WWF: Wildtierbestand weltweit dramatisch gesunken

Das zeigt der neue „Living Planet Report“ der Naturschutzorganisation WWF. Demnach hat sich die Wildtierpopulation seit 1970 im Schnitt um 69 Prozent verringert, die Zerstörung von Lebensräumen, Entwaldung, illegaler Wildtierhandel und Wilderei zählen zu den Hauptursachen. Die NGO fordert einen Systemwandel.

Von Moritz Ettlinger

Die Anzahl und Vielfalt wild lebender Tiere ist weltweit stark eingebrochen. Das berichtet die Naturschutzorganisation WWF (Word Wide Fund for Nature) in ihrem neuen „Living Planet Report“. 32.000 Wirbeltier-Populationen aus 5.230 Arten wurden untersucht, mit dem Ergebnis, dass sich der Bestand der Wildtiere zwischen 1970 und 2018 im Durchschnitt um 69 Prozent verringert hat.

Am stärksten betroffen sind auf regionaler Ebene Lateinamerika und die Karibik: Dort ging der Bestand um 94 Prozent zurück, insbesondere aufgrund der massiven Abholzung der Tropenwälder.

Global zeigt sich bei Süßwasser-Tieren ein besonders negativer Trend mit einem Rückgang von 83 Prozent. Die Gründe hierfür liegen laut WWF vor allem im Verlust von Feuchtgebieten und der Übernutzung und Verbauung von Gewässern. Auch in Österreich seien mehr als 60 Prozent der heimischen Fischarten gefährdet und nur noch 14 Prozent der Flüsse ökologisch intakt, berichtet die NGO.

„Unsere Natur wird rücksichtslos ausgebeutet und zerstört. Das schadet nicht nur Wildtieren, sondern raubt uns letztlich die eigenen Lebensgrundlagen. Denn die Ernährungssicherheit und Gesundheit von Milliarden Menschen hängen direkt von intakten Ökosystemen ab“, sagt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich.

Bekämpfung der Klimakrise zentral

Die Ursachen für den drastischen Rückgang der Bestände sind vielfältig. Im Zentrum stehen laut WWF vor allem die Zerstörung und Übernutzung von Lebensräumen, die Entwaldung, der illegale Wildtierhandel und die Wilderei. Aber auch die Klimakrise spielt bereits eine nicht zu unterschätzende Rolle.

In Zukunft könnte diese noch größer werden: Wenn der globale Temperaturanstieg nicht auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann, wird die Klimakrise mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Hauptursache für Artensterben und den Verlust von Biodiversität werden.

“Brennende Regenwälder, aussterbende Arten und immer mehr Monokulturen sorgen dafür, dass weniger CO2 gespeichert werden kann. Wenn wir so weitermachen, verlieren wir im Kampf gegen die Klimakrise die Natur als unsere beste Verbündete”, so Scattolin.

Systemwandel gefordert

Der WWF fordert in seinem Report systematischen Veränderungen der Art, wie wir produzieren und konsumieren, unserer Technologien und unseres Wirtschafts- und Finanzsystems. “Das Artensterben muss endlich als existenzielle Krise für uns Menschen erkannt werden“, sagt WWF-Experte Scattolin.

Es gibt aber Gründe zur Hoffnung: In Nepal wuchs die Tigerpopulation beispielsweise zwischen 2009 und 2018 um 91 Prozent, 2022 wurden sogar 355 der Tiere gezählt, womit strenger Schutz zu einer Verdreifachung des Bestandes geführt hat. Und auch in der Ostsee lebten 2019 um 139 Prozent mehr Kegelrobben als noch 2013.

Auch Scattolin zeigt sich optimistisch: „Mit einem ambitionierten, globalen Naturschutzpakt nach Vorbild des Pariser Klimavertrags ist eine Wende möglich“. Und weiter: „Die Menschheit verursacht nicht nur die Probleme, sondern hält auch den Schlüssel für deren Lösung in Händen.“

Der „Living Planet Report“ wird seit dem Jahr 1998 vom WWF herausgegeben und erscheint seit 2000 im Zweijahres-Rhythmus. Der aktuelle Bericht ist der 14. seiner Art und wurde gemeinsam mit der Zoological Society of London erstellt.


Titelbild: Ranae Smith auf Unsplash

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