2019 wieder eines der heissesten Jahre seit Beginn der Wetter-Aufzeichungen

Nicht nur global, sondern auch in Österreich: Obwohl das Jahr noch nicht zu Ende ist, steht fest – es gehört mit zu den drei Wärmsten, die je gemessen wurden. Lokal wurden sogar etliche All-Time-High Rekorde verzeichnet. Die letzten 14 Jahre gehören damit in Folge zu den heissesten Jahren der 252-jährigen Messgeschichte, wie die ZAMG mitteilt.

Von R. Manoutschehri

Knapp zwei Wochen vor dem Jahreswechsel steht fest: 2019 war in Österreich eines der drei wärmsten Jahre seit dem Beginn der Messreihe im Jahr 1768. „Berücksichtigt man die Prognosen für die nächsten Tage, liegt 2019 ziemlich sicher im Bereich von 1,5 bis 1,7 °C über dem vieljährigen Mittel. Damit ist 2019 im Tiefland und auf Bergen das drittwärmste Jahr der 252-jährigen Messgeschichte. Eine minimale Chance besteht noch auf den zweiten Platz“, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Wie schon das Vorjahr war auch 2019 in Österreich ausgesprochen warm. Im Flächenmittel lag die Lufttemperatur im Tiefland um 1,6 °C über dem klimatologischen Mittel 1981-2010. In den Gipfelregionen lag die Temperaturanomalie bei +1,3 °C. Damit gehört es gemeinsam mit den Jahren 2018, 2014 und 2011 zum drittwärmsten Jahr auch der hochalpinen Temperaturmessgeschichte. Über alle Höhenstufen gemittelt war 2019 mit einer Abweichung von +1,5 bis +1,6 °C etwa gleich warm, wie die Jahre 2014 und 2015.

Den größten Beitrag zu diesem Ergebnis steuerte der Juni 2019 bei. Er war mit einer Abweichung von +4,7 °C (!!!) der wärmste Juni der Messgeschichte in Österreich. Weitere große Beiträge lieferten die Monate Februar (Abw. +2,3 °C), März (+2,3 °C), November (+2,1 °C) und Dezember (voraussichtlich +3,0 °C !!!).

An einigen Wetterstationen gab es auch neue Rekorde bei der Jahresmitteltemperatur. Darunter fallen Graz mit einem Jahresmittel von 11,8 °C, Bad Gleichenberg mit 11,4 °C, Eisenstadt mit 12,3 °C. Auch in Retz, Wien, Zwettl, Millstatt, Klagenfurt und am Schöckl werden die Jahresmitteltemperaturen aller Voraussicht nach die alten Rekorde aus den Vorjahren einstellen.

2019 brachte in der österreichweiten Auswertung auch sechs Prozent mehr Sonnenstunden als ein durchschnittliches Jahr. Die größten regionalen Abweichungen vom Mittel gab es in Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und dem Nordburgenland sowie in Teilen der Steiermark und im Rheintal. In diesen Regionen brachte 2019 um fünf bis 25 Prozent mehr Sonnenstunden als ein durchschnittliches Jahr.

 

Infografik
Dargestellt ist die Abweichung der Temperatur seit 1768 im Vergleich zum Klimamittel des 20. Jahrhunderts, basierend auf HISTALP-Daten. Die gemittelte Linie (schwarz) zeigt das in den letzten Jahren sehr hohe Temperaturniveau. Grün markiert ist der Unsicherheitsbereich für 2019. Quelle ZAMG

Klimawandel rot auf weiss dokumentiert

Damit setzt sich die Reihe der extrem warmen Jahre in der jüngeren Vergangenheit fort. „Unter den 15 wärmsten Jahren der Messgeschichte liegen die 14 Jahre seit 1994, erst auf Platz 15 folgt mit 1822 ein Jahr, das schon weit zurückliegt.“ Die sind in absteigender Reihenfolge: 2018, 2014, 2019, 2015, 1994, 2007, 2016, 2000, 2002, 2008, 2017, 2011, 2012, 2009 und 1822.

Damit ist der Klimawandel – auch abseits immer wiederkehrender „Diskussionsversuche“ von Leugnern über Details in der Methodik von Prognose-Rechenmodellen – schon durch reine Beobachtung und Messdaten belegbar geworden.

In der österreichweiten Auswertung des Niederschlags war 2019 ein durchschnittliches Jahr. Aussagekräftiger ist die regionale Auswertung: Im Westen und Süden, in etwa westlich einer gedachten Linie Salzburg-Klagenfurt, war 2019 um 5 bis 25 Prozent feuchter als ein durchschnittliches Jahr, in Oberkärnten und Teilen Tirols stellenweise um bis zu 40 Prozent. In der Osthälfte Österreichs war es dagegen um 25 bis 40 Prozent zu trocken. Besonders niederschlagsarm war es südlich der Donau, von der Traun bis zur Erlauf sowie punktuell im Inn- und Waldviertel, in Graz war es sogar das trockenste Jahr seit 2001.

Andererseits gab es im Jänner an der Alpennordseite und am Alpenhauptkamm große Schneemengen, an einigen Wetterstationen auch neue Rekorde. So registrierte die ZAMG an der Wetterstation in Reutte (T) mit 116 Zentimeter die hier höchste maximale Gesamtschneehöhe in einem Jänner seit Beginn der Messungen im Jahr 1937. Auch bei den Neuschneemengen gab es Rekorde, wie in Hochfilzen von 451 Zentimeter. Auf der Alpensüdseite gab es im November die fast doppelte Neuschneemenge wie in einem durchschnittlichen November. In Lienz gab es mit 66 cm sogar um rund 3,5-mal mehr Neuschnee als im Mittel. Auch St. Jakob im Defereggental hat mit 189 cm Neuschnee den alten Stationsrekord von 131 cm aus dem Jahr 1990 deutlich überboten.

Alle Daten sind vorläufige Werte und setzen sich nach Möglichkeit aus den Messungen bis zum gestrigen Tag und den Vorhersagen bis zum Ende des Monats zusammen. Die endgültige Bilanz ist ab der zweiten Woche des Folgemonats auf www.zamg.at/cms/de/klima/klima-aktuell abrufbar.

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