Vom Mut, Krankheit sichtbar zu machen
Zum Tod von Andrea Kdolsky (1962–2026)
Von Nina Maron

Andrea Kdolsky ist tot. Mit nur 63 Jahren ist die Ärztin und ehemalige Gesundheitsministerin an den Folgen ihrer Krebserkrankung gestorben. Sie war eine streitbare Frau, direkt, manchmal unbequem und sicher keine, die sich leicht in eine Schublade stecken ließ.
Politisch kam sie über die ÖVP ganz nach oben. Aber sie blieb ihr nicht bis zum Schluss treu. 2023 trat Kdolsky aus der Partei aus. Als Grund nannte sie den „zunehmenden Rechtsruck“ und die Zusammenarbeit der niederösterreichischen ÖVP mit der FPÖ. Später stellte sie ihr gesundheitspolitisches Wissen auch den NEOS zur Verfügung.
Man musste politisch nicht immer ihrer Meinung sein – aber eines muss man ihr lassen: Sie hatte Haltung und den Mut, diese auch zu verändern.
Als sie selbst an Krebs erkrankte, wurde aus der Ärztin eine Patientin. Kdolsky ging offen mit ihrer Krankheit um, sprach über Angst und Hoffnung und engagierte sich noch während ihrer Therapie für andere Betroffene. Das verdient Respekt.
Und ihr Tod erinnert uns daran, worum es in der Medizin letztlich geht: um Menschen und um Lebenszeit.
Krebsforschung rettet Leben
Trotz aller Fortschritte wissen wir bis heute nicht genug darüber, wie unterschiedlich Krankheiten und Therapien bei Frauen und Männern wirken. Frauen waren in der medizinischen Forschung lange unterrepräsentiert. Genau deshalb brauchen wir Gendermedizin – nicht als Modewort, sondern als selbstverständlichen Bestandteil einer gerechten Medizin. Denn der männliche Körper ist nicht der Maßstab für alle.
Wir brauchen Forschung, die sich am Menschen orientiert und nicht am Profit. Wir brauchen Pflegekräfte, die Zeit haben. Ärztinnen und Ärzte, die zuhören können. Vorsorge und die beste Behandlung für alle – unabhängig vom Einkommen.
Und wir brauchen eine Medizin, die endlich begreift: Eine Patientin ist keine Fallnummer. Ein Mensch ist mehr als sein Befund.
Andrea Kdolsky wusste das als Ärztin. Am Ende wusste sie es auch als Patientin.
Ihr gebührt unser Respekt. Und uns bleibt die Aufgabe, weiter dafür zu kämpfen, dass Krankheit niemals
eine Frage des Geldes, des Geschlechts oder des gesellschaftlichen Status wird.
Denn Gesundheit ist keine Ware.
Gesundheit ist ein Recht.
Titelbild: Unsere Zeitung (KI-generiert)

