Lernen bis ins reife Alter

Ob in Schulen, Weiterbildungseinrichtungen, zu Hause, in der Firma oder online – seit dreißig Jahren ist das Konzept des Lebenslangen Lernens in der Bildungspolitik präsent. Kein Problem für die Autorin – sie hat es bereits mit in die Wiege gelegt bekommen.

Von Eva Daspelgruber

Es ist zwar nett, wenn mir Menschen erzählen, dass sie Sudokus lösen, um geistig fit zu bleiben, aber das ist dann doch ein bisschen wenig. Um das Gehirn auf Trab zu halten, braucht es mehr als das. Schließlich wollen wir alle auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes Leben führen. Dazu gehört auch, ständig zu lernen. Der chinesische Philosoph Laotse formulierte es so:

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“

Als Kind war ich bestimmt ein “Sonderfall”, da ich weit und breit die Einzige war, die sich nach neun Wochen Ferien wieder auf die Schule freute. Mir hat das Lernen immer Spaß bereitet. Meine Mutter erzählte mir, dass sie mir ständig vorlesen musste und ich sie mit einem Buch sogar bis auf die Toilette verfolgte. Mit fünf konnte ich dann selber lesen und sie hörte dann oft lange nichts von mir, weil ich so versunken war. Die Freude am Lernen ist mir bis heute geblieben und wird mich für den Rest meines Lebens begleiten. Wenn ich damit Alzheimer vorbeugen kann, wäre das neben vielen anderen Dingen ein Gewinn.

In einer Studie an den Gehirnen von mehr als 600 Nonnen in den USA fanden Forscher heraus, dass manche dieser Frauen zu Lebzeiten Alzheimer hatten, ohne dass sie es bemerkten. Jene Frauen hatten eine “Reserve” an Verbindungen im Gehirn. Diese wurden vermutlich durch das Lernen von neuen Dingen geschaffen. So kann es passieren, dass es gar nicht auffällt, wenn alte Verbindungen absterben. Was man lernt, spielt dabei keine große Rolle. Sei es eine Sprache, ein Instrument oder der Umgang mit dem Computer – es geht nur darum, dass man es tut.

Mit über dreißig habe ich beschlossen, ein Studium zu beginnen. Es sind dann zwei daraus geworden und auch jetzt studiere ich noch. Nicht jeder hat meine Entscheidung verstanden, aber das war und ist mir egal. Schließlich werde ich bis über sechzig arbeiten müssen. Die erworbenen Zusatzqualifikationen werden dabei hilfreich sein. Neben dem Wissenszuwachs habe ich mich in dieser Zeit persönlich weiterentwickelt und viele Menschen getroffen, die mein Leben bereichert haben. Ein positiver Nebeneffekt von Ausbildungen sind die sozialen Kontakte. Gerade für Menschen, die nicht so oft rausgehen und eher introvertiert sind, bieten Kurse aller Art die Möglichkeit, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Das ist wichtig für den Erhalt der psychischen Gesundheit. Ich freue mich immer auf den Stammtisch aus meinem Persisch-Kurs und über gemütliche Treffen mit meinen beiden Freundinnen aus dem Psychologie-Studium.

Neues zu lernen stärkt auch das Selbstvertrauen, weil man etwas schafft. Den ersten Song auf einer Gitarre spielen zu können, das erste ansehnliche Bild zu malen, zum ersten Mal auf einer Welle zu surfen oder – wie in meinem Fall – endlich das Abschlusszeugnis in Händen zu halten und ein paar Wörter eines iranischen Rap-Songs zu verstehen. Das sind alles unvergessliche Momente, die wir nicht missen möchten.

Auch das Ehrenamt eignet sich hervorragend, um seinen Horizont zu erweitern. Vor drei Jahren habe ich begonnen, ein Sprachcafé für geflüchtete Menschen zu leiten – ohne jegliche Vorerfahrung. Dabei habe ich viel über meine Muttersprache gelernt. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie schwierig Deutsch ist. Mein Interesse hat mich zur Ausbildung als Trainerin für Deutsch als Fremdsprache geführt. Noch wichtiger ist, dass ich viel über andere Kulturen gelernt habe – inklusive der köstlichen Gerichte, die in anderen Ländern auf den Teller kommen. Viele Organisationen suchen händeringend nach Freiwilligen in verschiedenen Bereichen. Neben dem Lerneffekt kommt dazu, dass es einfach schön ist zu helfen. Ich dachte, ich gebe etwas, aber es kam und kommt viel mehr zurück.

Oft höre ich von Menschen, dass sie Dieses oder Jenes lernen würden, wenn sie noch jung wären. Blödsinn! Es ist nie zu spät! Weg mit den langweiligen Kreuzworträtseln und rein ins Internet, um einen passenden Kurs zu deinen Interessen zu finden. Vielleicht treffen wir uns mal ;)

Titelbild: Eva Daspelgruber

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