„Tote Pferde reiten“ … Innenminister verleiht altem Sprichwort neue Dimensionen …

Berittene Polizei inmitten der Großstadtverkehrs? Da lachen ja die Pferde, das war schon vor 70 Jahren obsolet. Foto/Grafik: R. Manoutschehri
Berittene Polizei inmitten der Großstadtverkehrs? Da lachen ja die Pferde, das war schon vor 70 Jahren obsolet. Foto/Grafik: R. Manoutschehri

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) kündigte den Probebetrieb für eine neue berittene Polizei in Wien an. Ein Vorschlag, der außerhalb des blauen Dunstkreises nur ungläubiges Kopfschütteln und kritische Reaktionen bishin zu einer Gegen-Petition auslöste. Menschen und Tiere ernsthaften Verletzungsrisiken auszusetzen, ist nicht zu akzeptieren.

Ein Kommentar von R. Manoutschehri

1950 wurde (nach etwa Hundert Jahren) die berittene Polizei in Österreich als zu rückständig und ineffizient abgeschafft. Nun gibt es einen Innenminister, dessen Ideen zwar schon vor 70 Jahren als rückständig gegolten hätten, der aber trotzdem glaubt, dass man 2018 wieder Pferde durch die Großstadt treiben solle.

Einer von vielen exemplarischen Plänen, die ausschließlich Unterstützung von vorgestrig-blauen Geistern erhalten, aber von allen Anderen nur mit Kopfschütteln bedacht werden – egal ob vonseiten der Stadtverwaltung, vom Tierschutz oder der Polizei selbst. Schließlich sind Pferde auch bei bestem Training nicht kompatibel mit lauten, asphaltierten und von Autos durchrasten Straßen einer heutigen Großstadt. Und eine eigene Polizeieinheit aufzubauen, die nur in Parks und größeren Grünräumen zum Einsatz kommt, wäre eine bloße Geldverschwendungsorgie.

Mehr Gefährdung statt mehr Sicherheit

„Vier Pfoten“ fasst die Gefahren einer berittenen Polizei in einem Petitionsschreiben an den Innenminister zusammen: Hierbei würden sowohl Menschen als auch Tiere ernsthaften Verletzungsrisiken ausgesetzt. Denn in hier zu erwartende Stresssituationen würden sich die Tiere niemals freiwillig begeben und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pferde trotz guter Ausbildung außer Kontrolle geraten. Pferde in die hektische Wiener Innenstadt, eine nicht artgemäße Umgebung, zu holen, um sie gegen Menschen einzusetzen, sei nicht akzeptabel.

Vordenker (lt. FPÖ Wahlwerbung)? Wohl eher das Gegenteil …

Wir brauchen keine längst ausgedienten Konzepte wiederzubeleben (sprichwörtlich „tote Pferde weiter reiten“). Wir bauchen auch keine Politiker, die ebenso willkürlich wie ahnungslos wie die Elefanten im Porzellanladen den Staat und seine funktionierenden Strukturen demontieren. Wir brauchen echte Lösungen für echte Probleme und daher auch echte Fachleute anstelle von selbsternannten, in Wirklichkeit aber gänzlich bildungsfernen „Experten für eh alles“ in der Regierung.

Zur Petition von „Vier Pfoten“: Keine Pferde gegen Menschen einsetzen

4 Kommentare

  1. Klar bin ich gegen diese Petition, ist doch lächerlich… Pferde sind Nutztiere und vor allem können sie wunderbar trainiert werden. Punkt.

    • Sofy – höre ich da die Ideologie „unwerten Lebens“ heraus? Alles Leben auf diesem Planeten ist nur dazu geschaffen, dem (Herren-) Menschen zu dienen?

      Nun, dann empfehle ich dir, die Laudato si‘ von Papst Franziskus zu lesen, in der sich das Dominium terrae (macht euch die Erde untertan) aus dem alten Testament (auf das sich diese NS-„Theorie“ eigentlich begründet) seit 2015 einer komplett gegenteiligen, neuen Interpretation erfreut.

      Aber auch ein einfaches Biologie- oder Zoologiestudium könnte deine Meinung dazu ändern. L.G., Robert

  2. „zu rückständig und ineffizient …“

    Es geht heute aber nicht um Unrückständigkeit oder Effizient, sondern um REPRESSION, die inzwischen von allen Parlamentsparteien OPTIMIERT (wenn nicht gar MAXIMIERT) werden: Autohasser mit Fuzo Mahü, Mobilitätsfeinde mit Erlaubnisscheinen a la Führerschein (was anderes ist so ein FS nimmer) bis zur beinahe Schrittgeschwindigkeit von Mopeds und Mopedautos, Gschisti Registrierung hier und Gschasti Bedingungen da.

    Beispiel: Polizei braucht nur Fortbewegung (könnte auch R4 oder 2CV sein, oder ein Mopedauto als Funkstreife) + Funk + Hubschrauber. Polizei fährt aber grundsätzlich teure VW — gibt es überhaupt andere Polizeiautos? — und setzt auf VERFOLGUNGSfahrten inklusive Spektakel und Gefährdung.

    (nennt sich aber „Sicherheit“)

    oder Beispiel Militär: 3 „Abfangjäger“ (alle mit 2,5facher Schallgeschwindigkeit: wenn die starten, können sie gleich wieder landen, und zwar im Nachbarstaat, so klein ist Österreich; Westost 10 Minuten Flug, Nordsüd 5 Minuten) stehen momentan wieder auf der Wunschliste, weil sich Piloten halt lieber einen Ferrari wünschen als einen Kleinlieferwagen. Militär braucht nur Radar + Raketen (OHNE die Eurofighter daran) + Hubschrauber oder A10 (?) zur Boden-Unterstützung im kleinen Land, will aber grundsätzlich lieber Abfangjäger „wie die Grossen, auf Augenhöhe eben“, wie das die Trittbrettfahrer-IdeologInnen immer nennen …

    Wie lange es wohl dauern wird, bis ein INLANDsPASS a la Sowjetunion (gab es bis weit in die Nachkriegszeit! wer nach Moskau wollte, durfte das nur mit so einem Ding) in der EU „neu“ eingeführt wird?

    Hyperstaat = MEHR Repression (nämlich SUMME der Repressionen, Nationalismen — gegenüber „aussen“ zb mit Frontex — und Rassismen) und nicht weniger Repression …

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