45 Jahre INTERNATIONAL: Fischer mahnt zur Rückbesinnung auf Frieden und Völkerrecht
Wien – Mit einem hochkarätigen Festakt im Blauen Salon des Palais Niederösterreich feierte die Zeitschrift INTERNATIONAL am Donnerstag ihr 45-jähriges Bestehen. Den inhaltlichen Höhepunkt setzte Bundespräsident a. D. Dr. Heinz Fischer mit einer scharfen Analyse der Weltlage – und einem eindringlichen Appell für Friedenspolitik und internationales Recht.
Ein Jubiläum mit Geschichte
Seit ihrer Gründung im Jahr 1979 auf Initiative von Fritz Edlinger ist INTERNATIONAL eine der wenigen unabhängigen Fachzeitschriften zu internationaler Politik im deutschsprachigen Raum – mit einer Blattlinie, die sich dem Nord-Süd-Dialog, aktiver Neutralität, Friedensförderung und Multipolarität verpflichtet fühlt.
Edlinger, der die Zeitschrift über Jahrzehnte prägte, verstarb im Dezember 2024. Fischer würdigte ihn posthum als „unermüdlichen Fürsprecher für Frieden und internationale Solidarität“.
Festakt mit internationalem Programm

Das Programm des Abends spiegelte den weltoffenen Anspruch der Zeitschrift wider. Universitätsprofessor und INTERNATIONAL-Mitbegründer Heinz Gärtner hielt die Festrede unter dem Titel „45 Jahre Geopolitik“. Der frühere nordmazedonische Kulturminister Robert Alagjozovski sprach über europäische Kulturpolitik als Weg zur internationalen Verständigung. In der Talkrunde, moderiert vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft internationale Publizistik, Bernhard Müller, diskutierten Vbgm.in a. D. Renate Brauner (ehem. Wiener Stadträtin für internationale Beziehungen), Nationalrätin Muna Duzdar (Vizepräsidentin GÖAB), Prof. Stefan Schennach (Zeitschrift INTERNATIONAL) und Botschafter Thomas Zehetner (Internationaler Sekretär der SPÖ) über Zukunftsfragen der internationalen Politik und Publizistik. Musikalisch umrahmte die Sopranistin Simone Long den Abend.
Fischer: Zwischen Geschichtsrückblick und Zeitkritik
In seiner Festansprache spannte Fischer einen weiten Bogen: von den bescheidenen außenpolitischen Anfängen Österreichs nach 1945 – als es kein eigenes Außenministerium gab – bis zur prägenden Ära Bruno Kreiskys. Ab 1959 habe Kreisky durch Friedenspolitik, Nord-Süd-Dialog und Ostpolitik dem kleinen Österreich internationales Gewicht verliehen.
Den Gegenwartsbezug stellte Fischer schonungslos her. Die Politik Donald Trumps nannte er „unberechenbar, paktunfähig und egozentrisch“ – sie habe zu einer Unsicherheit in den internationalen Beziehungen geführt, wie es sie seit 1945 nicht gegeben habe. Die Aufkündigung des Iran-Atomabkommens (JCPOA) sei ein „folgenschwerer Fehler“ gewesen.
Zur Lage in Gaza sprach Fischer differenziert, aber klar: Den Hamas-Angriff verurteilte er als „verbrecherisch“, die anfängliche israelische Reaktion als berechtigt. Die monatelangen Folgeoperationen aber, bei denen mehr als 70.000 Menschen ums Leben kamen, hätten „mit Notwehr nichts mehr zu tun“. Auch das israelische Vorgehen im Westjordanland bezeichnete er als völkerrechtswidrig.
„Der Zweck heiligt die Mittel“ – eine Gefahr für die Welt
Als roten Faden seiner Analyse benannte Fischer das Prinzip „Der Zweck heiligt die Mittel“ – das er bei Putin, Trump und Netanjahu gleichermaßen verorte. Wenn dieses Denken sich durchsetze, werde die Welt „zurück in die Steinzeit gebombt“. Dem müsse die konsequente Einhaltung von Völkerrecht, Menschenrechten und der UN-Charta entgegengestellt werden.
Als neutraler Staat habe Österreich die Möglichkeit – und die Pflicht –, sich für Frieden einzusetzen. Diese Chancen würden, so Fischer, nicht immer genutzt.
Sein Appell an die Anwesenden: Nicht die Geduld zu verlieren, ausdauernd zu bleiben – und Initiativen wie der Zeitschrift INTERNATIONAL weiterhin Rückhalt zu geben.
Text und Titelbild: Michael Wögerer

