Ungarische Neonazis touren durch Österreich

blood_and_honourHeutiges Tagesziel: Hitlers Geburtsstadt Braunau am Inn

Heute um 6:30 Uhr auf einem Lidl-Parkplatz in Budapest soll die Reise bereits ihren Anfang genommen haben. Nach einer rund drei stündigen Busfahrt steht zuerst ein Stopp vor der Akademie der Bildenden Künste in Wien am Programm, anschließend will man das Militärmuseum im niederösterreichischen Sonntagberg besuchen, um am Ende des Tages in Braunau am Inn einen „Abendspaziergang“ abhalten zu können. Was sich auf den ersten Blick wie eine harmlose und eher langweilige Kaffeefahrt liest, ist das Programm für den heutigen Tag der ungarischen Sektion des rechtsterroristischen Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“. Von 13. bis 16. August wollen die Neonazis neben den bereits erwähnten Orten in Österreich noch Halt in Landshut, Nürnberg, München und Berchtesgaden machen, bevor es dann wieder zurück nach Budapest gehen soll. Am Programm stehen jedenfalls ausschließlich Orte mit NS-Vergangenheit. Darüber hinaus wird vermutet, dass sich die ungarischen Neonazis bei ihrem Aufenthalt in München an einer Demonstration der Partei „Der III. Weg“ beteiligen werden. Diese Partei wird als neonazistisch eingestuft und gilt als Nachfolgeorganisation des verbotenen „Freien Netzes Süd“.

„Blood and Honour“ – gewaltbereite Neonazis mit einer Vorliebe für Hitler

Während sich die österreichische Neonazi-Szene in den letzten Jahren sehr stark verändert hat und durch die Aushebung des Objekt 21-Netzwerks, die Verurteilungen rund um Alpen Donau-Info und der Inhaftierung Küssels (vorläufig einmal) geschwächt zu sein scheint, haben in den größeren Städten die Identitären ihren Führungsanspruch innerhalb der rechtsextremen Szene angemeldet. Die Identitären als Jugendbewegung der Neuen Rechten sind zwar klar als neonazistisch zu charakterisieren, sie versuchen aber nicht am historischen Nationalsozialismus anzuecken. Nicht so die Neonazis des weltweit agierenden Netzwerks „Blood and Honour“! Diese machen keinen Hehl aus ihrem Führerkult und der Glorifizierung des NS-Regimes, Bezugnahmen auf NS-VerbrecherInnen sind hier fester Bestandteil im öffentlichen Auftreten. Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass Orte mit NS-Vergangenheit und gerade der Geburtsort Adolf Hitlers, Braunau am Inn, einen enorm hohen symbolischen Wert für die „braunen Kameraden“ haben.

„Blood and Honour“ ist ein internationales Netzwerk, das es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, neonazistische Musikgruppen miteinander zu koordinieren und verbotene NS-Propaganda zu verbreiten. Weltweit ist von bis zu 10.000 Mitgliedern auszugehen. Der Name der Bewegung nimmt zudem eindeutigen Bezug auf die historische NSDAP. Die Worte „Blut und Ehre“ waren auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend eingraviert und die Nürnberger Rassengesetze wurden offiziell „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ genannt. Vor Gewalt gegen MigrantInnen und politische Gegner schrecken die Anhänger des Netzwerks bereits seit ihren Anfangstagen nicht zurück, mit „Combat 18“ verfügen sie in vielen Ländern – unter anderem auch in Ungarn – über bewaffnete und rechtsterroristische Strukturen.

AntifaschistInnen fordern Einreiseverbot und setzen Zeichen

braunau_grüßt_gaesteDas Bündnis „braunau gegen rechts“ und der KZ-Verband/VdA Oberösterreich, die beide am Montag mit einer Aussendung die Angelegenheit ins Rollen gebracht haben, fordern ein Einreiseverbot des „als besonders gefährlich eingestuften und in Deutschland längst verbotenen Neonazi-Netzwerks“. Auch der Grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser fordert die Behörden zum Einschreiten auf. Andreas Penninger, SPÖ-Bürgermeisterkandidat in Braunau, ist ebenso erschüttert über den angekündigten Besuch ungarischer Neonazis: „Schluss mit Braun in Braunau. Wir sind eine weltoffene Stadt der Solidarität und des Miteinanders. In Braunau heißen wir Gäste willkommen“. Einige Lokale und Trafiken in der Bezirkshauptstadt im Innvierel haben sich auch der Aktion des Bündnisses „braunau gegen rechts“ angeschlossen und unter dem Motto „Braunau grüßt seine Gäste – Nazis grüßt es nicht“ unmissverständlich klar gemacht, dass Nazitouristen in Braunau am Inn nicht erwünscht sind.

Doch bereits bei ihrer erste Station dürften die Neonazis vor verschlossenen Türen stehen. Denn der Haupteingang der Akademie der bildenden Künste bleibt zwischen 8 und 14 Uhr versperrt, „um der angekündigten Busgruppe der ‚Blood and Honour‘ den Zugang zu verwehren“, so wie Vizerektorin Andrea Braidt der Tageszeitung Standard gegenüber ankündigt, „Das Rektorat möchte nicht, dass diese Gruppe die Akademie betritt. Auch um denen nicht zu gestatten, irgendwelche Fotos zu machen oder dergleichen“

Text: Raffael Schöberl
Fotos: rebellyon.info; Braunau grüßt seine Gäste – Nazis grüßt es nicht! (Bündnis Braunau gegen Rechts)

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