Koch bekommt rund 3,5 Millionen Euro fürs Nichtstun

Koch in Zeiten wie diesenNoch fast zwei Jahre erhält der ehemalige CDU-Ministerpräsident des deutschen Bundeslandes Hessen, Roland Koch, sein Jahresgehalt als Ex-Vorstandschef beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger überwiesen – Wos woar sei Leistung?

Nach etwas mehr als drei Jahren als Vorstandschef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger wurde gestern, Donnerstag, die Ablöse von Roland Koch vom Aufsichtsrat offiziell bestätigt. Seinen Posten ist der ehemalige Hessener Ministerpräsident nun los, das Jahresgehalt von 2,35 Mio. Euro darf er dennoch bis zum Ende seines Vertrages Anfang 2016 einstreifen – insgesamt werden ihm fürs Nichtstun rund 3,5 Mio. Euro ausbezahlt.

Im Mai 2010 war der CDU-Spitzenpolitiker, dem Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers nachgesagt wurden, als Ministerpräsident zurückgetreten. Ein Jahr später wechselte er zu Bilfinger und machte dort wie bisher gewohnt große Ankündigungen: Bis 2016 stellte er ein Konzernergebnis von 400 Mio. Euro in Aussicht – doch dies scheint aus heutiger Sicht nicht erreichbar zu sein.

Dabei hat er doch alles wie ein anständiger Manager gemacht: Er strich 1.500 Stellen, kaufte Firmen und erst vor wenigen Wochen kündigte er einen Einstellungsstopp in den Sparten Kraftwerks- und Industrieservice an und schloss dabei auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Doch den Aktionären war dies anscheinend zu wenig. Die Bilfinger-Aktie sank seit Kochs Antritt um rund 20 Prozent. Als der Konzern die Umsatz- und Gewinnprognose Ende Juni deutlich senken musste, waren die Aktien sogar an einem Tag um 17 Prozent gefallen. Das traf die Anteilseigner im Aufsichtsrat hart. Die zweite Gewinnwarnung innerhalb von fünf Wochen brachte dann das Fass zum Überlaufen. „Gewinnwarnung“ ist übrigens Börsensprech und kann leicht missverstanden werden. Es wird dabei nämlich nicht vor einem Gewinn gewarnt, sondern vor dessen Verringerung, also ein Verlust angekündigt.

„Das hat zu Vertrauensverlust und zu Glaubwürdigkeitsverlust geführt“, sagte Aufsichtsratschef Bernhard Walter. Ob man sich das von einem Politiker nicht im Voraus erwarten hätte können, sei dahingestellt. Auf die Frage, ob er Kochs Abgang bedaure, zuckte der frühere Dresdner-Bank-Chef mit den Schultern: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“

Das Ruder bei Bilfinger übernimmt sodann bis Ende Mai 2015 vorübergehend wieder der Grazer Bauingenieur Herbert Bodner – was er wohl in den nächsten 10 Monaten verdienen wird?

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