„Der Slawe ist schuld!“

TitoVolksgruppenkonflikt in Kärnten: Die freiheitliche Landesregierung hat 2010 eine Historikerkommission aus der Taufe gehoben, die vor wahnwitzigen Thesen und ekelhaften Denunziationen nicht zurückschreckt.

Von Danijel Jamrič

Der Kärntner Konsens feiert wieder einmal fröhliche Urständ. Feindbilder von „gewaltbereiten Kärntner Slowenen“, „linksextremen Nachkommen von Partisanen“ und einem „kommunistischen Diktator Tito“ sind in Kärnten auch im Jahr 2015 brandaktuell – zumindest, wenn es nach einer Historikerkommission rund um den Direktor des Kärntner Landesarchives, Wilhelm Wadl, geht. Diese war 2010 von der freiheitlichen Landesregierung zusammengetrommelt worden, um den Sprengstoffanschlägen in Kärnten während der 1970er-Jahre auf den Grund zu gehen. In ihrem nun veröffentlichten Bericht will die hochoffizielle Kommission endlich die Drahtzieher des Volksgruppenkonflikts im südlichsten Bundesland Österreichs gefunden haben. Das Ergebnis fällt – für Kärntner Verhältnisse wenig überraschend – einhellig aus: Schuld ist, wieder einmal, der „Slawe“.

„Jugoslawen wollten Kärnten destabilisieren“

Schenkt man dem Bericht Glauben, waren es eben jene „Slawen“, die Kärnten in den 1970er-Jahren in „bürgerkriegsähnliche Zustände“ bomben wollten, um hier letztlich ihren Traum von der „kommunistischen Revolution“ zu verwirklichen. Ein solcher Bombenanschlag galt etwa dem Partisanen-Denkmal in Bleiburg im Herbst 1976. Diesen hätten die kärntner-slowenischen „Untergrundkämpfer“ durchgeführt, um ihn dann, sozusagen bequem, den Deutschkärntnern in die Schuhe schieben und Tito einen Vorwand zum Einschreiten bieten zu können – gesteuert wurde das ganze vom jugoslawischen Geheimdienst UDBA, so der Bericht. Die wirklichen Scharfmacher in der verfehlten Kärntner Minderheitenpolitik saßen demnach also nicht in Klagenfurt, sondern in Ljubljana und Maribor.

Ekelhafte Denunziationen

So einfach, so gut, so kärntnerisch. Typisch kärntnerisch auch der Zweck, den das Buch nun erfüllt – ob von den Autoren beabsichtigt oder nicht, sei erst einmal dahingestellt. Denn nicht nur leichtfertig, sondern ganz und völlig fahrlässig wurden darin volle Namen von heute noch in Kärnten lebenden und arbeitenden Kärntner Slowenen veröffentlicht, die die Historikerkommission nur allzu gern mit den Anschlägen der 1970er-Jahre in Verbindung bringen möchte. „Vermutungen werden dabei leichtfertig in den Raum gestellt, wodurch Pauschalverdächtigungen entstehen, die stark an Rufmord grenzen“, stellt einer der Betroffenen, Valentin Inzko, empört fest. Er wirft den Autoren vor, ihr Forschungsmaterial, allem voran Unterlagen der Sicherheitsdirektion Kärnten und des jugoslawischen Geheimdienstes, für bare Münze zu nehmen und in keinster Weise auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ein Historiker, der die Zusammenarbeit mit der Kommission vorzeitig beendete, stellt nun fest: „Der Bericht ist voll schwerwiegender inhaltlicher Fehler, beruht weitgehend auf spekulativen Annahmen und selektiven Quelleninterpretationen.“

Auftraggeber FPK

Bedauerlich ist zudem die Tatsache, dass Kärntner Slowenen, Jugoslawen und Kommunisten in diesem Buch zu einer „feindlichen Masse“ vermischt werden, die Kärnten an den Kragen wollen würden und für die Unterdrückung der in Kärnten lebenden Slowenen zudem auch noch selbst verantwortlich seien. Kaum bis keine Beachtung geschenkt wird hingegen dem rechtsextremen „Kärntner Heimatdienst“, kein Wort über die Nichteinhaltung des Artikels 7 im Österreichischen Staatsvertrag, der den Kärntner Slowenen die nötigen Minderheitenrechte gestatten sollte, keine Erwähnung der deutschnationalen Pogrome während des Volksgruppenkonflikts, die viele Kärntner Slowenen wie ein Echo Hitlers trafen. In Kärnten scheint nur eines festzustehen: „Der Slawe wars“. Auftraggeber des Berichtes war, wie bereits erwähnt, die Freiheitliche Partei Kärnten. Damit ist nun eigentlich schon das meiste gesagt.

Bildquelle: Tito i ja (filmes.film-cine.com)

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2 Kommentare

  1. Wäre verwunderlich. wenn eine von FPl´ern eingesetzte Kommission objektiv statt rassistisch und vorurteilbehaftet wäre ! !

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