Ball-Demos erreichen Graz

Schmiss_RenommierbummelNach den bereits etablierten Protesten gegen den Wiener Akademikerball (vormals WKR-Ball) und der zweiten Auflage der Demonstration gegen den Linzer Burschenbundball kommt es heuer auch in Graz erstmals zu größeren Protesten gegen den von Burschenschaften organisierten Akademikerball in Graz.

Im Gegensatz zu seinem Wiener Pendant hat der Grazer Akademikerball, der Ball der deutschnationalen Burschenschaften in Graz, in den letzten Jahren keine größere Aufmerksamkeit erregt. Während in Wien vor allem die Tatsache, dass mit der Hofburg ein repräsentatives Gebäude der Republik als jährlicher Treffpunkt der europäischen Rechten genutzt wird, breiten Widerstand hervorruft, hat die Strahlkraft des Grazer Balles bisher nicht über einschlägige Kreise hinausgereicht.

„Dem Nationalsozialismus treu geblieben“

ogr_logoDie 63. Auflage des Burschenschafterballes im Grazer Congress soll am kommenden Samstag erstmals von größeren Protesten begleitet werden. Der im Sommer gegründete steirische Ableger der „Offensive gegen Rechts“ (OGR) – jener antifaschistischen Organisation, die im vergangenen Jahr die größte der Gegendemonstrationen in Wien auf die Beine stellte – mobilisiert dazu seit mehreren Wochen auf öffentlichen Plätzen und in sozialen Netzwerken.
In ihrem Demoaufruf mit dem Titel „Fasching statt Faschismus“ kritisiert die sich selbst als „antifaschistisches, breites Bündnis“ verstehende OGR Steiermark unter anderem, dass durch den Ball „Rassismus, Sexismus und ein menschenverachtendes Elitedenken salonfähig“ gemacht werden. Tatsächlich werden die deutschnationalen, schlagenden Burschenschaften vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) als wichtige Akteure innerhalb des österreichischen Rechtsextremismus bezeichnet.
Linz gegen Rechts (3)Auch der Journalist Hans-Henning Scharsach, der sich in mehreren Publikationen mit Rechtsextremismus in Österreich und vor allem der Rolle, die die FPÖ in diesem Zusammenhang spielt, auseinandersetzte, ließ in einer Rede anlässlich des WKR-Balles 2012 wenig Zweifel an seiner Einschätzung der Ideologie der deutschnationalen Burschenschaften: „Sie sind dem Nationalsozialismus treu geblieben. Keiner der nationalsozialistischen Verbrecher wurde aus seiner Verbindung ausgeschlossen.“ Als Negativbeispiel führte Scharsach damals unter anderem die Grazer Burschenschaft „Arminia“ an, welche ebenfalls am Ball vertreten sein wird.

Kaderschmiede der FPÖ

Linz gegen Rechts (12)Während Burschenschafter nach quantitativen Maßstäben keine relevante Gruppe innerhalb der österreichischen Gesamtbevölkerung darstellen, sichern sie sich durch ihre exponierte Stellung innerhalb der FPÖ einen nicht unwesentlichen Einfluss. Die FPÖ wurde bei den Nationalratswahlen im Herbst 2013 in der Steiermark stimmenstärkste Partei. Gerade steirische FPÖ-Politiker waren es auch, die in vergangenen Jahren mit Aussagen zum Nationalsozialismus aufgefallen sind. Nationalratsabgeordneter Wolfgang Zanger (Corps Vandalia Graz) etwa sagte 2006 in der ORF-Sendung „Report“: „Natürlich hat es gute Seiten am Nationalsozialismus gegeben, nur die hören wir heute alle nicht mehr.“ Im gleichen Atemzug spricht er von Adolf Hitler als dem „Führer“.
Der steirische FPÖ-Landesrat Gerhard Kurzmann wiederum ist Mitglied in der Kameradschaft IV, die vom DÖW als Veteranenorganisation ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS beschrieben wird. Als dies 2006 publik wurde, sagte Kurzmann in einem Interview, er habe dort anständige Menschen kennen gelernt, die in schwierigen Zeiten ihre soldatische Pflicht erfüllten.

Mehrere hundert Leute erwartet

Die Demoveranstalter erwarten für Samstag mehrere hundert Leute. Auch aus anderen Bundesländern dürften Menschen zum Protest nach Graz anreisen. So hat sich etwa ein Bus aus Wien angekündigt. Von Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei ist indes nicht auszugehen. Unsere Zeitung wird berichten.

Fotos: Georg Mühlbergs Renommierbummel (um 1900): Verbindungsstudenten mit frischen Schmissen beim Spaziergang (gemeinfrei) / Unsere Zeitung / Logo: Offensive gegen Rechts Steiermark (fb)

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