Sonntag ist Büchertag: Der Fußball von seiner schonungslos unschönen Seite

“Ballverlust” von Christian Bartlau ist ein “must-read” für alle Fußball-Fans, die verstehen wollen, wie der Profifußball in Europa und der Welt hinter den Kulissen wirklich funktioniert. Auf allzu viel Erfreuliches darf man dabei aber nicht hoffen. 

von Moritz Ettlinger

Dieses Buch zu lesen wird all jenen, die den Fußball lieben, weh tun. „Ballverlust – Gegen den marktkonformen Fußball“ von Christian Bartlau, erschienen 2019 im Papy Rossa Verlag, beschreibt alles, was man wissen muss, um das derzeitige System Profifußball zu verstehen, und zwar schonungslos und ohne mit Kritik zu sparen.

Zu Beginn räumt der Autor noch mit dem Früher-war-alles-besser-Mythos auf und fällt damit jenen Nostalgiker*innen ins Wort, die sich die  „guten, alten Zeiten“ zurückwünschen. Die hat es natürlich so nicht gegeben – Stichwort Rassismus oder auch Gewalt in den Stadien.

Gleich danach widmet er sich aber in aller Ausführlichkeit den Dingen, die den „marktkonformen Fußball“ zu diesem gemacht haben und die aus seiner Sicht grundlegend falsch laufen. Es geht um die „Spezialdemokraten“ in den Verbänden vom DFB bis hin zur FIFA, einem, so Bartlau, „Hybrid aus Verein und profitorientiertem Unternehmen, mit der Betonung auf Profit“. Um Fußballer, die wie Waren auf dem Weltmarkt gehandelt werden. Natürlich um jene Vereine, die von diesem System ganz besonders profitieren. Aber auch um Positivbeispiele,  um solche, die versuchen, einen anderen Weg zu gehen.

Doch nicht nur die Protagonisten im System Fußball bekommen ihr Fett ab; Ein ganzes Kapitel lang beschreibt der Autor die aktuelle Lage des Sportjournalismus, berichtet von Einsparungen in Redaktionen, die immer mehr Inhalte auf Kosten von Qualität liefern, „Embedded Journalism“ oder „Journalisten als verlängerte Presseabteilungen der Klubs“. Es wirkt wie ein Weckruf für alle Sportjournalist*innen, nicht Teil des Systems und damit zur Marionette in den Händen des Kommerz zu werden.

Zwischen all dem schwingt immer wieder eine gehörige Portion Kapitalismuskritik mit. Zu Recht – denn um die kommt man nicht herum, wenn man ernsthaft über das derzeitige System Fußball sprechen will.

Kurz gesagt: Dieses Buch ist ein must-read für alle Fußball- und Sportbegeisterten, die auch abseits des Platzes wissen wollen, was wirklich los ist in der Welt des „marktkonformen Fußballs“. Auch, wenn es weh tut.

 

 

 

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