Ist die Inklusion im Kapitalismus umsetzbar?

Soziales Netzwerk, Sozialraumorientierung, Inklusion und gesellschaftlicher Fortschritt. Mark Staskiewicz hat ein Buch herausgegeben, in dem erstmals diese 4 Begriffe verbunden werden. Im Buch wird u.a. die dunkle Geschichte der Vernichtung von Menschen mit Behinderungen im Zuge des 2. Weltkrieges skizziert. Außerdem wird die heutige Inklusionsforderung eingeordnet.

Die Inklusionsumsetzung, so der Autor, ist im Kapitalismus nie vollständig möglich. „Das polit-ökonomische Gesellschaftssystem ist somit der Inklusion, dem Sozialraum und sozialem Netzwerk übergeordnet“, heißt es in diesem Werk. Im Buch ist ebenso eine Kapitalismus-Kritik enthalten, beispielsweise heißt es: „Der Kapitalismus basiert auf der Ausbeutung von Menschen. Auch in den führenden kapitalistischen Staaten gibt es die Spaltung in Klassen, zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern. Diese Staaten beuten ebenso Neokolonien, sogenannte Entwicklungsländer, aus (vgl. Lion Wagner, Krieg und Gesellschaftssystem, 1998, S. 70ff). Zur neokolonialen Ausbeutung gehört auch der Intelligenztransfer (Stichwort Brain Drain). Teil der neokolonialen Ausbeutung ist es, Wissenschaftler, Spezialisten, Ingenieure als Fachleute aus anderen Ländern abzuwerben. Mit der Abwerbung der Hauptproduktivkraft Mensch wird die Kapitalakkumulation und Kapitalverwertung des anwerbenden Landes gesteigert. (Vgl. Wagner, Kritik der Fiktion einer Transformation von Brain Drain in Brain-Circulation, 2015, S. 5). Andererseits werden die betroffenen Länder in ihrer Entwicklung gehemmt, was letztendlich dort die Umsetzbarkeit der Inklusion ebenso eingrenzt. Somit ist Brain Drain nicht im Interesse der Inklusion. Die Ausgrenzung von Menschen (so z.B. auch von Menschen mit Behinderung) wird so lange stattfinden, solange es ein kapitalistisches Gesellschaftssystem gibt, in dem die herrschende Klasse von der Ausgrenzung, Ausbeutung und Unterdrückung profitiert. Die bestmöglichste passive und aktive Teilhabemöglichkeit aller Menschen der Gesellschaft am gesellschaftlichen Leben zwecks Schaffung einer sozialen Einbindung Aller widerspricht letztendlich dem kapitalistischen Gesellschaftssystem. Dies bedeutet, es kann zwar relative Fortschritte im Bereich der Inklusion geben, diese sind aber sehr schnell durch die Zuspitzung gesellschaftlicher Widersprüche der Gefahr einer Rückentwicklung ausgesetzt bzw. haben die Fortschritte eine Grenze. Durch die Betrachtung der Geschichte der Wohnangebote (siehe Kapitel 3.1) wird deutlich, dass innerhalb des kapitalistischen Gesellschaftssystems ein möglicher Spielraum von der systematischen Vernichtung von Menschen mit Behinderung (2.Weltkrieg) bis zur formalen relativen Gleichberechtigung und Fortschritte in der Inklusion möglich ist. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Geschichte der Menschenrechte keineswegs ein Zeichen einer wirklichen Gleichberechtigung ist.“

Hohe Bedeutung von sozialen Netzwerken bestätigt

Der Mensch ist ein bio-psychosoziales Wesen und als solcher braucht er soziale Verbindungen. Die heutige Gesellschaft ist hingegen geprägt von Isolierung und Vereinsamung von Teilen der Gesellschaft.

Der Untertitel des Buches lautet.

„Die Bedeutung und Erfolgsfaktoren von sozialen Netzwerken in der Inklusions- und Sozialraumarbeit der Wohnangebote für Menschen mit Behinderung und ihre Auswirkungen auf die Organisationsentwicklung“

Einige Erfolgsfaktoren, die es in der sozialen Netzwerkarbeit im Bereich der Sozialraumorientierung und Inklusion gibt, sind in diesem Buch zu finden. Des Weiteren ist die Einordnung von sozialen Netzwerken und der Inklusions- bzw. Sozialraumarbeit zueinander bestimmt. Außerdem werden die Auswirkungen für die Organisationsentwicklung aufgezeigt und konkrete Empfehlungen an die sozialen Träger entwickelt. Das Ergebnis zeigt die große Bedeutung der sozialen Netzwerkarbeit für eine erfolgreiche Sozialraumarbeit und füinr die Erreichung von Fortschritten im Bereich der Inklusion. Die Arbeit belegt ferner wie weitreichend die Inklusionsforderung ist, dass sie mit den polit-ökonomischen Verhältnissen betrachtet und nur durch deren Veränderung umgesetzt werden kann und muss. Der Autor bietet eine neue, selbst entwickelte, Inklusionsdefinition an.

Mark Staskiewicz hat langjährige Leitungserfahrung eines Wohnverbundes für Menschen mit Behinderung, ist im Bereich von Supervision, Coaching, Prozessbegleitung Inklusion und Organisationsentwicklung tätig. Er engagiert sich in der Sozialraumarbeit, u.a. als Obmann eines Nachbarschaftsvereines mit über 100 Mitgliedern, er ist ein Moderator des Netzwerk inklusive Bildung in Graz, ist Mitglied der KPÖ und für den Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) im Arbeitskreis für Pflege- und Sozialberufe der Arbeiterkammer Steiermark.

Das Buch kann unter www.we-progress.at eMAil: mail@we-progress.at für 28 € + Porto bestellt werden

BUCHPRÄSENTATION:
Samstag, 14. März 2020 im Rahmen der Rosa Luxemburg Konferenz 2020
13:00 bis 14:30 Uhr, VHS Hietzing (Kursraum 7)
Mehr Infos auf www.rosaluxemburgkonferenz.at

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Ein Gedanke zu „Ist die Inklusion im Kapitalismus umsetzbar?

  • 3. Februar 2020 um 9:46
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    Wenns nur der Kapitalismus alleine wäre …

    Die Staatsgläubigkeit und somit Herrschaft, Ausgrenzung und Ausbeutung gab es aber auch in der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten.

    Immer noch etwas bisschen Eindimensional viele der Marxist*innen …

    Antwort

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