Asyl in Österreich: Puchenstuben zeigt, wie es geht

Seit nunmehr 10 Jahren gibt es in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Puchenstuben ein Heim für Asyl-Flüchtlinge. Massenquartiere wie Traiskirchen gehören abgeschafft, meint Bürgermeister Christian Kogler (SPÖ) im Gespräch mit Unsere Zeitung.

Wenn überhaupt ist das 330-Einwohner-Nest Puchenstuben den meisten als Sommer- und Wintersportgebiet bekannt. Seit 2004 zeigt die Gemeinde im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich aber auch auf, wie die „Asylproblematik“ in Österreich fast problemlos zu lösen wäre und wie die Standorte dabei sogar profitieren würden. Vor 10 Jahren hätte die örtliche Volksschule aus Kindermangel zusperren müssen, nun wurde vor zwei Jahren sogar ein neuer Kindergarten eröffnet. Zwischen 38 und 45 Flüchtlinge sind aktuell in der ehemaligen Pension Alpenhof untergebracht, bis 2009 hatte die Volkshilfe Österreich den Betrieb geführt, seitdem wird das Asylheim privat betrieben.

Während sich Großstädte wie Linz gegen Quartiere für 100 Asylwerber zur Wehr setzen – im konkreten Fall wären dies 0,05% der Bevölkerung – , so schafft Puchenstuben eine 10%-Quote. Ab und zu sorgt das im örtlichen Freibad für kleinere Verstimmungen, wenn an heißen Tagen 30 Einheimische auf 40 Asylwerber mit einer etwas anderen Bademode treffen, räumt Kogler ein, aber im Ortszentrum fällt es kaum auf. Zudem ist seit 10 Jahren kein einziger Asylwerber straffällig geworden, das Ganze habe sich eingebürgert, werde akzeptiert und respektiert.

Nichts desto trotz würde der Bürgermeister nicht alle 50 möglichen Plätze in Puchenstuben vergeben wollen. „Je kleiner die Einheiten, desto unproblematischer“. Es sei grundsätzlich der richtige Weg Massenquartiere wie Traiskirchen abzuschaffen, so Kogler.

Um die schwierigen Lebensumstände der in unserem Umfeld lebenden Asylwerberinnen und Asylwerber sowie der anerkannten Flüchtlinge zu verbessern und diese Menschen dabei zu unterstützen, in unserer Kultur Fuß zu fassen hat sich Anfang April dieses Jahres in Scheibbs der Verein „Willkommen“ konstituiert. Gemeinsam mit anderen privaten Asylquartieren organisiert dieser Sprachkurse, Ausflüge und arbeitet mit örtlichen Vereinen zusammen, um das Verhältnis zwischen Flüchtlinge und einheimischer Bevölkerung zu verbessern. So findet zum Beispiel am 30. August in der Marktgemeinde Frankenfels, wo sich ebenfalls zwei private kleine Flüchtlingsquartiere befinden, ein gemeinsames Grillfest statt.

Links:

Fotos: Willkommen – Verein zum Finden einer neuen Heimat

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