Teil 3 der EBEL-Serie: Moser Medical Graz 99ers

Graz 99ersUnsere Zeitung zum Eishockeyliga-Start: Heute nehmen wir das Team der Graz 99ers unter die Lupe! Postet eure Meinung zur Mannschaft als Kommentar!

Sisyphos im „Bunker“

In Graz soll im Herbst wieder einmal alles anders werden. Nachdem man letzte Saison die Play-Offs trotz Trainerwechsels und Nachrüsten am Spielersektor verpasst hat, will man mit neuem Trainer, umgebauten Kader und neuem Motto („Pure Icehockey Graz“) durchstarten.

Erster Schritt getan

Viele Grazer Fans können ein Lied davon singen: Der Kader scheint kein schlechter zu sein, die Voraussetzungen, um in den Play-Offs ein Wörtchen mitzureden, scheinen gegeben. Und dennoch: Es ist Mitte der Saison und es läuft nicht. So geschehen auch im vergangenen Jahr.
Zwar versuchte man gegenzusteuern und verpflichtete mit dem Finnen Petri Matikainen einen namhaften Headcoach, trotzdem war die Saison für die Graz 99ers nach der Qualifikationsrunde vorbei.
Um dieses Jahr wirklich alles anders zu machen, war ein wichtiger erster Schritt, Goalie Dany Sabourin längerfristig an der Mur zu halten. Sabourin hatte ein starkes Jahr im Liebenauer „Bunker“. Mit seinen Saves gibt der Kanadier dem Team nicht nur den nötigen Rückhalt, sondern kann auch Spiele entscheiden. Die Backup-Position hinter Sabourin wird unter den Jugendtorhütern Wolf Imrich (zuletzt KAC) und Mario Still ausgemacht.

Trainer vs. Topscorer

Auch im Coaching-Bereich sieht alles danach aus, als wolle man die Sisyphos-Arbeit des ständigen Neubeginns hinter sich lassen. Zwar ist Matikainen im „Bunker“ Geschichte, der neue Grazer Trainer, der US-Amerikaner Todd Bjorkstrand, steht aber für Konstanz. Zuletzt war er zwölf Jahre in Folge Headcoach beim dänischen Erstligisten Herning und wurde dort sechsmal Meister.
Dass Bjorkstrand jemand ist, der seine Linie durchzieht, hat sich schon in der Pre-Season gezeigt. Roland Kaspitz, letzte Saison an Spielen gerechnet bester Scorer der Grazer, wurde vor kurzem aus seinem Vertrag entlassen. Bei den Fans stieß die Entscheidung größtenteils jedoch auf Unverständnis.

Gut besetzte Defensive

Am Legionärsmarkt konnten die 99ers sich einige vielversprechende Spieler angeln. Hinten sollen die Verteidiger Matt Kelly (CAN) und Jake Marto (USA) für offensive Inputs sorgen. Kelly, zuletzt in der DEL2, ist für seinen guten Schuss bekannt und kann vor allem im Powerplay Gold wert sein. Auch Marto ist ein eher offensiv ausgerichteter Defender, der über einen guten Pass verfügen und auch ein guter Eisläufer sein soll. Als dritten Neuling brachte Trainer Bjorkstrand Mitch Ganzak aus Herning mit. Dort spielte er zuletzt drei konstante Saisonen. Als vierter Defensiv-Legionär blieb der Däne Stefan Lassen – früher übrigens selbst bei Herning – in Graz. Um die Plätze fünf und sechs in der Verteidigung werden die Österreicher Wiedergut, Scholz, Reinthaler und Unterweger spielen.

Jugend oder Legionäre?

Auch im Sturm gibt es viele neue. Kapitän Olivier Latendresse blieb als einziger Legionär aus der Vorsaison. Ihm zur Seite stehen aktuell sechs weitere Ausländer, zwei davon im Try-Out. Viel erwarten darf man sich vom jungen Miha Verlic, zuletzt Topscorer bei Olimpija Ljubljana. Powerforward Luke Walker konnte in der AHL schon aufzeigen. Für eher defensivere Aufgaben holte man den erfahrenen norwegischen Center Anders Bastiansen. Bei den österreichischen Stürmern hofft man darauf, dass Manuel Ganahl an seine gute Vorjahressaison, die ihm Karrierebestwerte in Toren, Assists und Punkten brachte, anschließen kann. Kevin Moderer und Daniel Woger sind zwar keine Topscorer, mit ihnen hat man allerdings verlässliche Spieler für die hinteren Linien. Interessant wird auch, was man sich von Neuzugang Philipp Pinter erwarten kann.
Gespannt sein darf man, ob der talentierte gebürtige Lette Zintis Zusevics aus der 99ers-Jugend weiter regelmäßige Shifts haben wird und ob Jugendcrack Sebastian Konrad im Falle von Sperren oder Verletzungen zu ersten Einsätzen in der Kampfmannschaft kommt. Dies wird auch davon abhängen, ob die Try-Out-Stürmer bleiben. Für die stiefmütterlich behandelte Jugend in Graz wäre dies ein wichtiges Zeichen, das nicht zuletzt auch zu mehr Identifikation der Fans mit dem Team führen würde.

Ausblick

In Graz scheint man genug davon zu haben, ständig von vorne zu beginnen. Trainer Bjorkstrand steht für Konstanz und Linie, mit Sabourin konnte man einen starken Goalie längerfristig binden. Auch die Legionäre scheinen von höher Qualität zu sein, als letztes Jahr. Wenn es läuft, sollte Graz ein Kandidat für die Play-Offs sein. Läuft es jedoch nicht, dürfte es in Graz schnell rumoren. Entscheidungen, wie die Trennung von Kaspitz, würden hinterfragt werden. Das Grazer Management gilt unter Fans als sprunghaft, sollte die Mannschaft nicht durchstarten, könnten Schnellschüsse folgen – dann muss man in Graz vielleicht wieder von vorne beginnen. (am)

Alle Teile der Serie auf: Unsere Zeitung zum Eishockeyliga-Start

Foto: Alex Micheu Photography / Wikimedia Commons

Artikel teilen/drucken:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.