Arbeitslose mit Zuverdienst suchen genauso intensiv nach Arbeit wie Arbeitslose ohne Zuverdienst

AMS-Chef Johannes Kopf spricht sich für die Abschaffung des Zuverdiensts von 475 Euro bei arbeitslosen Menschen aus und erntet dafür Kritik. Berechtigt. Denn eine Befragung im Auftrag des Momentum Instituts zeigt: 97 Prozent der Arbeitslosen mit Zusatzjobs suchen intensiv nach einer festen Anstellung. Damit bemühen sich die Menschen mit Gelegenheitsjobs genauso intensiv nach Arbeit wie Arbeitslose ohne Zuverdienst.

Von Lisa Wohlgenannt (MOMENT)

Das SORA Institut hat im Auftrag des Momentum Instituts 1.214 arbeitslose Menschen zu ihrer Situation befragt. Fast jeder Dritte arbeitslosen Menschen hat nach eigenen Angaben einen Zusatzjob. Trotzdem suchen 97 Prozent der Arbeitslosen mit Gelegenheitsjobs aktiv nach einer festen Anstellung. Bei den Arbeitslosen ohne Zuverdienst sind es 94 Prozent.

Beinahe alle Arbeitslosen suchen einen Job - 97% jener Arbeitslosen mit Zuverdienst, 94% jener ohne Zuverdienst
Grafik: moment.at
 

Arbeitslose Menschen mit Zuverdienst bewerben sich aktiv

Im Schnitt haben arbeitslose Menschen mit Zuverdienst in den vergangenen vier Wochen fünf Bewerbungen verschickt. Genauso viele wie jene ohne Zuverdienst. Einen Unterschied gibt es allerdings, und zwar in den Antworten auf die Bewerbungen. Nur 27 Prozent der befragten Arbeitslosen mit Zuverdienst haben eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch bekommen. Bei den Arbeitslosen ohne Zuverdienst sind es 43 Prozent.

Trotz gleicher Intensität der Arbeitssuche finden jene mit Zusatzjob seltener eine feste Anstellung. Die befragten arbeitslosen Menschen mit Gelegenheitsjobs berichten von Diskriminierungserfahrungen während der Jobsuche. Sie weichen auf Gelegenheitsjobs aus, weil die Betriebe ihnen keine Chance geben.

Das niedrige Arbeitslosengeld in Österreich zwingt Arbeitslose zu Zusatzjobs

Arbeitslose Menschen mit Zuverdienst haben bereits vor der Arbeitslosigkeit weniger verdient: 85 Prozent haben weniger als 1.600 Euro netto im Monat verdient. In der Arbeitslosigkeit haben 84 Prozent weniger als 1.000 Euro im Monat – und das trotzdem sie sich etwas dazuverdienen. Väter haben häufiger Gelegenheitsjobs als kinderlose Männer (46 Prozent zu 36 Prozent), Mütter häufiger als kinderlose Frauen (27 Prozent zu 21 Prozent).

Höhere Armutsgefährdung unter Arbeitslosen mit Zuverdienst

Je länger die Menschen ohne Arbeit sind, desto eher versuchen sie, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. 4 von 10 Arbeitslosen, die einem Zuverdienst nachgehen, sind langzeitarbeitslos. Trotz Zuverdienst sind die Arbeitslosen mit Gelegenheitsjob stärker armutsgefährdet als die Gruppe ohne Zuverdienst. 4 von 10 gelten als arm.

84% der Arbeitslosen erhalten trotz Zuverdienst nicht mehr als 1000 Euro netto im Monat
Grafik: moment.at

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