A68 – ein neuer Eis-Gigant treibt am Meer

Größer als Wien und das Burgenland zusammen – Von Robert Manoutschehri

Lange wurde der wachsende Riss im Schelfeis der Antarktischen Halbinsel von Forschern des britischen Antarktisprojekts Midas beobachtet, bis die Gletscherspalten im letzten Jahr dramatisch an Umfang und Tiefe zunahmen. Jetzt ist – unter wohl gewaltigem Getöse – „A68“ gekalbt. Mit 175 Kilometern Länge, bis zu 50 Kilometer breit und rund eine Billion Tonnen schwer, ist er einer der größten Eisberge der Neuzeit. 

Das gewaltige Bruchstück, das nun langsam durch das Weddellmeer treibt, hat eine Fläche von 5.800 Quadratkilometern und ist damit größer als Wien und das Burgenland zusammen. Über zwei Jahre kann es dauern, bis der Eisberg in wärmeren Zonen schmilzt.

So sah die gewaltige Gletscherspalte im November 2016 aus, bevor das riesige Stück abbrach (Foto: John Sonntag/NASA)

„Uns interessiert aber, wie es an der Kalbungsfront des Larsen-C-Schelfeises weitergeht“, so die beteiligten Glaziologen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Sie befürchten, dass sich das Schelfeis der Westantarktis durch Spannungen und Brüche noch weiter zurückzieht und komplett zerfällt. In den letzten 20 Jahren sind bereits sieben Schelfeise zerfallen oder stark zurückgegangen. Und fehlt das Schefleis, kommt das Festlandeis in direkten Kontakt zum wärmeren Ozean und die Gletscher können ungebremst und viel schneller abfließen – was letztlich auch zur globalen Erhöhung des Meeresspiegels beiträgt.

Schelfeise entstehen dadurch, dass Eis durch die Auslassgletscher vom Inland in den Ozean fließt. Dort, wo das Eis das Land verlässt, an der sogenannten Gründungslinie, beginnt es aufzuschwimmen. Das Larsen-C-Schelfeis ist das viertgrößte Schelfeis der Antarktis. Es hat eine Fläche von fast 50.000 Quadratkilometern. Seine Dicke beträgt in der Nähe der Gründungslinie bis zu 700 Meter, nimmt aber zur vorderen Kante hin auf 200 Meter ab. Da es schwimmt, ragt nur etwa ein Siebtel über die Wasseroberfläche hinaus.

Titelbild: Screenshot aus dem Video (British Antarctic Survey)

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