionalen Taugenichts und seinen Kohorten aus den Provinzen, die die große Geschichte des Widerstands gegen das Böse aufs banalste zu verfälschen drohen.
(Oh, ihr Brüder und Schwestern, stimmt mit ein in den großen Gesang…)
Eine Idee wurde mit steigender Wiedererkennung, liebevoll getragen von den
Parteigängern des reinen Herzens, auf einem See aus Trauer aufgebahrt, und aus
jeder Kehle entfleuchte ein Atem-Klang, der sich vereinigte zu einer ihr ehrenden
Hymne für die grenzenlose Zärtlichkeit…sagt, wie ist ihr Name?
4.
Die ersten Schritte in der Dämmerung hin zum wieder neu zu entdeckenden Land der Verheißung, dessen Suche in dieser Aura lähmender Verletzlichkeit ein Credo für die Menschwerdung sein sollte, werden in der Stille des Verständnisses und mit untergehakter Geschlossenheit getätigt, doch dann schon donnern die Lieder, durchdrungen von Charismen des Friedens, in das Morgenrot hinein.
(Oh, ihr Brüder und Schwestern, stimmt mit ein in den großen Gesang gegen ihre Lügen und im Namen der Solidarität!)
Epilog.
Eine Idee, umringt und tief bewegt ob der Tausenden, der Millionen, die sich ihrer
noch erinnern, ist auferstanden aus dem Meer des Mitgefühls, streift ab nun das
Leichengewand, wird vielmehr zum Taktgeber für jene die erwacht sind in dieser
dunklen Nacht und schreitet mit ihnen, den vormals Ausgezehrten und Sprachlosen,
wider allen Lügen dem bald erwachenden Morgenrot entgegen…und ihr Name, euch
allen wohl bekannt, war, ist und wird auf ewig sein…
Titelbild: Benjamin Lapp

