Portugals Flughäfen im Drei-Tage-Streik

greve_portugalPortugiesische Verhältnisse – Von heute Freitag bis Sonntag, 3. Juli, streiken in ganz Portugal die Beschäftigten der Flughafen-Betriebsgesellschaften. In Lisboa, Porto, Faro und auf Madeira protestieren die Kofferjongleure gegen Privatisierung, gegen die Prekarisierung ihrer Arbeitsverhältnisse, für mehr Lohn und Gehalt und für eine Arbeitszeitverkürzung auf 35-Wochen-Stunden. Von Martin Wachter

Die Flughafenbetreibergesellschaften in Lisboa, Porto und Faro wurden mehrheitlich teilprivatisiert. Der bundesdeutsche Frankfurter Großkonzern FRAport schluckte die staatliche Betreibergesellschaft ANA. Es lief alles nach bekanntem Muster. Die ANA wurde in mehrere Teilfirmen zerschlagen und „umstrukturiert”.

Von den über 7.000 Beschäftigten erhielten fast 1.000 den blauen Brief. Bis Oktober des Jahres 2016 sollen weitere 650 Entlassungen folgen. Der Großteil der Beschäftigten landete in Form von Änderungskündigungen in der neuen Gesellschaft Portway. 256 alte neuangestellte einst besserverdienende FlughafenmitarbeiterInnen fanden sich über Nacht als 505 Euro (Seit 1. Juli 530,- Euro) brutto im Monat verdienende MindestlohnempfängerInnen wieder. Dieser Sachverhalt führte zu weiteren Aktionen und Arbeitsniederlegungen.

Die geringverdienenden und prekär Beschäftigten werden immer mehr im Lande. Es gibt bereits über zwei Millionen davon. Das ist jede dritte Arbeitsstelle und es werden immer mehr billige Arbeitskräfte ohne Rechte eingestellt. Werksschließungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Doch die Beschäftigten streiken und demonstrieren landauf landab. Sie kämpfen mit Ausdauer und Enthusiasmus gegen die Arbeitsplatzvernichtung.

Der Unterwäschekonzern Triumph will schon seit geraumer Zeit zusperren, doch die 530 Werktätigen wehren sich mit Erfolg. Ende Mai organisierte die kommunistisch dominierte Gewerkschaft CGTP IN eine Woche des Kampfes für mehr soziale Gerechtigkeit und für die Rücknahme der volkswirtschaftlich zerstörerischen Privatisierungen der konservativen Vorgängerregierung von Pedro Passos Coelho und Paulo Portas. Der öffentliche Verkehr stand teilweise still. Raffinerien, Hafenanlagen und Tankstellen wurden bestreikt. Ende Mai gab es große Proteste der Pensionistenverbände. Im Juni gingen zum wiederholten Male die LehrerInnen und die MitarbeiterInnen der Bildungseinrichtungen auf die Straße. Nach mehreren gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen demonstrierten am 18. Juni 2016 in Lisboa 80.000 LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen. Diese Berufsgruppe war und ist besonders massiv vom Sparkurs und sozialem Kahlschlag betroffen.

Martin Wachter ist Herausgeber des UHUDLA, die älteste und rebellischste Straßenzeitung Österreichs. Er lebt in Portugal.

Fotoquelle: UHUDLA

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