Lieber gleichberechtigt…

frauenrechteMiriam H. sitzt mit ihrem Mann beim Abendessen und erklärt niedergeschlagen, dass sie heute gekündigt wurde. Ihr Mann klopft ihr auf die Schulter und meint überraschend unbesorgt: Sieh‘ es doch positiv! Jetzt hast du endlich mehr Zeit für deine Kinder und bleibst einfach zu Hause. Du hast ja schon lange genug eine Karriere gehabt. Ich verdiene sowieso für uns beide.“ Miriam denkt ein Jahr zurück, als ihr Mann arbeitslos war. Nie im Leben wäre ihr eingefallen ihn zum Vollzeit-Hausmann zu machen, wenn er doch eigentlich arbeiten wollte.

Jasmin B. ist alleinerziehende Mutter und arbeitet 20 Stunden als Verkäuferin. Eigentlich dachte sie, sie wäre auf diese Art flexibel und könnte Beruf und Kindererziehung leichter unter einen Hut bringen. Doch die Flexibilität hat vor allem Vorteile für ihren Chef. Sie muss einspringen, wann sie gebraucht wird, und das für einen Lohn der selten bis zum Monatsende und noch seltener für eine Kinderbetreuung reicht. Aufstiegschancen hat sie so gut wie keine. Als 20-Stunden-Kraft und Mutter – die ja nie Zeit für die Firma hat – steht sie auf der Beförderungsliste weit unten.

Ursula K. hat die Pflichtschule endlich beendet und überlegt eine Tischlerlehre zu machen. Ihre Eltern raten ihr davon ab: „Werde doch Frisörin, das ist ein richtiger Beruf für Mädchen!“ Auf Ursulas Hinweis, dass man in sogenannten „Mädchenberufen“ viel weniger verdiene erwidern beide verdutzt: „Das ist doch normal… Was willst du denn dagegen tun?“

Weniger Geld, weniger Macht – weniger wert?

Die oben dargestellten – zugegebenermaßen frei erfundenen – Geschichten sind trotzdem nicht aus der Luft gegriffen. In Österreich sind Mann und Frau auf dem Papier zwar gleichberechtigt, doch die Realität sieht ganz anders aus. Die Lohnschere beim Bruttojahreseinkommen 2012/2013 klafft mit 23,85 Prozent (1) sehr weit auseinander und zieht sich durch alle Branchen – von der Arbeiterin bis zur Beamtin. Rechnet man auch die Teilzeitbeschäftigten mit ein, so kommt man auf etwa 40 Prozent, da mehr Frauen als Männer in Teilzeit-Berufen beschäftigt sind. Doch Frauen entscheiden sich in den wenigsten Fällen freiwillig dafür. Nur aufgrund der vorgefundenen Bedingungen werden sie in diesen Bereich gedrängt, denn oft übernehmen Frauen neben der Lohnarbeit auch die Hausarbeit, Kinder- oder Angehörigenbetreuung. Um Zeit für diese Aufgaben zu haben, sehen viele Frauen keinen anderen Ausweg, als in die Teilzeitbeschäftigung auszuweichen. Prekäre Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung und null Aufstiegschancen zeichnen diese Beschäftigungsverhältnisse aus.

Frau zur WeltDaneben sind aber auch Rollenbilder in unserer Gesellschaft schuld, welche eine in Vollzeit arbeitende Frau als „Rabenmutter“ oder „karrieregeil“ abstempeln und eine Frau am Herd als Norm ansehen. Und weil der „eigentliche Platz“ der Frau ja daheim in der Küche ist, so wird Arbeitslosigkeit bei Frauen auch als weniger ernst betrachtet, als wenn der Mann – der Familienernährer – seine Arbeit verliert. Dass eine Frau sich in ihrem Beruf verwirklichen will ist nebensächlich.

Zudem werden Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, als weniger wert betrachtet. Diese Niedriglohnbranchen, wie Handel oder Gastronomie, sind ebenfalls ausschlaggebend für die niedrigeren Einkommen von Frauen. Berufe in den beiden oben genannten Branchen sind gemeinhin als „Frauenberufe“ bekannt und akzeptiert: Verkäuferin, Kellnerin, aber auch die im Büro sitzende Sekretärin gehören dazu.
Frauen sieht man weit weniger oft in Führungspositionen als Männer und obwohl man hier Gleichberechtigung bezüglich Lohn und Gehalt erwarten könnte, ist hier der Unterschied am größten.

Der – in Österreich stark geprägte – Mutterkult, die Einteilung in „Frauen- bzw. Männerberufe“ und andere Stereotype und Rollenbilder werden uns von klein auf beigebracht und als akzeptabel gelehrt. Um einen ersten Schritt in Richtung tatsächlicher Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu erreichen braucht es deshalb eine emanzipatorische, geschlechtssensible Erziehung in Kindergarten, Schule und Lehrausbildung sowie einen Einsparungsstopp und mehr Förderungen für Mädchen- bzw. Frauenberatungsstellen und für Frauenhäuser.

Die Gleichstellung und Eingliederung von Frauen ins Arbeitsleben ist ein weiterer wichtiger Schritt, dieses Muster zu durchbrechen. Doch das eigentliche Ziel ist es, besseres Gehalt und bessere Lebensumstände für alle, das heißt, Frauen und Männer gleichermaßen zu erkämpfen. Das werden wir nur gemeinsam erreichen können!

Text: Astrid Hainz

(1) Quelle: www.equalpayday.at

Foto: Pixabay (CC0 Public Domain)

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