Bahn frei für Ärzte ohne Grenzen

Natascia De Franceschi berichtet über den “Mapathon” in Wien

Jeder kennt die ausgezeichnete Arbeit von Ärzte ohne Grenzen und ihren Einsatz in Krisengebieten: das Team von Ärzte ohne Grenzen wird aktiv, wenn das lokale Gesundheitssystem nicht mehr in der Lage oder willens ist, den Betroffenen zu helfen. Aufgabe der humanitären Hilfe, ist es, Menschen beizustehen, die verletzt, vertrieben oder vergewaltigt werden, die kein Wasser haben, keine Nahrung, keine Unterkunft oder keinen Zugang zu medizinischer Hilfe.

Das klingt simpel und selbstverständlich, ist es aber nicht. Denn oft halten sich die Menschen in schwer zugänglichen und gefährlichen Regionen auf. Aufgabe der Helfer und Helferinnen ist es herauszufinden, was die Betroffenen benötigen und sowohl Hilfsmaterial als auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dorthin zu bringen.

Manchmal reicht es nicht, Kranke und Verletzte zu behandeln, sondern auch von jenen wundervollen Menschen zu berichten, die ihr eigenes Leben riskieren, um das Leben anderer zu retten. Es ist nicht allen bewusst, dass Menschen, auch ohne spezielle Ausbildung im medizinischen Bereich, einen Beitrag für diese NGO leisten können und nicht nur durch Spenden. Die nachstehende Einladung erschien kürzlich in verschiedenen sozialen Medien:

Bei „Mapping Partys“ helfen Freiwillige vernachlässigte Krisenregionen „auf die Karte zu setzen“. Diese Daten sind für die Arbeit von Hilfsorganisationen wichtig, um im Krisenfall schneller und gezielter reagieren zu können.

Zeichnen Sie Dörfer, Straßen und andere geografische Details auf Satellitenaufnahmen abgelegener Gebiete ein, die von Naturkatastrophen, Krankheiten oder Konflikten betroffen sind. Sie leisten so einen wichtigen Beitrag für unsere medizinische Nothilfe – und es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig! Wer kann mitmachen?
Jeder kann mitmachen, egal ob man Anfänger/in oder erfahrener Mapper/in ist.
Wann und wo findet der nächste Mapathon statt?

Zu einem dieser Events in Wien waren kürzlich etwa 50 Menschen verschiedenen Alters, Nationalität und sozialer Herkunft zusammengekommen. Nach einer einfachen Registrierung auf der oben genannten Website erschien auf dem Monitor das Satellitenbild des zu kartierenden Gebietes: An diesem Abend war ein Gebiet im Norden von Nigeria zu „mappieren“, wo aufgrund der Infiltration der Terrorgruppe Boko Haram ein Großteil der lokalen Bevölkerung viele Dörfer und ländliche Gebiete verlassen musste und in andere sicherere Gebiete umgezogen ist.

In diesen Zonen wurden viele Häuser und einfache Baracken gebaut, die noch niemand vor Ort registriert hat: die Freiwilligen sollten nur mit der Maus alle mit weißer Farbe gezeichneten Gebäude markieren und drauf klicken und die Aufgabe war erfüllt. Es war überhaupt keine schwierige Arbeit und alle haben mit großer Freude und großem Interesse mitgemacht. An diesem Abend würden 9.000 Gebäude “gemapped”.

Diese erste Mapping-Arbeit wird von den MitarbeiterInnen vor Ort fortgesetzt, die dort alles kontrollieren und die offizielle Registrierung vornehmen. Auf jedem Fall ist diese erste grobe Arbeit sehr nützlich und erleichtert die nachfolgenden Aufgaben der lokalen MitarbeiterInnen von Ärzte ohne Grenzen.

Vera Schmitz, Krankenschwester aus Deutschland, war zuletzt an einer groß angelegten Impfkampagne von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik beteiligt. Ziel war es im Juni 2017 alle Kinder im Süden des Landes unter fünf Jahren gegen sieben Kinderkrankheiten zu impfen. Was ursprünglich als Präventionsmaßnahme gedacht war, geriet jedoch rasch zur Notfallbekämpfung, nachdem erste PatientInnen mit Masern diagnostiziert wurden und eine Epidemie zu befürchten war. Innerhalb eines Monats wurden daraufhin rund 64.000 Kinder geimpft.
Dazu Schmitz:

„Der logistische Aufwand war enorm, man könnte beinahe sagen: der Weg war das Ziel – so schwierig wie sich die Anfahrt teilweise gestaltet hat. Abgesehen davon, dass einige Orte von vornherein nur per Motorrad, Piroge oder zu Fuß erreichbar sind, sind wir im Laufe der Kampagne auf diverse weiter Hindernisse gestoßen: Viele Brücken in prekärem Zustand, was die Anfahrt erschwerte, viele gefallene Bäume, die den Weg versperrten, die Regensaison, die dazu geführt hat, dass das Auto im Schlamm stecken blieb und die unzählige Häuser und Baracken, wo die Kinder zu impfen und die Kranken waren, die nicht auf der Karte zu finden waren.“

Jedes Jahr kosten Naturkatastrophen und Kriege auf der ganzen Welt beinahe 1.000.000 Menschen das Leben und verdrängen 200 Millionen Menschen. Viele der Orte, an denen diese Katastrophen stattfinden, sind buchstäblich von jeder Karte „verschwunden“ und Ersthelfern fehlen die Informationen, um wertvolle Entscheidungen in Bezug auf Hilfsmaßnahmen zu treffen.

Missing Maps ist ein offenes, kooperatives Projekt, bei dem alle helfen können, Gebiete neu zu kartieren, in denen humanitäre Organisationen versuchen, die Bedürfnisse von gefährdeten Menschen zu erfüllen.

Um die am meisten gefährdeten Orte in den Entwicklungsländern zu kartieren, braucht das Humanitarian OpenStreetMap Teams (HOT) bei der Entwicklung von Technologien, Fähigkeiten Workflows und Communities Unterstützung durch Freiwillige, die sich in verschiedenen Städten sammeln, um die Aufgaben zu lernen. Die Verwendung von OpenStreetMap stellst sicher, dass alle Daten frei, offen und für die Verwendung unter der Open-Lizenz verfügbar sind. 

Mapathons ist eine Community von Mappern, die gleichzeitig von verschiedenen Orten der Welt zusammen an der gleichen Region arbeiten können und deshalb stellt es eine wundervolle Möglichkeit dar, nicht nur für den Austausch von Ideen, sondern auch für die Verbreitung der großartigen Arbeit, die Ärzte ohne Grenzen auf der ganzen Welt leistet.

Aktivitäten von Missing Maps sind so gestaltet, dass sie für Einzelpersonen zugänglich und offen sind und jeder kann auch von zu Hause allein weiter „mappieren“ und, wer weiß, dank seiner einfachen Hilfe, kann ein krankes Kind irgendwo in der Savanne, schnellstmöglichst gerettet werden.

Titelbild: Gwoza im Bundesstaat Borno, wo Ärzte ohne Grenzen ein Spital betreibt (Foto: Kate Nolan)

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