Die Freude der Entschleunigung… oder: Ganz im Moment sein

Sommer-Kolumne von Martha Wirtenberger (Folge 2)

Manches Mal frage ich mich, wie gesund unser Lebensstil wirklich ist. Viele sind getrieben von ihren Aufgaben und definieren sich danach, wie viel sie zu tun haben. Es bleibt in unserem Alltag hier in der westlichen Welt oft zu wenig Zeit zum gemütlichen und vor allem spontanen Zusammensein. Viele Freundinnen und Freunde sehe ich nur selten und das liegt vor allem daran, dass einfach jede Menge für alle zu erledigen ist. Es ist schön, dass wir viele Möglichkeiten haben und auch Prioritäten setzen können, wohin und worauf wir unsere Energie lenken. Es ist schön, dass wir in unserer westlichen Kultur planen und uns strukturieren. Allerdings frage ich mich manchmal, ob wir es nicht etwas übertreiben. In meinem Umfeld ist es schon sehr flexibel und spontan. Darüber bin ich froh.

Auf Kuba ist es sehr spielerisch und leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und den Moment zu zelebrieren. Auf Spanisch heißt es auch „Hay que vivir el momento“ – Es gilt, den jetzigen Augenblick zu leben. Ich genieße beim Reisen vor allem den freien Raum, mit Leuten in Kontakt zu kommen und von diesen fixen und organisierten Zeiten weg zu kommen.

Wenn ich in Ländern wie Kuba unterwegs bin tauche ich in eine ganz andere Dimension von Zeit ein. Der große Unterschied besteht für mich vor allem darin, wie und wofür Zeit verwendet wird: für Freunde, Familie, Arbeit (die vielfach etwas anders als bei uns abläuft), Musizieren, Tanzen, Einkaufen und geselligem Beisammensein bis zum gemütlichen Nichtstun. Das Einkaufen läuft bei uns meistens nebenher. Jedenfalls ist das bei mir so. Auf Kuba gibt es aufgrund von Mangelwirtschaft sehr oft die Herausforderung, mehrere Wege zu machen, um zu den Nahrungsmitteln zu kommen. Das ist bei großer Hitze manchmal schon sehr beschwerlich. Oft wird dann das Eine oder Andere auf morgen verschoben. Denn es soll auch genug Zeit für Gespräche mit Freunden vorhanden sein. Ich finde das sehr liebenswert und es nimmt viel Druck raus für mich persönlich, die oft mit langen „To do Listen“ beschäftigt ist.

Die Menschen auf Kuba leben in der Gegenwart und versuchen, das Beste aus ihrer jeweiligen Situation zu machen. Manchmal war das für mich herzerwärmend und erfrischend, länger einfach gemütlich beisammen zu sitzen und keinen Plan zu haben, was wir später am Tage machen werden. Ich freue mich dabei auch auf meine Bereitschaft, mich ganz auf dieses Lebensgefühl einzulassen und dabei das Beste aus beiden Kulturen miteinander verbinden zu können. Kuba und die Freude der Entschleunigung, der Präsenz im Augenblick haben mich geprägt in den letzten Jahren (mehr dazu in meinem Buch: „Geliebtes Kuba – deine Lebensfreude begleitet mich“).

Ich bin froh, dass ich diesen Zugang in meinem Leben hier in Wien und überall wo ich bin und mich gerade befinde, integrieren und leben kann.

Für die Entschleunigung und den Genuss des Augenblickes möchte ich folgendes Lied empfehlen:

Marc Anthony, Vivir mi vida (ein Lied, das ich 2014 auf Kuba kennen- und lieben gelernt habe):

Mehr über Martha Wirtenberger: www.herzwelten.at

Fotos: Martha Wirtenberger

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