Bernhards musikalische Rumpelkammer: JANUAR 2019

Foto: Hannah Wahl

Der Jahresanfang ist musikalisch mit großen Erwartungen verknüpft, da mit den ersten Releases des Jahres oft die Weichen für die weiteren Monate gestellt werden. 2019 birgt die Aussicht auf ein neues Album von Tool, wartet mit der Rückkehr von Jugendhelden auf und wird Bands an die Oberfläche spülen, von denen man noch nie vorher gehört hat. Der Januar ist in seiner musikalischen Vielfalt bereits mehr als überzeugend und legt sogar einen starken Kandidaten für die Jahresbestenlisten vor. Auf ein tolles Musikjahr 2019!

Von Bernhard Landkammer

TOP 5

  1.   Pascow – Jade
  2.   Mono – Nowhere, Now Here
  3.   The Twilight Sad – It Won/t Be Like This All The Time
  4.   Say Anything – Oliver Appropriate
  5.   Yassin – Ypsilon

Es war alles andere als klar, ob PASCOW ein weiteres Album veröffentlichen würden. Bereits nach den ersten Sekunden von „Jade“ ist man mehr als glücklich, dass es dazu gekommen ist. Der bekannte, aggressive, hochmelodische Punkrock der Band aus Gimbweiler ist darauf so facettenreich wie noch nie. Textlich direkt, politisch wie persönlich, treiben quirlige Gitarren und ein rumpelndes Schlagzeug nach vorne. Die Band lässt dabei viel Raum für Pop und liefert mit dem abschließenden „Wunderkind“ eine ehrliche, rührende und packende Ballade ab. So geht Weiterentwicklung im Punk.

Anspieltipp

MONO haben sich über die letzten 20 Jahre im Post Rock eine Ausnahmestellung erspielt. Ihren Sound hat die Band dabei behutsam mit neuen Elementen angereichert, was sie auch in ihrem zehnten Album „Nowhere, Now Here” zeigen. Es dominieren die bekannten Harmonien, gepaart mit brennend-verzerrten Gitarren und orchestralem Bombast. Mit Synthesizern, Metal-Elementen und zum ersten Mal auch mit Gesang auf dem beeindruckenden „Breath“ variieren die Japaner ihren Sound behutsam. Das dynamische Schlagzeugspiel trägt seinen Teil zu einem weiteren Highlight im Katalog der Band bei.

Anspieltipp

THE TWILIGHT SAD laufen leider auch im zwölften Jahr ihres Bestehens noch unter dem Radar vieler Musikfans. Die Einflüsse aus Shoegaze, Post Rock und Krautrock sind auch auf ihrem fünften Album „It Won/t Be Like This All The Time” ständig präsent. Gleichzeitig offenbart der in den 80er-Jahren verwurzelte Post Punk der Schotten auch Elemente des Indie der frühen 2000er Jahre. Kühle Synthesizer, ein verwaschenes Schlagzeug und eine melancholisch-bedrückende, dennoch tanzbare Stimmung, machen dieses Album zum bisher stärksten Release der Band.

Anspieltipp

SAY ANYTHING sind Geschichte. Die Angstattacken und Depressionen von Frontmann Max Bemis lassen dem Musiker keine andere Chance, als seine Band auf Eis zu legen. Das finale Album „Oliver Appropriate” schließt den thematischen Kreis zum Überalbum „…Is A Real Boy“ von 2004. Die Auseinandersetzung mit der Bisexualität des Frontmanns in Form einer verheerenden Liebesgeschichte wird im für die Band bekannten Pop-Punk/Pop-Rock vertont. Dennoch dominiert eine sehnsüchtige, zurückhaltende Stimmung. Alles Gute, Max Bemis.

Anspieltipp

Nachdem sein Widerpart Audio88 bereits mehrmals musikalisch alleine unterwegs war, legt YASSIN mit „Ypsilon“ erst jetzt ein Soloalbum vor. Wer knackigen Rap erwartet, wird dabei enttäuscht. Der Musiker setzt stark auf Autotune, Gesang und eingängige Harmonien. Dennoch kommen im Klangkosmos aus Synthesizern und Keyboards auch rumpelnde Beats nicht zu kurz. Textlich ist Yassin zurückhaltender aber nicht weniger politisch als Audio88, wobei eine feine Ironie die Stücke auf „Ypsilon“ durchzieht. Ein überzeugendes Solo-Debüt, das sich nicht um Genreregeln schert.

