Nicht schlecht, aber zu wenig: Das türkis-grüne Sportprogramm

Im türkis-grünen Sportteil des Regierungsprogramms finden sich viele gute Ideen, dennoch können gerade Sportler*innen abseits des Mainstreams nicht wirklich zufrieden damit sein. 

Von Moritz Ettlinger

Der Sportteil gehört zu jedem Regierungsprogramm genauso dazu wie zu vielen Tageszeitungen. Während er in Zeitungen aber viel und gerne gelesen und dementsprechend oft ausführlich gestaltet wird, ist er bei den meisten Regierungsprogrammen eher kurz gehalten. Das ist beim 300 Seiten starken Programm von Türkis-Grün nicht anders. Auf sechs Seiten (immerhin eine mehr als unter Türkis-Blau), hat man die Ideen zum Thema Sport zusammengefasst. Drin stehen durchaus gute Ideen, große Revolutionen sind aber nicht geplant. Gerade abseits der sowieso schon führenden Sportarten wie Fußball, Skifahren oder Tennis wird sich wohl auch in den nächsten vier Jahren nicht wirklich viel ändern. 

Die guten Seiten

Wie schon erwähnt sind im Kapitel „Sport“ des Regierungsprogramms einige interessante und begrüßenswerte Punkte dabei. Die künftige Regierung will den Frauenanteil in den Gremien, „die über die Sportförderung des Bundes entscheiden“, erhöhen, das Ziel sei 50 Prozent, genauso soll auf gleiche Gehälter, Prämien und Preisgelder für Frauen und Männer geachtet werden. Auch sollen „umfangreiche Maßnahmen zur Prävention von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt“ gesetzt werden. Wie genau das aussehen soll, bleibt zwar noch offen, dass Maßnahmen aber dringend notwendig sind haben nicht zuletzt die Missbrauchsvorwürfe im Österreichischen Ski-Verband gezeigt.

Außerdem in Planung: Gratis-Schwimmkurse für alle. Dafür wollen ÖVP und Grüne ein österreichweites Konzept erarbeiten und umsetzen. Weitere begrüßenswerte Punkte sind beispielsweise die Verbesserung der Auslastung von öffentlicher Sportinfrastruktur (zum Beispiel Turnhallen in Schulen außerhalb der Unterrichtszeit) oder die Stärkung der Nationalen-Doping-Agentur (NADA). Zudem soll sichergestellt werden, dass die Barrierefreiheit von Sportstätten nicht nur versprochen, sondern auch umgesetzt wird. Und auch die Tatsache, dass die Ausrichtung von Großveranstaltungen unter dem „Aspekt der Nachhaltigkeit, Mobilität und des Klimaschutzes“ bewertet werden soll, ist durchaus positiv zu sehen.

Was fehlt

Dinge, bei denen man laut aufschreien und  protestieren müsste, stehen zwar nicht drinnen, trotzdem gibt es so Einiges, das fehlt. Vor allem das (mediale) Schattendasein vieler Randsportarten wird gar nicht thematisiert. Man liest zwar Stehsätze wie „Sicherung der medialen Aufmerksamkeit für den österreichischen Sport in seiner Breite und Vielfalt“ oder „Trendsportarten fördern“, es deutet aber nichts darauf hin, dass sich das Aufmerksamkeits-Oligopol für (Männer-)Fußball, Tennis, Formel 1 und Wintersport irgendetwas ändert. Mal davon abgesehen, dass der Begriff „Trendsportart“ nicht eindeutig definierbar ist und es schon gar kein Kriterium für mehr oder weniger Förderung sein sollte, ob eine Sportart gerade „im Trend“ liegt oder nicht.  

Ebenfalls nicht vorhanden: Ideen zur Gegensteuerung der hohen Ticketpreise bei vielen Events, beispielsweise bei ÖFB-Länderspielen. Wünschenswert wäre zudem noch zumindest ein Absatz zum Thema TV-Rechte und Livesport im Free-TV gewesen, hier besteht doch in einigen Bereichen (wie der Fußball-Bundesliga, aber eben auch bei Sportevents abseits des medialen Mainstreams) großer Nachholbedarf.

Fazit

Viele Dinge im Sportteil des Programms sind gut und ergeben Sinn. Wie bei einer grünen Regierungsbeteiligung zu erwarten, wird vermehrt auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei Sportveranstaltungen gesetzt, auch in Punkto Frauenförderung scheinen sich die Parteien einiges vorgenommen zu haben. Perfekt sind die Pläne von Türkis-Grün aber bei weitem nicht, insbesondere, was das Thema Randsportarten betrifft.  „Als Bundesregierung unterstützen wir den Sport daher in seiner ganzen Breite“, steht gleich zu Beginn des Kapitels. Es muss befürchtet werden, dass dieser Satz nicht mehr als ein Lippenbekenntnis bleibt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Titelbild von Remaztered Studio auf Pixabay

Artikel teilen/drucken:

Ein Gedanke zu „Nicht schlecht, aber zu wenig: Das türkis-grüne Sportprogramm

  • 8. Januar 2020 um 19:43
    Permalink

    Nicht zu wenig, eigentlich viel zu viel…

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.