Psychotherapie für alle, die sie brauchen!

Als Initiator der Petition „Psychotherapie auf Krankenschein für alle – jetzt!“, freue ich mich, dass wir inzwischen im parlamentarischen Gesundheitsausschuss gelandet sind.
Doch wie geht es jetzt weiter?

Ein Gastkommentar von Gabriel Walter

Die Situation für psychisch kranke Menschen in Österreich ist mehr als unerfreulich. Psychotherapie von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen – wie jeden normalen Arztbesuch – ist ein langwieriges Verfahren. Die sogenannten Kassenplätze – Therapieplätze, die von der Krankenkasse voll übernommen werden – sind rar gesät und Wartezeiten von 6 Monaten oder mehr auf einen ebensolchen keine Seltenheit. Und dass bei einem Thema, welches noch immer für viele ein großes Tabu darstellt und bei dem oft erst Hilfe in Anspruch genommen wird, wenn der Leidensdruck sehr groß ist.

Hat man sich erst einmal entschieden, einen Therapeuten oder eine Therapeutin aufzusuchen, muss diese/r auch mit einem harmonieren. Hier nicht im Sinne davon, dass es keine Konflikte geben darf, sondern dass das grundsätzliche Gefühl gut aufgehoben zu sein vorhanden ist. Auf etwas anderes kann eine langfristige therapeutische Beziehung nicht aufbauen. Doch schon den ersten Kontakt zu einem/einer Therapeut/in herzustellen – und sei es nur für ein Erstgespräch – stellt für viele bereits einen großen Schritt dar, ist es doch gleichzeitig ein Eingeständnis, Hilfe zu benötigen.

Manchmal hat man nicht das Glück, eine/n Therapeut/in zu finden, wo die Chemie passt und es in absehbarer Zeit einen freien Kassenplatz gibt. In so einer Situation gib es zwei Möglichkeiten: man finanziert sich die Therapie selbst oder man nimmt keine in Anspruch, schlicht und einfach weil man sie sich nicht leisten kann. Was besonders bei Menschen mit psychischen Problemen oftmals der Fall ist: Diese sind nämlich grundsätzlich einem wesentlich höheren Armuts- und Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt.

Die Krankenkassen zahlen zwar einen Zuschuss von 21,80 Euro pro privat bezahlter Sitzung, bei drei Kassen (BVA, SVB und VAEB) etwas mehr. Bei einem Stundenhonorar von 50 bis 150 Euro ist dies jedoch für viele noch immer nicht ausreichend, um sich wöchentliche Sitzungen leisten zu können. Außerdem wurde dieser Betrag seit 1992 nicht inflationsangepasst, und das obwohl 1991 die Sozialversicherungsbeiträge erhöht wurden, um den neuen Psychotherapie-Bestimmungen gerecht zu werden.

Wie man sieht, gilt es hier sehr viel auf einmal zu bewerkstelligen. Die grundsätzlichen Forderungen der Petition lauten deshalb wie folgt:

  1. Psychotherapie auf Kassenkosten für alle, die sie brauchen und bis dahin
  2. eine Inflationsanpassung der Zuschüsse.

Die Petition erreichte auf www.change.org bisher mehr als 6.900 UnterstützerInnen, bevor sie von Eva Glawischnig und Eva Mückstein (beide GRÜNE) Ende September 2016 im Petitionsausschuss des Parlaments eingereicht wurde. Auf der Homepage des Parlaments haben 12.481 Personen eine Zustimmungserklärung abgegeben. Und nun ist die Petition am 15. März 2017 im Gesundheitsausschuss gelandet. Was sie dort macht? Sie wurde mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP vertagt. Und da sitzt sie nun. Mit den Neuwahlen im Herbst ist zu befürchten, dass sich bis dahin nicht mehr viel tun wird. Somit bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Koalition das Thema ernst nimmt und dem beantragten Unterausschuss zustimmt. Wie es dann weitergeht? Das werden wir wohl spät genug erfahren.

Titelbild: Petition „Psychotherapie auf Krankenschein für alle – jetzt!“

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