Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels

climate-changevon Max Aurel

Es lässt sich kaum leugnen, dass der menschengemachte Klimawandel bis heute gravierende Folgen für das Ökosystem des Planeten gehabt hat und in Zukunft noch haben wird (außer man ist ein von der fossilen Brennstoffindustrie gesponserter Think-Tank). Artensterben, Gletscherschmelze und der Anstieg des Meeresspiegels sind alles Begleiterscheinungen dieser Entwicklung. Wenn die Staatengemeinschaft nicht bald drastische Maßnahmen ergreift, werden die Folgen kaum noch unter Kontrolle gebracht werden können. Doch die Konsequenzen des Klimawandels sind nicht nur ökologischer und meteorologischer Natur, sondern auch wirtschaftlicher, wie ein Forschungspapier der OECD im Jahr 2015 festgestellt hat.

Wirtschaftliche Schäden in mehreren Dimensionen

Die Forscher gehen davon aus, dass bei einem Anstieg von 4°C bis zu 10 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung gegen Ende des Jahrhunderts verloren gehen könnte. In einigen extremen Modellen sogar von etwa 12 Prozent. Gründe für den Rückgang der wirtschaftlichen Leistungen gibt es viele:

  • Veränderungen bei den Ernteerträgen
  • Verlust von Land und Kapital durch steigende Meeresspiegel
  • Veränderung der Fischbestände
  • Schäden durch Hurrikans
  • Veränderung der Produktivität von ArbeiterInnen und der Ausgaben für Gesundheit
  • Veränderungen der Tourismusströme
  • Veränderungen der Nachfrage für Energie durch Klimaanlagen und Heizkörper

Alles in allem wird der Klimawandel in 23 von 25 Regionen in der Welt negative wirtschaftliche Auswirkungen haben, die einzigen beiden Regionen, die durch den Klimawandel „profitieren“ werden, sind Kanada und Russland. Am schlimmsten treffen die Veränderungen Indien, Nordafrika und Subsahara-Afrika. Regionen, in denen heute schon mehr als 2 Milliarden Menschen leben.

Man muss dabei allerdings bedenken, dass in diesem Modell nur einige wenige Indikatoren berücksichtigt werden. Große Unsicherheiten bei der Prognose treten vor allem bei sogenannten „tipping points“ auf, Zeitpunkte bzw. Ereignisse, die einen sich selbstverstärkenden Schaden auslösen. Einer dieser tipping points betrifft zum Beispiel Grönland. Wenn dort das Eis schmilzt, verfärbt sich der Untergrund schwarz bis dunkelgrau. Anstatt das Sonnenlicht zu reflektieren, wie es die Eisoberfläche getan hat, würde der dunkle Untergrund den Erwärmungsprozess noch weiter beschleunigen. Ein weiteres Manko der Prognosen besteht darin, dass sie Externalitäten nicht untersuchen können, sondern nur wirtschaftliche Auswirkungen innerhalb des Marktes. Externalitäten sind Effekte, die nicht über den Marktmechanismus Kosten oder Nutzen übertragen. Ein in diesem Zusammenhang bekanntes Beispiel ist das der zwei Betriebe an einem Fluss.

„An einem Fluss befinden sich zwei Betriebe. Flussaufwärts ist eine Fabrik, flussabwärts ein Fischer. Die Fabrik stößt während ihrer Produktion giftige Stoffe aus und leitet diese in den Fluss. Dadurch werden die Fischbestände vergiftet, was die Einnahmen des Fischers reduziert.“

Landwirtschaftliche Erträge und Gesundheit

In der Folge konzentriere ich mich auf die zwei Sektoren, die laut der Studie am meisten zum wirtschaftlichen Rückgang beitragen: Ernteausfälle und Veränderungen der Produktivität inklusive Ausgaben für. Die unten angeführte Grafik zeigt den relativen Anteil an den „verursachten Schäden“:

Quelle: OECD
Quelle: OECD

Man sieht, dass Gesundheit und Landwirtschaft die beiden mit Abstand größten Indikatoren sind, die zu wirtschaftlichen Schäden beitragen. Hauptgrund für den großen Schaden, der vom Bereich Gesundheit ausgeht, ist der sogenannte Hitzestress. Hitzestress tritt auf, wenn man sich zu lange in einer heißen Umgebung aufhält, der Körper kann dadurch nicht mehr richtig abkühlen. Hitzestress kann schwerwiegende Symptome mit sich bringen, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Muskelkrämpfe, Erschöpfung oder sogar der Hitzschlag, der im Ernstfall bis zum Tod führen kann. US-Forscher haben bereits 2013 herausgefunden, dass Hitzestress die Produktivität eines Menschen auf 80 Prozent der ursprünglichen Leistungsfähigkeit senken. Länder in der subtropischen und tropischen Zone, wie z.B. Indien, leiden bereits heute darunter. In Folge des Klimawandels werden sich auch die Temperaturen in Mitteleuropa erhöhen, was die Gefahren des Hitzestresses enorm vergrößern kann.

Was die Landwirtschaft betrifft, verdreifachen sich die durch den Klimawandel angerichteten Schäden im Zeitraum von 2040 bis 2060. Die Ernteausfälle sollen besonders schlimm in Ländern der dritten Welt ausfallen, in denen schon heute knapp 780 Millionen Menschen Hunger leiden müssen. Die Ernteausfälle werden umso wahrscheinlicher, je mehr sich die Niederschlagsmengen in den nächsten Jahrzehnten verringern werden.

Wir können uns den Klimawandel nicht mehr leisten

Zugegeben, die Prognose der OECD sind sehr unsicher. Wie schon gesagt, tipping points können nicht einbezogen werden, Externalitäten sind sehr schwer messbar und auch für die einzelnen Indikatoren können viele Aspekte nicht prognostiziert werden (z.B. frühzeitige Sterbefälle durch zunehmende Temperaturen). Die sozialen und ökologischen Konsequenzen, die sich ebenfalls wirtschaftlich auswirken können, sind ebenfalls nicht miteinbezogen, weil die Datengrundlage einfach zu unsicher ist. Bereits heute gibt es sogenannte „Klimaflüchtlinge„, also Personen, die auf Grund veränderter ökologischer Lebensumstände zur Flucht gezwungen sind. Von sozialen Unruhen und sogenannten „Wasserkriegen“, also bewaffneten Konflikten um Wasserressourcen, ganz zu schweigen.

All diese Punkte werfen die Frage auf, warum die Staatengemeinschaft bisher so zögerlich mit dem Klimawandel umgegangen ist und Reformen so langsam umsetzt. Ein häufig vorgebrachtes Argument ist, dass wir uns Umweltschutz momentan nicht „leisten können“, zu viel Umweltschutz gefährde Arbeitsplätze. Nun es sieht wohl eher so aus, dass wir uns in Zukunft zu wenig Umweltschutz nicht mehr leisten können. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA hat berechnet, wie viel uns jede Tonne zusätzliches CO2 kostet. Ihr Ergebnis ist wahrlich erschütternd: Im Durchschnitt kostet uns jede Tonne CO2 50 Euro. Umgerechnet auf Österreich ergeben sich dadurch Kosten in Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro. Das entspricht der Höhe des Budgets für alle österreichischen Universitäten.

Aber allen die immer noch daran glauben, man könne Profite über die Gesundheit unseres Planeten stellen, sei dies gesagt:

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf maxaurel.wordpress.com

Fotos: pixabay.com (public domain)

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