Generation Z im Studium
Die Studentin Alina (20) im Gastartikel über Erstsemester im Lockdown.
Was Memes sind wissen sie alle, aber „Kommilitonen“ ist ein Fremdwort. Die Studierenden vom letzten Jahr sind nicht mehr als ihre Nummern im System. Wer 2020 seiner Karriere einen neuen Tritt geben wollte und die Entscheidung getroffen hat, sich an einer Uni oder Hochschule einzuschreiben, ist in einer anonymen Blase von schwarzen Bildschirmen gelandet.
Sich versuchen zu befreien, also jemanden mit dem sympathischsten Namen anzuschreiben um eine_n eventuelle_n Lernpartner_in, ja vielleicht sogar Freund_in zu finden, ist so weit entfernt wie der Master. Jemanden ansprechen, dessen Mimik, Gestik und äußeres Erscheinungsbild man nicht einmal erahnen kann kostet nicht nur die frisch aus der Pubertät hüpfenden jungen Erwachsenen Überwindung und so bleiben fast alle für sich.
Jeden Morgen aufzustehen um sich von einer Stimme, von der man nicht weiß, wem sie gehört, durch einen Lautsprecher vollquatschen zu lassen, ist nicht gerade das, was man sich erhofft hatte. Die jungen Menschen mit ihrer Kreativität, dem Tatendrang und ihrer Partywut sind zu Individuen geworden, die nur noch digital existieren. Sie fliehen in die Welt ohne Ansteckung, dem Internet.
Wer ein bisschen in die Meme-Kultur eintaucht, merkt schnell, dass sich dahinter genau diese schlauen Köpfe mit kritisch reflektierenden und kreativen Gedanken verbergen. Es werden hochpolitische Diskussionen geführt, ironisch provoziert und das Gendern perfekt beherrscht in diesen kleinen, meist geklauten Bildern mit den kurzen Texten. Auch sind die neuen Studierenden von diesem Semester Meister_innen im Medienumgang, in sozialer Interaktion im Netz und dem Schaffen vermeintlicher Nähe. Aber es ist und bleibt einfach nicht dasselbe.

