FIFA WATCH #2: Infantino hofft, Ronaldo zahlt und der Brexit als Chance für Englands Fußball

FIFA WATCH #2
Unsere Zeitung dokumentiert die Machenschaften von FIFA, UEFA & Co. Foto: pixabay.com/Unsere Zeitung

Dass es im internationalen Fußball mehr um Geld, Macht und Prestige für Verbände, Konzerne und Großklubs als um den Sport selbst geht, ist nicht erst seit den „Football-Leaks“ bekannt. In der Serie “FIFA WATCH” will Unsere Zeitung mit regelmäßigen Berichten und Zusammenfassungen dafür sorgen, dass das nicht vergessen wird. Es geht um die Machenschaften der FIFA, aber auch der UEFA, der internationalen Topklubs und um alles, was dazu gehört. Dieses Mal im Fokus: Die FIFA als Politakteur, Fußballstars im Konflikt mit der Justiz und der Brexit als Chance für England.

von Moritz Ettlinger

Hoffnung für Infantino und Katar?

Die Wahrscheinlichkeit für eine WM 2022 mit 48 Teams steigt. Nachdem FIFA-Präsident Gianni Infantino am 17. Jänner bekräftigt hatte, diese Möglichkeit zu prüfen und dabei Nachbarländer Katars als Unterstützung ins Spiel brachte, schalten sich nun die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ein. Der derzeitige Ausrichter der Asienmeisterschaft bot sport.orf.at zufolge am Dienstag an, Spiele bei der WM in drei Jahren auszutragen. Voraussetzung dafür sei jedoch eine “Lösung der Katar-Krise”, wie VAE-Sportchef Mohammed Chalfan al-Romaithi bekannt gab. Wenn das Problem gelöst werden könnte, “können wir die Beziehungen wieder aufnehmen, Brüder sein und sie (die Katarer, Anm.) unterstützen”. Dass “ein oder zwei Gruppen” ihre Spiele in den VAE austragen wäre für den Sportchef vorstellbar.

Die Beziehungen zwischen Katar und seinen Nachbarländern Saudi-Arabien, Bahrain und den VAE sind schlecht, seit Juni 2017 boykottieren die drei Staaten ihren ehemaligen Verbündeten, offizieller Grund dafür ist die vermeintliche Terrorismus-Unterstützung Katars . Infantino kann sich dennoch weiterhin Hoffnung machen, dass sein Traum von einer WM mit 48 Teams bereits 2022 in Erfüllung geht. Und sollten die Gespräche rund um dieses Turnier tatsächlich dazu führen, dass sich die Lage zwischen Katar und seiner Nachbarn entspannt, hat der Fußball sogar in der richtigen Welt einmal etwas Positives bewirkt. Selbst, wenn Infantino naiver- und fälschlicherweise glaubt, mit seinem Verband keine Politik zu machen.

Ronaldo akzeptiert 18,8 Millionen-Euro-Strafe

Er ist nicht der erste Fußballer, der wegen Steuerhinterziehung in Konflikt mit dem Gesetz gerät. Schon in den 1970er-Jahren wurde Franz Beckenbauer beispielsweise dazu verdammt, 1,8 Millionen Mark an den deutschen Staat nachzuzahlen, der portugiesische Ex-Weltklasse-Stürmer Luis Figo musste 2012 Steuerschulden in Spanien in Höhe von 2,45 Millionen Euro begleichen und erst 2016 wurde Lionel Messi zu einer Nachzahlung von 15 Millionen Euro und einer Haftstrafe von 21 Monaten (auf Bewährung) verurteilt.

Nun reiht sich ein weiterer Star ein. Wie u.a. “Der Standard” am Dienstag berichtete, hat Cristiano Ronaldo in Madrid eine Geldstrafe von 18,8 Millionen Euro und eine ausgesetzte Haftstrafe von zwei Jahren akzeptiert. Bereits im Juli 2018 hatte sich der Portugiese mit den spanischen Behörden verglichen. Ohne diesen Vergleich wäre Ronaldo mit Strafandrohungen von mindestens 28 Millionen Euro und bis zu dreieinhalb Jahren Haft konfrontiert gewesen.

Ronaldos ehemaliger Teamkollege Xabi Alonso, der seine aktive Karriere 2017 beendet, steht ebenfalls wegen des Vorwurfs des Steuerbetrugs vor Gericht, der Fall wurde aber vertagt. Dem Spanier wird vorgeworfen, Steuern in Höhe von zwei Millionen hinterzogen zu haben.

Brexit als Chance für den englischen Fußball

Während die Premier League vor dem anstehenden (möglicherweise ungeregelten) Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zittert, kann der englische Fußballverband FA dem durchaus Positives abgewinnen. In einem lesenswerten Bericht erklärt sport.orf.at die möglichen Folgen eines “No-Deal”-Brexits für die Premier League – vor allem, warum die Verpflichtung von Spielern aus EU-Ländern in Zukunft den gleichen Regeln unterliegen könnte wie jene von Nicht-EU-Ausländern und damit schwieriger wird.

Für viele Klubs eine schlechte Nachricht, für die FA ein Grund mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Es müsse eine vernünftige Basis geben, auf der Weltklassespieler nach England kommen würden, sagte FA-Präsident Greg Clarke im vergangenen Jahr . Legionäre dürften jedoch keine jungen englischen Talente verdrängen. Dadurch könnte auf lange Sicht auch die englische Nationalmannschaft profitieren.

So chaotisch die Aussichten auf einen ungeregelten Brexit auch sein mögen, der englische Fußball könnte davon zumindest langfristig profitieren.

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