Klimawandel-Folgen bei Versicherungen angekommen, in der Politik noch nicht

Zunehmende Wetterextreme verursachen immer höhere Schäden
Zunehmende Wetterextreme verursachen immer höhere Schäden, Foto: R. Manoutschehri

„500 Millionen Euro Schäden – Extreme Wetterphänomene sind in Österreich keine vagen Zukunftsprognosen mehr, sondern Realität.“

Von Robert Manoutschehri

Orkanartige Stürme mit Windspitzen von bis zu 130 Stundenkilometer, heftige Gewitter, gefolgt von Dürreperioden, Hochwasser und Frost, jede Region in Österreich war heuer von Extremwetterereignissen betroffen. So resümierten Experten des österr. Versicherungsverbandes VVO, der Österreichischen Hagelversicherung, des BMNT (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik), des Joanneum Research sowie des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Österreich erlebte 2018 den trockensten Frühling seit 2012, den viertwärmsten Sommer der Messgeschichte – und noch vor Jahresende steht jetzt schon fest: 2018 ist eines der drei wärmsten Jahre der 252-jährigen Messgeschichte und geprägt von Extremwetterereignissen: „Jede Region Österreichs war betroffen“, sagte VVO Präsident Othmar Ederer. Er rechne mit einem „Gesamtschaden von rund 500 Millionen Euro – nur 300 Millionen davon waren versichert.“

„Von April bis in den Oktober hinein hatten wir fast durchwegs sommerliche Wetterlagen, das ist sehr ungewöhnlich“, sagte ZAMG Direktor Michael Staudinger. Die Zahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad war doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr. „In den meisten Regionen gab es sogar neue Rekorde.“. Außergewöhnlich war auch die Kombination von langen trockenen Phasen und extremen Regenereignissen.

Wetterschäden in Österreich 2018
500 mio € Schäden, nur 300 mio waren versichert, Grafik: Österr. Hagelversicherung

Und die Prognosen lassen keine Veränderungen erkennen. Im Gegenteil: Diese rekordbrechenden Temperaturen werden, sofern die Kohlendioxidemissionen weiter ansteigen, in Zukunft keine Spitzen mehr darstellen, sondern Normalität sein. Die Folgen des Klimawandels in Form der zunehmenden Naturkatastrophen führen zu großem ökologischen und gesamtwirtschaftlichen Schaden.

„In den letzten sechs Jahren gab es fünf Jahre mit einem Schaden jenseits der 200 Millionen Euro. So auch 2018 – Gesamtschaden in der Landwirtschaft: 270 Millionen Euro“, erklärt Dr. Kurt Weinberger von der Hagelversicherung. „Der Klimawandel hat längst begonnen. Es braucht aber einen gesellschaftspolitischen Wandel. Schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen über alle Bereiche hinweg sind erforderlich, um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen.“

Es müsse geklärt werden, wie die zukünftigen Schäden volkswirtschaftlich bewältigt werden können. „Rein privatwirtschaftlich ist das Thema für die Zukunft nicht zu lösen, und der Katastrophenfonds leistet zu geringe Summen im Schadensfall“, sagte Franz Prettenthaler von Joanneum Research. „Das heißt natürlich, dass auch zu Hause mehr geschehen muss und die gesamte Regierung wirkungsvolle Maßnahmen setzt“, so Reinhold Christian, Vizepräsident des Umweltdachverbandes. Die nationalen Erfordernisse können jedoch noch in die derzeit “ noch sehr lückenhafte österreichische Energie- und Klimastrategie“ eingearbeitet werden.

 

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