Demo gegen rechtes Vernetzungstreffen in Graz

demoGrazMehrere hundert Menschen demonstrierten am Samstag friedlich gegen den Akademikerball in der steirischen Landeshauptstadt. Bei diversen Straßenblockaden kam es zu Auseinandersetzungen mit der Exekutive. Rund 450 BeamtInnen waren in jener Nacht im Einsatz.

Der „Grazer Kooperationsring“ feierte erneut den Akademikerball im Congress. Gegen das Vernetzungstreffen der Rechten mobilisierte wie im Vorjahr die „Offensive gegen Rechts Steiermark“ (OGR). Die OGR spricht von einem „vollen Erfolg“ und 800 TeilnehmerInnen, die Polizei von 500. Startpunkt der Demoroute war die Kundgebung am Mariahilferplatz um 17 Uhr. Im Anschluss führte sie über den Andreas-Hofer- sowie den Jakominiplatz in die Herrengasse. Mit der Abschlusskundgebung am Hauptplatz wurde die Demonstration offiziell gegen 19 Uhr beendet. Der Protest war lautstark und es kam nur vereinzelt zu Störaktionen.

demoGraz_blockadeWie auch im vergangenen Jahr, wurde der Bereich um den Veranstaltungsort großräumig abgesperrt, somit konnten ausschließlich Taxis zum Congress vorfahren. Das Platzverbot sorgte bereits vorab für Diskussionen, da es im Sommer laut einem Urteil vom Verfassungsgerichtshof als rechtswidrig erklärt wurde. Bereits während der Demo spalteten sich einige TeilnehmerInnen an der Ecke Landhausgasse ab. Die AktivistInnen wollten den Zugang der Ballgäste mit Sitzblockaden verhindern und ketteten sich an die Sperrgitter. Unweit vom zweiten Blockadepunkt in der Albrechtgasse fixierten sich AktivistInnen mit Seilen neben mitgebrachten Wärmeflaschen und einem Rucksack voll Proviant, in Klettergurten an einer eigens aufgestellten Metallbarriere.

Bei den Blockaden kam es teilweise zu heftigeren Auseinandersetzungen zwischen der Exekutive und den AktivistInnen. Mit Verstärkung aus Kärnten und dem Burgenland sowie der Sondereinheit Wega waren zirka 450 BeamtInnen im Einsatz. Das Großaufgebot an Polizei löste kleinere Menschengruppen mit einer plötzlichen Erweiterung des Platzverbotes unter Gewaltanwendung auf. Die Versammlung nahe der Landhausgasse wurde geräumt und sechs Menschen wurden verhaftet.

Es kam zu keinen direkten Auseinandersetzungen zwischen Ballgästen und AktivistInnen, allerdings wurden Farbbeutel geworfen. Schlossen sich letztes Jahr noch einige PassantInnen in der Herrengasse der Demonstration an, war die Stimmung heuer eher durchwachsen: „Ich bewundere die Energie, die könnt‘ ich nicht mehr aufbringen“, so eine Frau mittleren Alters während eine ältere Dame ein paar Meter weiter nur den Kopf schüttelt: „Dabei ist die FPÖ eh‘ viel moderater geworden.“

AnhängerInnen der Freiheitlichen Partei sowie ihrer Jugendorganisationen, der außerparlamentarischen Rechten und Deutschnationale aus der Steiermark feierten währenddessen ihren 64. Akademikerball. Dieses Jahr verzichtete der „Grazer Kooperationsring“ (GKR) darauf, die Mitgliedsbünde des Ballkomitees auf der Homepage der Veranstaltung zu nennen. Einer von den Verbindungen ist die „Burschenschaftliche Gemeinschaft“. In ihrer „Denkschrift“ schreiben Autoren, Menschen aus unterschiedlichen, sogenannten „Rassen“ zeigten eine unterschiedliche Intelligenz und Denkweise auf.

Obwohl ein Großteil der Mitveranstalter ein völkisches und antisemitisches Weltbild vertritt, vermietete die Stadt Graz als Mehrheitseigentümerin weiterhin den Congress an den GKR. In diesem Zusammenhang wurde die Stadt vorab stark kritisiert. Weiters ist innerhalb Burschenschaften und Corpsstudenten Elitedenken, strikte Hierarchie sowie der Ausschluss von Frauen Usus. Aus diesem Grund wollte die OGR mit der Protestkundgebung nicht nur „ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Elitarismus“, sondern vor allem auch gegen Sexismus setzen. „Frauen sind keine Marionetten oder Accessoires. Burschenschafter laden Frauen höchstens dazu ein, sie zu schmücken – wie die Abzeichen auf ihren Uniformen“, skandiert eine OGR-Sprecherin bei der Kundgebung am Mariahilferplatz in das Megaphon. Als sie betont, dass DemonstrantInnen mit der Kundgebung jene adressieren wollen, die ihnen sonst kein Gehör schenken, wird sie vom Läuten der Kirchenglocken unterbrochen.

Text und Fotos: Sara Noémie Plassnig, Graz

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