Nach der Bundespräsidentenwahl in einem FPÖ Lokal

hc_fanschalvon Stefan Kastél

Nach der Bundespräsidentenwahl wollte ich wissen was offizielle FPÖ-WählerInnen zu dem Ergebnis sagen und wie die Stimmung im blauen Lager gerade ist. Deswegen war ich in einem Lokal, dass offenkundig einer FPÖ-Anhängerin gehört. 

Die Besitzerin des Lokals kenne ich seit ungefähr vier Jahren, nachdem ich zum ersten Mal meinen neunen Heimatbezirk erkunden wollte und damals zufällig in ihr Lokal gestolpert bin.

Man braucht sich hier keine Illusionen machen. Wenn man den Raum dieses Etablissements betritt und kurz nach links blickt, entdeckt man in der Ecke sofort eine Büste, um welche recht dekorativ ein HC Strache-Schal gewickelt ist. Im lokaleigenen Fernseher sieht man sich nebenbei die Die Vorstadtweiber an.

Ich setzte mich an den Tisch, wo auch die Besitzerin, ihr Lebensgefährte plus Hund sitzen. Nachdem ich ein Bier bestellt habe, komme ich gleich zum Thema und stelle die wichtigste aller Fragen. „Und, was sagt´s zum Ergebnis?“ – „War zu erwarten“.

Ja gut. Aus ihrer Sicht auf jeden Fall.

Es wird weitergebohrt. „Was erwartest du dir eigentlich, wenn Hofer Bundespräsident wird?“. Als Antwort bekomme ich, dass endlich etwas „Junges“ in die Politik gehört und keine Mit-Siebziger. Sie schätze zwar das Wissen und die Kompetenz von Van der Bellen, jedoch ist das nicht mehr genug.

Nachdem ich aus jetziger Sicht noch einmal kurz nach rechts schaue und wieder den HC-Schal sehe, kann ich dieser Aussage nicht wirklich Glauben schenken und versuche nachzuhaken.

Doch es wird ohnehin nachgesetzt. „Und des Gsindl wos einakummt momentan….“.

Ah, ich hätte nicht gedacht, dass wir schon nach fünf Minuten am Kern der Geschichte angelangt sind.

Trotz dieser Aussage wird eine Zeit lang normal weiterdiskutiert. Also eigentlich höre ich nur zu und lasse reden. Ich lausche den Geschichten von Drohungen mit Messern in der Hand, Ausländern, die in der Wohnanlage den Müll nicht trennen und unzähligen Beschimpfungen auf offener Straße. Das Gerede plätschert gute 30 Minuten so dahin. Immer wieder wird meine Hand getätschelt. Diese Geste soll mir wohl signalisieren, dass hier eh lauter Menschenfreunde sitzen und ich sie doch verstehen müsste.

Mittlerweile steht ein Chivas Regal vor mir und während ich daran nippe, stelle ich mir andauernd die Frage, warum mir solche Dinge nie passieren? Es ist nicht so, dass ich inmitten der Nacht noch nie beim Handelskai, der Dresdner Straße oder dem Wallensteinplatz vorbeigegangen bin. Passiert ist in all den Jahren aber noch nichts. Ob man es auch darauf anlegen kann?

Servas Rudi!“. Ein weiterer Gast spaziert herein und wird sofort von der Besitzerin umarmt. „Des is da Rudi, ein super Typ!“. Ok. Ich versuche das Gespräch wieder auf Hofer zurückzulenken und stelle die Frage ob es überhaupt kein Problem ist, wenn er mit der blauen Kornblume, dem illegalen Erkennungszeichen der Nationalsozialisten zwischen 1933 bis 1938, im Parlament sitzt?

Es gibt keine Nazis mehr!“ wird mir entgegengebrüllt. „Keiner. Du, Ich, wer auch immer hat das Recht, jemanden als Nazi zu bezeichnen, verstehst mi?“ Rudi hört übrigens nur zu. Hin und wieder wirft er ein zustimmendes „Absolut“ oder „Genau so ist es“ in die Diskussion. In der Hitze des Gefechts rutscht dem Mann der Besitzerin übrigens heraus, dass er überhaupt alle Flüchtlingsunterkünfte abfackeln würde.

Schon nach einer Stunde hat diese Debatte eine Wende angenommen, bei der ich mir nicht vorstellen möchte wie es ist, wenn einmal kein offener Linker hier sitzt.

Ich beschließe zu zahlen.

Die Conclusio dieses Abends ist, dass es genau dieser Frust, die Angst vor „dem“ Fremden und diese „Ich will nicht mehr über den Tellerrand blicken“-Mentalität ist, welche der FPÖ Stimmen bringt. Es ist diese Stammtisch-Mentalität, wo man sich innerhalb von fünf Minuten gleichzeitig über Dancing Stars und „des Gsindl“ unterhalten kann und sowieso nur Zustimmung erfährt. Jede leicht abweichende, versöhnliche oder sachliche Meinung wird niedergebrüllt.

An was einen das nur erinnert.

Foto: Stefan Kastél

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2 Kommentare

  1. @Stephan. Bitte zeige mir die Stelle im Text, bei welcher ich explizit (!) Vergewaltigungen als Schuld der Opfer bezeichne. Denn nichts Anderes willst du mit deinem Kommentar ausdrücken.

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