Private Altersvorsorge

Oder: Wie man sich selber eine Grube gräbt.

Ein Gastbeitrag von Markus Auer

Private Altersvorsorge heißt, du zahlst regelmäßig einen Teil deines Geldes an eine Firma, um dafür im Alter eine Rente zu erhalten. Im Vergleich zur staatlichen Rentenkasse (Umlagesystem) hat diese private Firma höhere Verwaltungskosten, die du mitbezahlst, und sie arbeitet profitorientiert, will Gewinne machen. Das bedeutet, du bezahlst mehr als nötig, und bekommst weniger als möglich wäre. Dafür sind einige beschäftigt, und andere machen Gewinne, nämlich die Aktionäre der Firma.

Ach ja, manchmal zahlt der Staat noch zu, er subventioniert das Ganze, also kriegt die Firma auch noch einen Teil von deinen Steuern. (Warum diese Subventionen nicht direkt in die zu niedrigen staatlichen Renten fließen, ist eine andere Frage. – Der ATX/DAX freut sich jedenfalls über das Futter.)

Diese private Firma investiert dein Geld in Aktien, Immobilien, Unternehmen usw., um Gewinne zu machen. Sie muss Gewinne machen (sonst kriegst du keine Rente), und das sagt die private Firma auch deutlich, dort wo sie investiert. Gewinn gibts, wenn man Kosten senkt (z.B. Personal-, Lohn-, Materialkosten), oder Einnahmen erhöht (z.B. Preise, Mieten, Gebühren). In Folge werden Leute entlassen, Löhne gesenkt, Produkte schlechter und/oder teurer, Mieten erhöht, etc. – Klingt das vertraut?

Im Endeffekt steigen dadurch die Lebenshaltungskosten für alle, denn irgendwer muss die Gewinne ja bezahlen. In der Wirtschaft ist das immer der Kunde/die Kundin, auch Konsument_in oder Endverbraucher_in genannt. (Einzige Ausnahme ist, wenn’s eine Firma zerbröselt, und es schad‘ um sie wär. Dann zahlt der Staat, also wir alle, egal ob Kund_innen oder nicht. Fast wie beim Sozialismus, bloß daß uns dabei nix gehört.)

Wenn nicht noch was zusätzlich schief läuft, macht die private Firma ihren Gewinn, und du kriegst deine Rente. Du hast für dein Alter vorgesorgt, indem du andere mit deinem Geld für dich hast arbeiten lassen. Oder?

Der Versicherungsanbieter Allianz machte im Jahr 2018 einen Rekordgewinn von 11,5 Milliarden €, sein Vorstandschef erhielt 10,33 Millionen € Jahresgehalt, für die Aktionär_innen gabs eine Dividendenerhöhung von 12,5%. Gleichzeitig wurde ihren Kund_innen die Erträge aus Lebensversicherungen gekürzt.

Circa eine Million Menschen haben in Österreich in Summe 19,5 Milliarden Euro in private Altersvorsorge und Betriebs Euro am Kapitalmarkt verspekuliert. Die Privatpensionen wurden daraufhin um 7 Prozent gekürzt. Interessanterweise machten die kassenbetreibenden Versicherungskonzerne mehrere hundert Millionen Euro Gewinn, auch die Aktionär_innen erhielten Dividenden in Millionenhöhe. Die Bearbeitungsgebühren für die Verlustgeschäfte beliefen sich auf ca. 22 Millionen Euro.

Gier kennt keine Scham – und keine Grenzen, denn die Gewinne werden ja wieder investiert, um noch mehr Gewinn zu machen, und so weiter.

Beim Werben für private Altersvorsorge werden Ängste geschürt, damit die Bevölkerung selbst die Mittel bereitstellt, durch die per Renditedruck ihre eigenen Lebenshaltungskosten hochgetrieben werden. Die Sorgen der Menschen werden instrumentalisiert für eine gigantische Umverteilung von unten nach oben, von den Vielen zu den wenigen Reichen, denen es nie reicht.

Was bleibt, ist die Frage: Wann reicht’s uns?


Dieser Beitrag erschien zuerst im Kaktus.

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Titelbild: Andrea Piacquadio von Pexels

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