Der alternative Transferticker #13

Der vorletzte Ticker dieser Transferphase mit Bürgermeister-Schwerpunkt. Denn die Gemeinden Allensbach, Innsbruck und Wels wüssten ziemlich genau, was sie mit 20 Millionen Euro und mehr machen würden, die die Fußballvereine Europas wieder für Spieler ausgegeben haben.

Im „alternativen Transferticker“ gibt Moritz Ettlinger einen Überblick über die interessantesten Fußball-Transfers der letzten Woche und veranschaulicht kritisch und nicht ganz ohne Ironie, was man mit dem Geld für überteuerte Fußballer sonst noch hätte machen können bzw. was mit ähnlichen Summen bereits gemacht wurde.

25 Millionen Euro für Edouard Mendy – oder „erst einmal haushalten“

Vom FC Chelsea war in den bisherigen Folgen des alternativen Transfertickers schon öfter die Rede. Unter anderem dank der Millionen von Klubbesitzer Roman Abramowitsch waren die Londoner trotz Corona sehr aktiv auf dem Transfermarkt – mehr 200 Millionen Euro durfte Coach Frank Lampard bisher für neue Spieler ausgeben.

Mittlerweile sind es sogar schon knapp 250 Millionen Euro: Weil Stammtorwart Kepa Arrizabalaga nicht so performte, wie sich die Verantwortlichen das gewünscht hatten, soll dem Spanier nun ein neuer Keeper Druck machen. 25 Millionen Euro zahlte der FC Chelsea für Edouard Mendy an den französischen Verein Stade Rennes. Der 28-Jährige machte mit einer starken Saison in der Ligue 1 auf sich aufmerksam und unterschrieb jetzt an der Stamford Bridge einen Vertrag bis 2025.

25 Millionen Euro gespart hat hingegen die deutsche Bundeswehr – wenn auch nicht ganz freiwillig. Durch die Corona-Krise mussten insgesamt 49 Übungen abgesagt werden. Übungen, die nicht billig gewesen wären, und so hat die Bundeswehr jetzt um 25 Millionen Euro mehr auf der hohen Kante liegen als geplant. Ob das nun eine gute oder schlechte Nachricht ist, muss jede*r für sich entscheiden.

Der Bürgermeister von Allensbach im deutschen Baden-Würtemberg weiß ziemlich genau, was mit 25 Millionen Euro machen würde. Um „bekannte Projekte zu forcieren“ würde Stefan Friedrich 5 bis 10 Millionen Euro einplanen, außerdem würde er überlegen, die „Bodanrückhalle“, das Veranstaltungszentrum der 7000-Einwohner-Gemeinde, gleich neu zu bauen anstatt zu renovieren. Und mit dem Rest? „Erst einmal haushalten, man muss ja nicht alles gleich ausgeben“, antworte Friedrich dem Südkurier, der den Bürgermeister im Interview gefragt hatte, was er denn mit 25 Millionen Euro machen würde. Sicher nicht die schlechteste Idee.

30 Millionen Euro für Nelson Semedo – oder Innschbrugg

Beim FC Barcelona hingegen ist Ausverkauf angesagt. Nach dem blamablen 2:7 gegen den FC Bayern in der Champions League kam mit Barca-Legende Ronald Koeman ein neuer Trainer – und der räumt gleich zu Beginn richtig auf. Routiniers wie Ivan Rakitic oder Arturo Vidal mussten den Verein genauso verlassen wie Stürmer-Legende Luis Suarez, der sich erst vor wenigen Tagen Atlético Madrid anschloss. Sie alle gingen trotz ihrer Qualität (fast) ablösefrei, das eingesparte Gehalt reichte den Klub-Verantwortlichen offenbar aus.

Anders sieht die Sache bei Nélson Semedo aus. 30 Millionen Euro mussten die Wolverhampton Wanderers für den Rechtsverteidiger auf den Tisch legen, um ihn aus Katalonien loszueisen. Beim englischen Premier-League-Klub unterschreibt der Portugiese einen Dreijahresvertrag mit einer Option auf zwei weitere Jahre. Für den FC Barcelona trotz der eher hohen Ablöse kein gutes Geschäft: Erst 2017 zahlten die Blaugrana 36 Millionen Euro für die Dienste Semedos an Benfica Lissabon.

Doch so sehr der FC Barcelona dieses Geld zumindest nach Ansicht der Führungsriege für einen Kaderumbruch „braucht“, so sehr fehlt es auch in anderen Bereichen. Zum Beispiel in Innsbruck. Vor zwei Wochen gab der dortige Bürgermeister Georg Willi (Grüne) in einer Interview mit der Tiroler Tageszeitung bekannt, dass der Stadt zwischen 25 und 30 Millionen Euro fehlen würden. So groß sei das Loch, das zwischen Einnahmen und Ausgaben klaffen würde. Und nicht nur das: „Der Budgetplan ist für die kommenden vier Jahre sehr düster“, sieht der Grüne schwarz für die nahe Zukunft. Wenn es doch nur Fußballvereine mit viel Geld gäbe, die in solchen Situationen aushelfen könnten.

20 Millionen Euro für Alexander Sörloth – oder die Stadt Wels

Weil wir gerade bei Fußballklubs mit viel Geld sind: RB Leipzig, die mateschitz’sche Fußball-Filiale in Ostdeutschland, hat sich für die kommende Saison mit einem neuen Werbegesicht verstärkt, das außerdem ziemlich gut kicken kann. Alexander Sörloth wechselt von Trabzonspor aus der Türkei nach Leipzig, 20 Millionen Euro flossen für den 24-jährigen Stürmer je zur Hälfte an Trabzonspor und Crystal Palace; vom Premier-League-Klub war der Norweger eigentlich noch bis 2021 mit Kaufoption an Trabzonspor ausgeliehen.

Ein weiterer Bürgermeister würde dieses Geld gerne in Anspruch nehmen. Denn auch der Stadt Wels entstanden laut Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro. Da könnten die Leipziger mit Mäzen Mateschitz sicher aushelfen. Warum der Freiheitliche das Budget-Loch nicht einfach mit den parteieigenen Goldreserven stopft? Die hebt man sich bestimmt für die richtig harten Zeiten auf. Zum Beispiel, wenn ein Parteichef einen dringend benötigten Mietkostenzuschuss braucht. Oder, wenn man zum wiederholten Mal Geld für Hetzkampagnen gegen Fremde braucht.

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Alle bisherigen Folgen des alternativen Transfertickers

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Titelbild: Pixabay/Unsere Zeitung

 

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