Anspieltipp

Außerdem:

Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass TURBOSTAAT maßgeblich zur derzeitigen Popularität von Punk in Deutschland beigetragen haben. Nach sieben Alben schenken die Musiker aus Flensburg sich und ihren Fans zum 20-jährigen Bandjubiläum mit „Nachtbrot“ ein Live-Album. Die rohe, dennoch druckvolle Abmischung fängt ihre energiegeladene Konzertenergie perfekt ein. Die Hauptrolle kommt allerdings dem Leipziger Publikum zu, das jede Textzeile aus voller Kehle mitbrüllt. Mit einer die gesamte Diskografie umspannenden Setlist ist die ein oder andere Gänsehaut garantiert.

Anstelle eines quasi täglichen Outputs neuer Songs lässt sich LGOONY Zeit für seine Releases. Sein viertes Mixtape „Lightcore“ baut auf den bekannten Trademarks auf: trappige Beats, viel Autotune, monotoner Rap. Textlich geht es nach wie vor um lila Scheine und weiteres altbekanntes Angeben. Dabei tauchen überraschend viele poppige Hooks auf. Auch wenn „Lightcore“ sich ab und zu in Beliebigkeit verliert und nicht ganz mit den starken Vorgängern mithalten ist der Kölner Rapper nach wie vor einer der spannendste Vertreter seines Subgenres.

DENDEMANN hat die letzten Jahre primär als Studiorapper für Jan Böhmermann gearbeitet. Es wäre verlogen, dem ehemaligen MC von EinsZwo vorzuwerfen, mit „da nich für!“ auf den derzeitigen Hype von Deutschrap aufzuspringen, ist er mit seiner Musik doch definitiv Mitbegründer des immer noch anhaltenden Siegeszugs dieses Genres. Auf seinem neuen Album dominiert ein moderner Sound, der von klassischem Rap und schlauen, politischen Texten gerahmt wird. Trotz dieser Mischung wirkt das Album ein wenig aus der Zeit gefallen und nicht ganz rund.

WEEZER konnten 2018 mit dem Cover von Totos „Africa“ einen der größten Hits ihrer Karriere für sich verbuchen.Um die Wartezeit auf das im März erscheinende Album zu verkürzen, legen sie mit „The Teal Album” spontan eine Sammlung weitere Coverversionen vor.Wie bereits das Cover ankündigt, sollte man das Ergebnis nicht allzu ernst nehmen –und Spaß machen einige der Songs hier wirklich. Die Formel „bewusst billig klingender Beginn, dann 1:1 Coverversion + Weezer-typische Bratgitarren“ geht fast durchgängig auf. Die Band bleibt auch 2019 eine Wundertüte.

JOHN GARCIA meldet sich mit der Band Of Gold auf dem entsprechend betitelten Album „John Garcia And The Band Of Gold” zurück. Wie vom ehemaligen Kyuss-Frontmann nicht anders zu erwarten, ist das Ergebnis ein astreines Stoner-/Desert-Rock Album geworden. Die bassige, druckvolle Produktion untermalt die dreckige, groovend-schleifende Musik perfekt. JOHN GARCIAs leicht gepresste, hohe Stimme ist allerdings fast eine Spur zu laut abgemischt und hebt sich zu stark vom bewusst verwaschenen Sound ab. Trotz einiger Längen ein straightes, unterhaltsames Album.

A PALE HORSE NAMED DEATH bringen im Jahr 2018 die Stimmung der 90er zurück. Auf ihrem X. Album „When The World Comes Undone” erwecken sie den Spiritdes Grunge zum Leben, reichern diesen aber mit reichlich Elementen aus Hard Rock und Doom an. Diese Mischung sorgt für reichlich Atmosphäre, was durch eine druckvolle Produktion unterstützt wird. Nicht nur die repetitiven Songstrukturen weisen allerdings darauf hin, dass die Band aus Brooklyn auf die gesamte Spielzeit einige Male abdriftet und nicht durchgängig mitreißen kann.

 

 

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