Die 68er

Schlüsseltexte der globalen Revolte – Sonntag ist Büchertag von Hannes Hofbauer (Promedia Verlag)

Die Revolte der 68er ist 50 Jahre her. Anlass genug, sich mit ihren klassisch gewordenen Texten zu beschäftigen. Die „68er“ waren ein internationales Phänomen und reichten vom antikolonialen Befreiungskampf in drei Kontinenten über die Sozialbewegungen der Schwellenländer bis in die Metropolen des kapitalistischen Weltsystems. Das Jahr 1968 war zudem auch für die Länder des Staatssozialismus folgenreich.

”1968” stellt eine Chiffre dar. Die Sozialbewegungen wurden vor allem von Jugendlichen, Studierenden, Intellektuellen und Künstlern, aber auch von Arbeitern – wie in Frankreich, Brasilien und Italien – getragen und zeichneten sich durch antiautoritäre Mentalität, Kultur und Lebensweise aus. Der Protest gegen den Vietnamkrieg sowie die Auflehnung gegen Rassismus, gesellschaftliche Ungleichheit und autoritäre bzw. bürokratische Strukturen waren gemeinsame Anliegen. Der Wunsch nach einer besseren Welt verband diese Bewegungen über Länder und Kontinente hinweg. Die Parole ”Ich nehme meine Wünsche für die Wirklichkeit, denn ich glaube an die Wirklichkeit meiner Wünsche” an den Wänden der Sorbonne und die Forderung italienischer Arbeiter zehn Jahre später, ”Wir wollen alles!”, markieren die Utopien und Hoffnungen dieser langen Revolte.

Die Texte, die hier vorgestellt werden, haben das globale ”1968” geistig vorbereitet und beeinflusst. Die Auswahl beschränkt sich auf die Zeit bis 1968. Neben politisch-programmatischen Texten finden sich theoretische Beiträge, die weltweit gelesen wurden, aber auch Flugblätter und Songs, die das Lebensgefühl dieser Jahre wiedergeben.

40 Jahre nach der ”globalen Revolte” liegt damit eine besondere Art von leicht zugänglichem Reader vor, in dem Originaltexte von der Herausgeberin Angelika Ebbinghaus kommentiert und in ihren politischen und historischen Kontext gestellt werden. Ein Glossar und eine Literaturliste geben all jenen Tipps und Anregungen, die sich mit dem Thema ”Das globale 1968” weiter beschäftigen wollen.

Die Herausgeberin:
Angelika Ebbinghaus, Jahrgang 1945, ist Historikerin und psychologische Psychotherapeutin. Vorsitzende der ”Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts” und langjährige Mitherausgeberin der Zeitschrift ”1999” / ”Sozial.Geschichte”.

Die 68er – Schlüsseltexte der globalen Revolte
Angelika Ebbinghaus (Hg.)
Promedia Verlag, 2008
224 Seiten, br., 12,90 Euro
ISBN 978-3-85371-278-8

Mit Texten von Lin Biao (1965), Régis Debray (1967), Rudi Dutschke (1967), Frantz Fanon (1963), Andre Gunder Frank (1966), Ho Chi Minh (1965), Ernesto ”Che” Guevera (1967), Herbert Marcuse (1967), Karol Modzelewski (1967), Antonio Negri 1967), Helke Sanders (1967), Jean-Paul Sartre (1960) und Ota Šik (1968) und anderen.

Titelbild: Anti-War March, Chicago, 10. August 1968 (David Wilson/flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0)

1 Kommentar

  1. Revolten dieser Art haben immer nur die TeilnehmerInnen verheizt. Wer je an Opernballdemos teilnahm und die Folgerepression (nach den Foto- und Filmaufnahmen, die von den TeilnehmerInnen gemacht wurden) erlebt hat, müsste sich daran eigentlich erinnern.

    Auch und gerade in Deutschland war das genauso.

    Deshalb sind Forenbewegungen https://austriansocialforum.wordpress.com und Konferenzen wie die am 2./3. März besser, sie erreichen wesentlich mehr Menschen und lassen RepressionistInnen ins Leere laufen.
    https://www.unsere-zeitung.at/2018/02/10/rosa-luxemburg-konferenz-programm/

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