Kreisky, Zwentendorf und die schiefe Ebene
Warum mich der Film „BRUNO – Der junge Kreisky“ berührt hat – über Geschichte, Gerechtigkeit und Mut zur Inklusion.
Von Karin Maron
„In Geschichte bist du noch immer ein ahnungsloses Nudelaug“, würde mein Papa heute wohl noch zu mir sagen. Ich muss gestehen: Da habe ich noch immer große Defizite. Die schulde ich allerdings meinem Geschichtslehrer in der Mittelschule, der den Nationalsozialismus verherrlichte und mit Sprüchen wie „Vorwärts, rechte Kameraden, die Linken gehören zurückgedrängt!“ jedes Interesse an Geschichte in mir erstickte.
Trotz der Bedeutung der Geschichte in unserer Familie und trotz der vielen Erzählungen meines Papas blieb mein Wissen lückenhaft. Im Laufe der Zeit konnte ich mich dann vieler offener Themen annehmen. Und so ging auch Kreisky nicht spurlos an mir vorbei – allerdings in erster Linie wegen Zwentendorf.
Die eigentliche Bedeutung des Sozialismus ist aktueller denn je – und umso mehr war ich auf den Film „BRUNO – Der junge Kreisky“ gespannt. Von der ersten Minute an hat mich dieser Mensch berührt und fasziniert. Er kam aus gutem Hause und hätte eine erstklassige Bildung genießen können – und gerade deshalb, oder gerade trotzdem, fühlte er sich so sehr sozialer Gerechtigkeit und der Gleichheit der Menschen verpflichtet. Trotz vieler Rückschläge und Schwierigkeiten setzte er sich schon in seiner Jugend für diese Themen ein, die heute wichtiger sind denn je.
Auf den Film selbst möchte ich hier gar nicht näher eingehen; dafür gibt es bestimmt schon genug kritische und wohlwollende Kommentare. Mir hat der Film aber Mut gemacht – Mut für mein heutiges Referat zum Thema erfolgreiche Inklusion von körperbehinderten Mitschülern für Lehrkräfte einer Schule mit Förderschwerpunkt.
Bildung ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen Vorurteile – und gegen Situationen, denen man sich ungern stellt, weil sie unbequem sind. So wie ich mich heute diesem Vortrag stelle.
Also werde ich mir heute meinen Leihrollstuhl schnappen und mich vor die schiefe Ebene der Schule setzen, um dort auf die Kolleg:innen zu warten. Ich hole sie ab, wo der Schulweg für einige bereits mit einer Herausforderung beginnt – und ich beginne mit dem, was ich wirklich gut kann: Menschen praxisnah abholen, genau dort, wo sie gerade stehen.
Titelbild: „BRUNO – Der junge Kreisky“ (polyfilm.at)

