Demo in Graz fordert „menschenwürdige Asylpolitik“

flüchtlingsdemo_grazDer Umgang mit Flüchtlingen in Österreich ließ gestern knapp 1.000 Menschen in Graz auf die Straße gehen.

Wie viele der im letzten Jahr in Graz abgehaltenen Demonstrationen begann auch der gestrige Marsch am Griesplatz. Der Startpunkt dürfte in diesem Kontext nicht zufällig gewählt worden sein, ist Gries doch einer der migrantisch geprägten Bezirke von Graz. Als kultureller Melting Pot, wo Studentenbars Tür an Tür mit kurdischen Lebensmittelmärkten und afrikanischen Frisören existieren, ist Gries auch ein Beweis dafür, dass das Zusammenleben verschiedener Kulturen funktionieren kann, wenn man es unaufgeregt und vorurteilsfrei angeht.

„Graz keine Menschenrechtsstadt“

Eben jenen Vorurteilen offen entgegenzutreten, die sich zur Zeit vor allem in Form von „Hasspostings“ äußern, aber zunehmend auch im öffentlichen Raum kundgetan werden, war eine weitere Stoßrichtung der Demo. In einem Redebeitrag auf dem Jakominiplatz wurden Tipps zum Umgang mit „Hasspostings“ in sozialen Medien gegeben.
Später am Hauptplatz sprach neben einem Redner der Sozialistischen Jugend Steiermark, die die von zahlreichen politischen Gruppen und sozialen Initiativen unterstützte Aktion ins Leben rief, auch eine Vertreterin der Organisation Flüchtlinge Willkommen Österreich. Sie kritisierte unter anderem, dass der Grazer Bürgermeister über eine Gemeindequote für Asylwerber debattiert, anstatt Hilfe für die in Traiskirchen unter unwürdigen Bedingungen untergebrachten Menschen anzubieten. Graz verdiene in diesem Zusammenhang den Titel „Stadt der Menschenrechte“ nicht.

Wermutstropfen

Während vor allem die heterogene Zusammensetzung der Demonstration ein positives Signal im zuletzt sehr negativ gehaltenen Diskurs um die Asylthematik darstellte und das Masala Brass Kollektiv für gute Stimmung sorgte, äußerten sich mehrere Demoteilnehmer und Passanten etwas befremdet über die vom Demowagen vorgetragenen Sprechchöre. Sowohl die leicht aggressive Stimmlage als auch die lediglich szenespezifischen Slogans („Alerta Antifascista“, „Refugees are welcome here“) erschwerten es, umstehenden Menschen die Thematik und die Probleme klar zu vermitteln. Dennoch schlossen sich auch im Laufe der Demonstration zahlreiche Menschen an. (am)

Fotos: Sozialistische Jugend Steiermark (Titelbild); Robert Krotzer

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