Frauentag im Ausverkauf?

Von Dagmar Schindler

Setzen Sie sich vor Ihren Laptop/Computer. Öffnen Sie die Suchmaschine Ihres Vertrauens und geben Sie zwei Schlagwörter ein. „Frauentag“ und „Angebot“.

Blumenhandlungen scheinen mit dem Valentinstag nicht genug Umsatz gemacht zu haben, einschlägige Drogerieketten bieten von Antifaltencremes, Paketen zur Celulitebehandlung bis hin zum Markenparfum Superschnäppchen an.

Ein Berliner Fernbusunternehmen scheint da noch eine halbwegs vernünftige Idee zu haben, dort fahren Frauen am Frauentag gratis, allerdings nur wenn sie diese Werbung entdecken und telefonisch buchen, ich hab es jetzt nicht getestet. Nach Berlin zu fahren um von dort gratis nach Prag zu kommen, um mit meinen „Mädels“ einen drauf zu machen – zumindest wird es so beworben – dazu ist mir der 8. März zu wichtig.

Ist das also das Bild des 8. März in der breiten Öffentlichkeit, also außerhalb unserer linken Blase – oder außerhalb der vielen linken Bläschen? Kennt man da draußen unter den „Normalsterblichen“ noch die Geschichte zu diesem Tag?

Begründet auf dem Kampf um das Frauenwahlrecht, von Clara Zetkin auf der 2. Internationale (damals noch ohne festes Datum) ins Leben gerufen bis hin zum Verbot durch das unmenschliche Regime der Nationalsozialisten, die uns dafür den Muttertag „gegeben“ haben?

Ist es im 21. Jahrhundert nicht mehr en vogue vom FrauenKAMPFtag zu reden, sich als radikal zu bezeichnen und darauf hinzuweisen, dass nicht nur die Ansichten der rechten bis rechtsextremen Parteien uns unsere erkämpften Rechte wieder absprechen – Stichwort „Brutpflege“ – sondern auch die, die sich auf solche Schnäppchenjagden einlassen und längst nicht mehr wissen warum ihre Genossinnen an diesem Tag von Brot und Rosen singen?

2017 wird es leider ein Nebeneinander vieler kleiner Aktionen aus den Blasen und Bläschen werden, aber vielleicht schaffen wir es ja 2018 an die gemeinsame Sache zu denken?

Denn… Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag
durch all’ die dunklen Küchen, und wo grau ein Werkshof lag,
beginnt plötzlich die Sonne unsere arme Welt zu kosen
und jeder hört uns singen: Brot und Rosen! Brot und Rosen!

Und.. bei allem Verständnis für uns Frauen in der ersten Reihe..

Wenn wir zusammen gehen, kämpfen wir auch für den Mann,
weil unbemuttert kein Mensch auf die Erde kommen kann.
Und wenn ein Leben mehr ist als nur Arbeit, Schweiß und Bauch,
wollen wir mehr: gebt uns das Brot, doch gebt uns die Rosen auch.

In diesem Sinne, bleibt frech, wild und wunderbar und wenn ihr meint, dass Kampf und Widerstand nicht mehr der richtige Zugang ist, dann schaut euch unsere Mütter, Großmütter, Urgroßmütter an, ihr Kampf und ihre Widerständigkeit hat uns Errungenschaften gebracht, die uns gerade wieder wie Sand durch die Finger laufen.

Dagmar Schindler ist Obfrau des KZ-Verband/VdA Wien

Foto: privat; Titelbild: Collage, Google-Bildersuche nach „Frauentag und Angebot“, Zusammenstellung: Unsere Zeitung

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