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[3K – Massenmedien am Montag: Folge 41]

Foehnlinse_glaernischAluhüte und Reptiloide aufgepasst! Roswell liegt im Marchfeld, Schmäh ohne. Zumindest war man hier 1970 bestens auf Besuche aus dem All eingestellt. Der Österreichische Rundfunk hat im Rahmen des Fernseh-60ers eine alte Folge des Formats Panorama ausgegraben: ein gewitzter Teddy Podgorski führte damals durch die spaßig-skurrile Sendung. Menschen aus Gänserndorf bereiteten vor laufender Kamera den Erstkontakt mit Aliens vor. Panorama sendet seit 2009 wieder. Abseits von Jubiläen werden hier bei wechselnden Themen Perlen aus dem Archiv pointiert kommentiert. Zuletzt ging es um versteckte Kameras.

Ein persönlicher great moment betrifft auch den Bezirk Gänserndorf. Herr Hermes reiste 2012 nach Dobermannsdorf, wo er eine Folge der Unteren 10.000 aufnahm. Das war bekanntermaßen die langjährige Sozialporno-Rubrik bei Willkommen Österreich. Hermes dokumentierte enthemmte Landsleute bei Sportevents, (Sex-)Messen, Sammelbörsen, Saufgelagen. Eines davon fand eben in Dobermannsdorf statt. Nicht nur die linke Szene war entzückt, als Hermes dort einen Genossen interviewte. Ich habe immer noch den Eindruck, dass dies einer jener Augenblicke war, in denen der Satiriker sein Gegenüber für voll nahm. Nur eben nicht sternhagelvoll.

Das ZiB2-Interview mit Susanne Winter wird es weder in eine ORF-Geburtstagssendung noch eine persönliche Bestenliste schaffen. Es ist jedoch nicht so, wie der Advocatus Diaboli Johannes Voggenhuber in seiner Facebook-Chronik meint. Frau Winter wurde Dienstagabend nicht das Opfer von „Lynchjustiz“.

Was Armin Wolf am dritten November ablieferte, war vielmehr Journalismus; vergleichsweise schlecht gemacht, dennoch Journalismus. Ein paar Fehler sah er ja rasch selbst ein. Dieter Bornemann sprang ihm als Chef des Redakteursrates zur Seite (ZiB-Moderatoren sind keine Stichwortgeber“).

Wolf verlor das Gespräch, als die Abgeordnete berichtete, wie sie zu Allerheiligen das Grab ihrer Mutter und ihres Kindes besucht hatte. Jede Spitze, jeder Seitenhieb musste jetzt pietätlos wirken. Der Tiroler hätte stattdessen Herbert Kickl aufs Korn nehmen müssen:

„Haben Sie eigentlich eine Erklärung, warum in der FPÖ islamfeindliche und ausländerfeindliche Aussagen kein großes Problem sind? Antisemitische Äußerungen aber schon?“

Es war eben Kickl, der offen gegen seine Gesinnungsfreundin wetterte. Die zitierten Fragen gingen aber an Winter, nicht den Oberstrategen von Heinz-Christian Strache. Mit einem Interview Kickls wäre der Einzeltätermythos leichter zu brechen gewesen. So putzen sich die Blauen neuerlich ab.

Bleiben wir gleich bei Facebook, dem Tummelplatz obskurer Rechter und armer Spinner. Der Internetkonzern blockiert dieser Tage die Konkurrenz, feiert steigende Zugriffszahlen und Gewinne, expandiert in neue Märkte. Das Unternehmen tut alles, was ein Monopolist tun muss, um zu bestehen. Sogar das altgediente Computermagazin WIRED befürchtet hiernach, dass der freie Markt jeglichen Freiheitstraum verdrängt. Es hat Recht damit.

 

Foto: Ahdigital auf wikipediaFöhnlinse über dem Glärnisch-Massiv (Schweizer Alpen) (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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