Ein Heft, zwei Texte und eine dämliche Nummer

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 54]

falter_burschenschafterEs blieb nicht bei Florian Klenks tweet, welcher Thema der letzten Episode war. Tatsächlich widmet der aktuelle Falter den Protesten gegen den Akademikerball zwei Artikel, die eine Seite füllen, dazu vier Fotos. Die Stories (eine stammte von Lukas Matzinger, die zweite von Medienreporter Benedikt Narodoslawsky) sind mit der Schlagzeile „Eine Nacht, zwei Feindbilder und ein kleines Experiment“ überschrieben. Zur Sache: Besagtes Experiment erklärt sich aus den Bildern, welche bei Klenk und Matzinger für Shitstorms sorgen. Letzterer ist im Burschikostüm zu sehen, mit „Studentenkappe“, nicht zueinander passenden Farben, einem falsch anliegenden Band, ohne Krawatte oder Fliege. Jahreszeitlich passend zieren sein Sakko „zwei kleine Spaßorden (…) vom Landesverband der Faschingsgilden.“ Zugegeben, er bleibt fair. Matzinger framed eher anonyme Poster negativ als die Vermummten, die ihm auflauern, um seine Kappe zu fladern, vermeidet Pauschalverunglimpfungen (Ziffer 7) und betont mehrmals, sich als Journalist identifiziert zu haben.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass die ganze Nummer dämlich und unredlich ist. Eine sorgfältiger gestaltete Garderobe, eine Ballkarte und ein anschließender Erfahrungsbericht vom Ball wären vermutlich zu aufwändig wie investigativ gewesen. Stattdessen tat Matzinger das, was kein Akademikerballgast tut: Er stellte sich neben die Demoroute, um sie „aus neuer Perspektive“ zu betrachten, als Fake-Feind. Jetzt könnte man die „sehr“ jungen, „vielleicht 20“ (Matzinger) Jahre alten AntifaschistInnen fragen, ob sie wirklich glaubten, er sei ein deutschnationaler Männerbündler. Aber das ist nicht der Punkt. Der lässt sich anhand eines Kommentars bei Klenk ganz gut erklären. Die Posterin zitiert die Richtlinie der renommierten Initiative World Press Photo, welche jährlich das weltweit beste journalistische Lichtbild in verschiedenen Kategorien prämiert. Demnach sei Manipulation unter anderem dann gegeben, wenn ein Ereignis vom Fotografen (Christopher Mavrič) künstlich (mit-)geschaffen wird. Im Pressekodex steht dazu weitläufig, ein der „Wahrheitsfindung und Korrektheit“ verpflichteter „Gebrauch der Pressefreiheit“ sei einzuhalten.

Natürlich hätte das Bündnis die friedliche Demo besser verkaufen können, mit eigenen Fotostrecken zum Beispiel. Passenderweise will Narodoslawsky einen Anwesenden gefragt haben, ob man „heute mit Gewalt demonstrieren“ werde. Hoch lebe die Unschuldsvermutung. Als der Zug durch ein Nadelöhr in der Wipplingerstraße geführt wurde, soll der Block „»Hau drauf! Hau drauf!«“ gerufen haben. Die Offensive gegen Rechts postete, es sei „Haut ab!“ skandiert worden, ein Slogan gegen rechte und uniformierte Störer. Die Reportage über den Polizeieinsatz beißt sich jedenfalls mit dem Leitartikel zum Corpsgeist vom Chef. Das ist wohl der berühmte Binnenpluralismus.

Unsere Zeitung bemühte sich bis zum Redaktionsschluss erfolglos um eine Stellungnahme von Matzinger und Mavrič zum Fall.

Fotos: Falter; Titelbild: en couleur (Heiner Adams, flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0)

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